Pferd frisst Heu

Ein automatisches Weidetor erleichtert die pferdegerechte Fütterung

Eine pferdegerechte Fütterung ist gar nicht so leicht. Pferde sind Dauerfresser. Ihr Magen ist darauf ausgelegt, den ganzen Tag über viele kleine Nahrungsportionen zu sich zu nehmen. Für uns Pferdebesitzer heißt das, dass wir unseren Pferden den ganzen Tag verteilt über möglichst viele kleine Mahlzeiten anbieten sollten. Wenn du Selbstversorger und dann auch noch berufstätig bist, ist das gar nicht so leicht – zumindest nicht, wenn du nicht Weide satt oder Heu ad lib. füttern möchtest. Unsere Lösung: ein automatisches Weidetor.

Ich muss gestehen: Ich habe mir lange Zeit nicht so richtig Gedanken darum gemacht, wie oft ein Pferd etwas essen muss. Ich bin zwar mit den Pferden am Haus aufgewachsen und ich habe die Pferde gefüttert, doch Gedanken um die Fütterung habe ich mir keine gemacht.

Als ich dann später mein eigenes Pferd gekauft habe, waren wir zunächst Einsteller in einem Pensionsstall. Dort wurde die Raufutter-Fütterung von den Stallbesitzern organisiert und übernommen. Wir Einsteller hatten damit nicht viel zu tun und haben uns entsprechend auch nicht so viele Gedanken darum gemacht.

Seit ein paar Jahren bin ich aber wieder Selbstversorger – und seitdem sehe ich die Dinge mit ganz anderen Augen. Pötzlich erfordert die Pferdefütterung jede Menge Gehirnschmalz. 🙂

Die Verdauung des Pferdes

Der Pferdemagen produziert pausenlos Magensäure. Ganz gleich, ob das Pferd frisst oder nicht. Wenn die Fresspause zu lang ist, was bei unseren domestizierten Pferden leider sehr häufig der Fall ist, dann kommt es leicht zu einer Übersäuerung des Magens, weil die Verdauungssekrete, die auch ohne Futterzufuhr produziert werden, die Magenschleimhaut angreifen können. Über kurz oder lang besteht die Gefahr von Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüren.

Im Idealfall bietest du deinen Pferden Heu ad libitum oder, wenn es keine Hochleistungsweide ist, unbegrenzten Weidegang. Doch beides ist leider nicht mit jedem Pferd machbar. Über die Erfahrung, dass 24 Stunden Heu nicht immer funktioniert, kannst du auch hier nachlesen.

Für mich als Pferdebesitzer heißt das: Auf der einen Seite möchte ich, dass mein Pferd möglichst viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen kann, im besten Falle immer dann, wenn es das Bedürfnis nach Essen verspürt. Auf der anderen Seite aber habe ich mit meinem Isländer ein sehr leichtfuttriges Pferd, bei dem ich mit einem zu großen und freien Futterangebot schnell auf die Nase fallen kann.

Wenn ich also möchte, dass mein Pferd kontrolliert aber regelmäßig frisst, dann muss ich mehrere Portionen über den Tag verteilt füttern.

Und hier beginnen die Schwierigkeiten.

Bin ich Einsteller in einem Pensionsstall, wo rund um die Uhr jemand da ist und die Möglichkeit hat, die Pferde mehrmals am Tag zu füttern, dann ist das kein Problem.

Anders sieht es aus, wenn mein Pferd in einem Selbstversorgerstall steht und die Stallgemeinschaft mehr oder weniger voll berufstätig ist und nicht mal eben die Mittagspause mit Pferdefüttern verbringen kann.

Bei uns am Stall gibt es vier Mahlzeiten am Tag: morgens, mittags bzw. nachmittags, abends und nachts. Das ist zwar noch nicht perfekt, es ist aber schon ganz gut.

Während die Versorgung morgens, mittags und abends durch uns gewährleistet werden kann, stellte die nächtliche Fütterung ein Problem dar – schließlich möchte niemand von uns nachts aufstehen, zum Stall fahren und die Pferde füttern.

Weil uns die Zeit von der abendlichen Fütterung bis zum nächsten Morgen aber zu lang war, musste eine andere Möglichkeit her.

Unsere Lösung: Wir haben uns ein automatisches Weidetor gebaut.

Automatische Weidetore werden via Zeitschaltuhr gesteuert. Zur voreingestellten Zeit öffnet sich ein Tor und gibt den Weg frei in einen weiteren Teil des Paddocks, wo wir abends Raufutter hinlegen. So können wir den Pferden zu verschiedenen Zeiten Futter anbieten, ohne dass jemand von uns da sein muss.

Wie funktioniert das automatische Weidetor?

Ganz einfach gesagt: Der Riegel des Tores ist mit einem Band an einer Spule befestigt, die wiederum mit einer Zeitschaltuhr verbunden ist. Springt die Uhr an, dann bewegt sich die Spule und wickelt das Band auf. Dabei wird der Riegel des Tores geöffnet und das Weidetor springt auf.

Dieses Video, aufgenommen beim Offenstall Kaltenborn, zeigt gut, wie die praktische Umsetzung funktioniert:

Das automatische Weidetor in der Praxis

Wir haben bei uns bisher nur ein Tor, das automatisch geöffnet wird. Mit diesem haben wir einen Bereich des Paddocks abgetrennt. Abends, wenn wir die Pferde füttern, füllen wir die Heukisten in dem abgetrennten Bereich mit Raufütter und schließen das Tor. Nachts öffnet sich das Tor und die Pferde können fressen.

Theoretisch ist es möglich, mehrere automatische Weidetore zu installieren, um den Pferden zu unterschiedlichen Zeiten Futtermöglichkeiten zu bieten. Dazu benötigst du jedoch einen sehr großen Paddock.

Wenn beispielsweise nur nachmittags und abends jemand am Stall sein kann, dann könntest du eine Möglichkeit für die Nachtfütterung einrichten. Darüber hinaus könntest du einen Frühstücksraum abtrennen, zu dem sich morgens die Tür öffnet und den Pferden das Frühstücksheu bietet. Ein paar Stunden später öffnet sich dann das Tor zu einem weiteren abgetrennten Bereich, in dem die Pferde erneut Raufutter bekommen. Nachmittags bzw. abends wird selbst gefüttert und das Futter für den nächsten Tag in den jeweiligen Fressbereichen aufgefüllt.

Durch ein automatisches Weidetor gibt es aber noch viel mehr Möglichkeiten: Soll ein Pferd beispielsweise mehr fressen oder braucht es länger, dann kann es im abgetrennten Bereich so lange in Ruhe fressen, bis das Tor aufgeht.

Weitere Automatisierungs-Möglichkeiten

Ich habe bisher nur die Erfahrung mit dieser Form von automatischen Weidetoren gemacht.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass die Tür nicht mit einem Riegel, sondern mit einem Haftmagnet bedient wird. Dieser Magnet ist an den Stromkreislauf angeschlossen. Solange es einen geschlossenen Stromkreislauf gibt, solange ist der Magnet aktiv. Wird der Stromkreislauf mittels Zeitschaltuhr unterbrochen, lässt die magnetische Wirkung nach und das Tor öffnet sich.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Optimierungsmöglichkeiten, beispielsweise durch automatische Futterraufen. Hier wird zu vorgegebener Zeit via Zeitschaltuhr ein Tor wie ein Rolladen nach oben gezogen und gibt so den Zugang zum Raufutter frei.

Automatisches Weidetor selber bauen

Ein selbstöffnendes Weidetor lässt sich ganz einfach selber bauen. Du brauchst dafür lediglich einen automatischen Hühnerklappenöffner (zum Beispiel diese Automatische Hühnerklappe *), eine Zeitschaltuhr und ein bisschen handwerkliches Geschick.

Wie genau das automatische Weidetor aussieht, ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Meistens musst du auch ein bisschen tüfteln und probieren, bis es richtig funktioniert.

Du kannst ein Tor beispielsweise öffnen lassen, indem ein Stift nach oben rausgezogen wird. In diesem Fall musst du den Öffnungsmechanismus direkt oberhalb des Tores anbringen. In diesem Fall wird der Stift mit einem Band an der Spule des Hühnerklappenöffners befestigt. Zur vorgegebenen Zeit wird dann der Motor des Öffners aktiviert, die Spule beginnt sich zu drehen und das Band, das am Stift befestigt ist, wird aufgewickelt. Der Stift wird dabei rausgezogen und das Tor auf diese Weise entriegelt.

Automatisches Weidetor mit Stift nach oben
Dieses Tor wird mit einem Stift geöffnet und geschlossen, der nach oben rausgezogen wird.
Automatisches Weidetor mit Stift
Der Öffnungsmechanismus: Die Spule wickelt das Band auf und zieht den Stift nach oben. Das Tor geht auf.

Hast du ein Tor bei dem der Riegel zur Seite geschoben wird, dann muss der Mechanismus daneben angebracht werden. Das Prinzip ist ansonsten ganz ähnlich: Der Riegel wird mit einem Band an der Spule befestigt und sobald sich diese zur vorgesehenen Zeit zu drehen beginnt, wird der Riegel aufgezogen und das Tor öffnet sich.

Automatisches Weidetor
Hier ist der Öffnungsmechanismus seitlich angebracht.
Automatisches Weidetor
Der Öffnungsmechanismus neben dem Riegel.

Ganz wichtig ist, dass du den Öffnungsmechanismus wasserdicht verstaust. Dafür bieten sich beispielsweise Kisten aus Plastik oder Metall an, über die du vielleicht noch ein kleines Dach baust. Wir haben diese hier im Einsatz: Orthex Clipbox Smart Store Classic 14*.

Öffnungsmechanismus wetterfest verpackt
Hier wurde der Öffnungsmechanismus wetterfest verstaut.

Übrigens: Damit das Tor auch aufspringt, brauchst du entweder eine Feder oder ein ausreichend schweres Gegengewicht.

Wenn du ein Gegengewicht nimmst – einen großen Stein beispielsweise – dann musst du diesen über Umlenkrollen mit dem Tor verbinden, damit er das Tor aufziehen kann. Das siehst du auf den oberen Fotos.

Ob die Zeitschaltuhr mit Strom aktiviert wird oder mit einer Batterie, macht im Grunde keinen Unterschied. Bei einer Batterie solltest du jedoch regelmäßig überprüfen, ob noch genug Saft vorhanden ist.

Wie regelst du die Pferdefütterung? Hast du auch ein automatisches Weidetor? Oder eine selbstgebaue zeitgesteuerte Heuraufe? Wie funktioniert die Fütterung bei dir? Oder hast du vielleicht noch andere Ideen, wie die Fütterung in einem Selbstversorgerstall optimiert werden kann? Dann freu ich mich auf deinen Kommentar.

Viele Grüße
Karo

Zum Weiterlesen:

Automatisches Weidetor selber bauen

Ulrike Amler: Pferdehaltung – artgerecht und gesund: Der richtige Stall für mein Pferd*

Auf Twotoned gibt es einen schönen Beitrag darüber, warum die ständige Heuversorgung für Pferde so wichtig ist.

 

12 thoughts on “Ein automatisches Weidetor erleichtert die pferdegerechte Fütterung”

  1. Apropos automatisch…ich fahre täglich an einem “ Pferdebeweger“ vorbei, wo die Pferde im Kreis gehen müssen und sonst von einem Gitter von hinten gestossen werden. Nun habe ich gesehen ( resp. am Geräusch erkannt, dass auch ein elektrischer Zaun macht) , dass die Pferde nicht nur geschupst werden, sondern immer noch einen “ kleinen“ Stromstoss erhalten, wenn sie nicht – oder nicht schnell genug laufen.

    Ich habe keine Ahnung von Pferden, doch ich denke, dass sie nicht so weit denken können, dass sie nicht so oft einen Stromstoss erhalten würden, wenn sie den Abstand zum vorderen Gitter verringern würden oder welches Tempo optimal ist – und Tempomat haben sie auch kenen eingebaut. Der Frontallappen ist bei Tieren kleiner als bei Menschen, wodurch Tiere weniger gut reflektieren können, was sie tun…doch meist tun Menschen das auch nicht, wenn es um Geld geht oder um den eigenen Vorteil – zB mehr Freizeit zu haben. Vielen Menschen würde es auch gut tun, sich mehr zu bewegen – trotzdem ist es unvorstellbar, sie gegen ihren Willen auf die gleiche Weise jeden Tag ein paar Runden gehen zu lassen – oder nicht?

    Ist das überhaupt erlaubt und was hälst du davon. Ich konnte nichts darüber finden im Internet und bin auf diese Plattform gestossen…

    1. Hallo Monika,
      ob so etwas erlaubt ist, weiß ich leider nicht. Ich selbst bin auch kein Freund von Führmaschinen, ich denke, wenn ein Pferd artgerecht im Offenstall mit anderen Pferden leben darf, wird es sich ausreichend bewegen können. Wenn die Führmaschine mit Stromschlägen gekoppelt ist, ist das ganze umso schlimmer. 🙁

  2. Hallo, wir füttern ebenfalls „automatisch“ mit Hühnerklappenöffner. Morgens geht das Tor auf und entweder gibt es Heu oder Wiese, je nach Jahreszeit. Die Geräte funktionieren sehr zuverlässig, auch im Winter.

  3. Ich habe mit einer Zeitschaltuhr und Magneten eine automatische Heufütterung gebaut, bei der die Portionen zu bestimmten Zeiten in Heunetzen von oben in die Ständer fielen. War auch sehr praktisch und erlaubte mir 4 Fütterungen pro Tag/Nacht mit nur einmal auffüllen. Die fünfte gab es dann manuell. Der Fantasie sind mit ein bisschen Erfindungsreichtum keine Grenzen gesetzt.

      1. Ich habe damit vier Pferde versorgt. Heißt natürlich auch 16 Netze stopfen, aber ich habe die Dienste mit meinen Einstellern geteilt und so hielt sich die Arbeit in Grenzen.

  4. hi!

    Super Artikel, an diese Möglichkeit habe ich noch gar nicht gedacht! Bis jetzt habe ich über Selbstversorgerställe noch gar nicht nachgedacht. Da es ja schwer ist, immer die Zeit zu finden.
    Damit kann man es aber super vereinfachen.

    Danke für die Anleitung.

    lg Claudia

    1. Liebe Claudia,
      ich bin mit Pferden am Haus großgeworden, für mich war es irgendwie immer selbstverständlich, „anzupacken“.
      Meine kurze Zeit als Einsteller in einem Pensionsstall habe ich natürlich sehr zu schätzen gewusst. Aber ich muss auch sagen, dass es mir oft gefehlt hat einfach nur so mit den Pferden zusammen zu sein. Wenn ich jetzt mit Schubkarre und Äppelboy über den Paddock ziehe, dann begleitet mich der Ponymann gerne. Zumindest beobachtet er mich.
      Außerdem lernt man so viel mehr über seine Pferde. Das war zumindest mein Eindruck. Man beobachtet viel intensiver, weil man stets im Hinterkopf hat, dass man evtl. ja etwas optimieren könnte. 🙂
      Aber es ist natürlich auch ein echter Zeitfaktor. Neben dem Job und dem Pony ist einfach nicht viel Zeit für andere Dinge. Das muss einem bewusst sein. Und manchmal ist es schon stressig, wenn man abends nach Feierabend noch schnell zum Stall fahren muss, weil man Stalldienst hat. Aber ich habe mich damit arrangiert und ich würde es auch nicht mehr anders haben wollen. 🙂

      1. Hi!

        Für mich ist bis jetzt der Selbstversorger Stall was ganz neues. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie das ist wenn man sich auch um Ausmisten usw. kümmert. Wie du schon schreibst bekommt man da ein ganz anderes Verhältnis dazu.

        Die Zeit ist natürlich auch ein erheblicher Faktor. Aber schön, dass du damit total zufrieden bist. :O)
        Das ist ja das wichtigste für alle Beteiligten! :O)

        Lg Claudia

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