Schnürsenkel am Turnschuh zubinden beim Ausgleichssport zum Reiten

Darum ist Ausgleichssport zum Reiten so wichtig

Hand aufs Herz: Machst du Ausgleichssport zum Reiten? Oder argumentierst du, dass Reiten mit allem Zipp und Zapp und Stallarbeit Sport genug sei? Solltest du eher zu den Argumentierern statt zu den Ausgleichssportlern zählen, dann kann ich dich beruhigen – du bist nicht allein! Dennoch möchte ich das Thema heute aufgreifen und ein paar Gedankenanstöße bieten.

Ja, ich gebe es zu, ich gehöre zu den Argumentierern. Ich finde es nämlich vollkommen ausreichend, wenn ich 5-6 Tage die Woche beim Pony bin, reite, Bodenarbeit mache und schwere Schubkarren mit Mist durch die Gegend schiebe. Mein Orthopäde hat mir aber gesagt, dass ich mich irre. All das hält mich zwar fit, ich muss für mein Knie aber trotzdem noch anderen Sport machen. Er ließ dabei Wörter wie Krafttraining und Muskelaufbau fallen.

Ja, ich weiß: Er hat recht. Deswegen hat mich das Gespräch mal wieder über das Thema Reiten, Sport und Ausgleichssport zum Reiten nachdenken lassen.

Reiten ist Sport. Oder?

Wer dir sagt, dass Reiten kein Sport sei, weil du nur auf dem Pferd sitzt, der saß vermutlich noch nie auf einem Pferd. Denn Reiten ist sehr wohl Sport. Es ist kein Sport, bei dem man einen hochroten Kopf bekommt und am Ende schwitzend und nach Atem ringend auf dem Boden sitzt. Das verbinde ich eher mit Marathonlaufen und Squash. Aber Reiten ist trotzdem Sport, es hält fit und es ist ein Muskeltraining von Kopf bis Fuß.

Beim Reiten passt sich unser Körper ständig den Bewegungen des Pferdes an. Im Schritt beispielsweise bewegt sich das Becken und es fühlt sich an, als würden wir rückwärts Radfahren. Dabei werden unsere Muskeln rhythmisch an- und abgespannt – und das von Gangart zu Gangart unterschiedlich. Das ist wichtig, denn nur so können wir unser Gleichgewicht halten. Beim Viertakt Schritt oder Tölt werden die Muskeln deswegen anders beansprucht als beim Dreitakt Galopp oder beim Zweitakt Trab oder Pass. So werden unsere Muskeln einerseits gestärkt und andererseits gelockert. Selbst tiefe Verspannungen können durch den Wechsel aus An- und Abspannung gelöst werden.

Ich lache da zwar immer ein bisschen drüber, weil ich schon ganz genau hinschauen muss, bis ich meine Bauchmuskeln sehe, aber: Beim Reiten trainierst du neben den Rückenmuskeln auch deine Bauchmuskulatur. Beide Muskelpartien sorgen dafür, dass du aufrecht und locker sitzen und den dreidimensionalen Bewegungen deines Pferdes folgen kannst.

Ebenfalls gestärkt wird die Beinmuskulatur, hierbei vor allem die hintere Oberschenkelmuskulatur, weil auch hier ein stetiges An- und Abspannen der Muskeln erfolgt. Gleiches gilt für die Arme und die Schultern.

Reiten ist aber nicht nur Muskeltraining, sondern es verbessert auch unsere Ausdauer und Koordination, schließlich bewegen wir unsere Körperteile unabhängig voneinander: Die eine Hand macht etwas anderes als die andere Hand und die Füße haben ebenfalls ganz eigenständige Aufgaben.

Das klingt alles ziemlich toll. Finde ich. Aber trotzdem: Reiten allein reicht nicht aus.

Ausgleichssport zum Reiten ist wichtig

Ich weiß nicht, was du beruflich machst, ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch. Und ich muss leider ehrlich zugeben, dass Reiten allein mich nicht fit und sportlich macht. Ich bin sicher fitter als jemand, der gar keinen Sport macht. Da hört es dann aber auch schon auf.

Das größte Problem hierbei ist aber nicht, dass meine Lieblingshose vielleicht kneift. Das größte Problem betrifft mein Pferd.

Sind meine Bauch- und Rückenmuskeln schwach, dann kann ich nicht locker aufrecht sitzen. Ich verliere Gleichgewicht und Balance.

Meine Muskeln verkrampfen, weil ihnen die Kraft fehlt. Oder ich falle zusammen und der Rücken wird zum Rundrücken.

Wie auch immer: Wenn mir die Muskulatur fehlt, dann fange ich an mich zu verspannen. Ich bekomme feste Schultern beim Reiten und ich kann nicht mehr locker mit dem Becken mitschwingen. Kurzum: Ich beginne mein Pferd zu blockieren und zu stören. Das Ergebnis: Es wird niemals korrekt und gesund über den Rücken laufen können.

Und dabei ist doch genau das unser Ziel: Wir wollen unser Pferd gymnastizieren und es dazu bringen, dass es trotz unseres Reitergewichtes seinen Rücken aufwölbt. Nur dann kann es uns tragen ohne Schaden zu nehmen.

Deswegen ist es wichtig, dass wir nicht nur unser Pferd gesund trainieren, sondern uns auch selbst fit halten. Und vor allem jetzt im Winter, wo es früh dunkel wird, sollten wir uns dieses Thema wirklich zu Herzen nehmen. Wenn es früh dunkel wird und kalt ist, dann ist es viel verlockender sich mit Decke, Tee und Buch aufs Sofa zu kuscheln, als einen Spaziergang zu machen oder eine Runde joggen zu gehen.

Auch mir geht es so. Hinzu kommt, dass mir auch einfach die Zeit fehlt. Deswegen werde ich dir an dieser Stelle nicht mit erhobenem Zeigefinger sagen, dass du unbedingt noch nach dem Stall ins Fitnessstudio gehen solltest. Das kann ich ja selbst nicht machen. Aber ich finde es wichtig, dass wir uns immer wieder bewusst machen, wie wichtig es für unser Pferd ist, dass wir Reiter fit sind (abgesehen natürlich davon, dass es auch uns gut tut).

Ein bisschen Fitness geht immer

Ich versuche mehrmals die Woche ein kleines bisschen Training in meinen Alltag einzubinden, um die Muskeln zu stärken und das Gleichgewicht der verschiedenen Muskelpartien aufrechtzuerhalten. So verbinde ich beispielsweise das Zähneputzen mit Kniebeugen. Außerdem habe ich Yoga schätzen gelernt. Warum Yoga so toll ist für uns Reiter, das erzählt dir Katja Kellner in meinem Interview Yoga für Reiter. Du musst dich auch nicht unbedingt zu einem Yogakurs anmelden. Ich mache meine Yoga-Übungen zu Hause. Mittlerweile findet man im Internet ja richtig viele tolle und kostenlose Trainingsvideos. Mein Favorit ist beispielsweise der Yoga-Kanal Happy and Fit. Vielleicht schaust du einfach mal bei Herzenspferd vorbei, Christina hat dort die besten kostenlosen Zusatzsport- und Stretching-Videos für Reiter gesammelt.

Und nun bin ich gespannt: Wie hältst du dich neben dem Reiten fit? Oder fehlen dir auch Zeit und Motivation?
Viele Grüße

Buchtipps:

Wenn Erwachsene in den Sattel wollen: Lösen – Schwingen – Kreisen. Eine neue Reitlehre mit DVD*

Eckart Meyners: Aufwärm- und Übungsprogramm für Reiter*

Angelika Engberg: Centered Riding – Reiten aus der Körpermitte (DVD)*

Foto: pexels.com

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4 thoughts on “Darum ist Ausgleichssport zum Reiten so wichtig”

  1. Das tolle ist, dass man sich eigentlich nur die ersten 4 Wochen aufrappeln und ein kleines bisschen quälen muss. Man sagt nämlich so als Faustregel, dass man eine Tätigkeit etwa 4 Wochen regelmäßig tun muss, bis sie in den Alltag integriert ist. Dann muss man nicht mehr den inneren Schweinehund überwinden, um joggen zu gehen oder Fitness zu machen (vorausgesetzt man hat Spaß daran und macht es nicht nur, weils halt sein muss).

    Und das Wohlbefinden wird echt stark erhöht! Man ist viel ausgeglichener, kommt auch mal mit etwas weniger Schlaf aus und hat seltener Verspannungen 🙂

    Also: Eigentlich ist Sport ein relativ leicht einzuhaltender Neujahrsvorsatz, weil es nach einer Zeit von alleine läuft (vorausgesetzt man verfolgt das Ziel mit etwas gutem Willen und Ernsthaftigkeit) 😀

  2. Hey Karo,

    ich halte mich derzeit noch nicht wirklich Fit neben dem Reiten, finde es aber dem Pferd gegenüber einfach nicht fair. Denn wenn ich vergleiche, was er in einer Unterrichtsstnude tut (und er tut viel) und ich, wie ich oben sitze und Anweisungen gebe.. Da muss ich neben her mehr Sport machen und habe mittlerweile Springseil im Auto und auch die Inliner sind auf dem Weg. Mit Stallkollegin möchte ich dann Sport machen. FIT ZUM PFERD

  3. Hallo Karo,
    ich finde Ausgleichssport auch ein sehr wichtiges Thema und mir persönlich hilft es auch, besser zu reiten. Außerdem merke ich im Fitnessstudio des Öfteren, dass Reiten zwar fit macht, aber da noch einiges mehr rauszuholen ist. Der Körper gewöhnt sich beim Reiten, egal wie leistungsorientiert man es betreibt, meiner Meinung nach in all den Jahren irgendwann sehr an die Belastung, weil es ja auch immer „das selbe“ ist für die Muskeln.
    Wo ich persönlich etwas die Stirn runzeln muss, ist „Kniebeugen beim Zähneputzen“. Ich finde es wichtig, dass man immer darauf achtet die Übungen korrekt auszuführen, damit sie am Ende nicht mehr schaden als nutzen. Dazu sollte man sie, wenn schon nicht unter Anleitung, wenigstens mit voller Konzentration und Kraft machen und nicht halbherzig nebenbei… Die 20min am Tag für ein kleines Home Workout müssen einfach drin sein!

    Viele Grüße
    Cathy von Horsediaries

  4. Schöner Post 🙂
    Ich mache neben dem Reiten noch Tanzen und Fitnesstraining, allerdings muss ich dazu noch sagen, dass ich nicht 6 Mal sondern nur 2 Mal in der Woche reite und dafür noch 3 Stunden tanze und fast täglich etwas Fitness mache 🙂
    Mir macht das alles insgesamt total Spaß und es ist sowieso immer gut nicht nur eine Sache die ganze Zeit zu machen und sonst nichts sondern eben verschiedene Sachen, die dafür auch andere Muskelgruppen etc. beanspruchen 🙂

    Liebe Grüße
    Pauline :*

    http://www.summerliness.wordpress.com

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