Übergänge reiten nur mit Hilfe von Energie

Feiner Reiten: Wie uns Energie dabei helfen kann

Kennst du das? Du sitzt auf deinem Pferd, du bist aber eigentlich total kaputt vom langen Arbeitstag und deswegen sehr energielos. Doch du möchtest trotzdem, dass dein Pferd flott vorwärts läuft und seine Hinterhand aktiv einsetzt, damit es seinen Rücken aufwölben kann. Irgendwie funktioniert das aber nicht. Dir fehlt die Energie. Die Energie zwischen Pferd und Reiter ist aber wichtig. Sie hilft dir nämlich nicht nur dabei, deine Hilfen zu verfeinern, sondern sie verbessert auch das Gangbild deines Pferdes.

Zwischen dir und deinem Pferd findet jederzeit ein Energieaustausch statt. Gehst du energisch auf dein Pferd zu, dann weicht es zurück. Bist du aufgeregt, dann überträgt sich diese Aufregung auf dein Pferd. Bist du müde, dann wird auch dein Pferd nicht unruhig neben dir herumtänzeln.

Der Duden definiert Energie als „mit Nachdruck, Entschiedenheit [und Ausdauer] eingesetzte Kraft, etwas durchzusetzen; starke körperliche und geistige Spannkraft, Tatkraft“. Energie ist also nicht zu sehen, sie ist aber trotzdem vorhanden. Und zwar nicht nur, wenn du dich energiegeladen fühlst und denkst, du könntest Bäume ausreißen, sondern auch dann, wenn du müde und antriebslos bist. Dein Energiefluss ist gestört.

Dass der Körper auf Energie reagiert ist wissenschaftlich belegt. So geht beispielsweise die Quantentheorie davon aus, dass der Körper mittels elektromagnetischer Felder Informationen empfangen, speichern und umsetzen kann. Wenn wir ein Pferd oder einen anderen Menschen berühren, tauschen wir Energie aus. Dabei ist das Herz das stärkste elektromagnetische Feld unseres Körpers. Das HeartMath Institute hat bewiesen, dass positive Gefühle zu einem effizienteren und regenerativem Funktionsmodus führen. Geht es mir also gut und habe ich positive Gefühle, dann kann ich viel besser reagieren, als wenn es mir schlecht geht und ich gestresst bin. Dies ist vor allem beim Reiten ein großer Vorteil. Linda Tellington-Jones und Rebecca C. Didier haben sich mit diesem Thema unter anderem in ihrem Buch Reiten mit Körper, Geist und Seele* beschäftigt, dass ich dir sehr empfehlen kann.

Reiten: permanenter Energieaustausch

Wenn wir auf dem Pferd sitzen und reiten, dann tauschen wir permanent Energie aus: körperlich, emotional und geistig. Diesen Energieaustausch kannst du dir zunutze machen, indem du deine Körperenergie bewusst steuerst und einsetzt – ganz gleich, ob du in der Ich-könnte-Bäume-ausreißen- oder eher in der Heute-ist-mir-alles-zu-anstrengend-Stimmung bist. Es kommt nämlich einzig darauf an, dass du deine Energie bewusst einsetzt. Davon konnte ich mich neulich in einer Centered Riding Reitstunde überzeugen.

Im Mittelpunkt der Trainingseinheit stand das Reiten von Übergängen mithilfe meiner Gedanken. So konnte ich mich mit dem bewussten Einsatz von Energie vertraut machen. Mein Ziel war es Übergänge zu reiten, ohne dass ich „von außen“ aktiv auf mein Pferd einwirke. Ich weiß, dass das sehr esoterisch und seltsam klingt. Aber das ist es nicht. Wir alle nutzen unsere Energie beim Reiten. Wenn du zum Beispiel schnell galoppieren möchtest, benötigst du mehr Energie, als wenn du entspannt Schritt reitest. Doch du kannst noch viel mehr damit machen.

Die Energie beim Reiten bewusst einsetzen

Pferde sind sehr sensibel. Sie nehmen unsere Stimmung wahr und reagieren auf kleinste Veränderungen. Selbst eine minimale Veränderung unserer Energie, die wir kaum bemerken, wird von den Pferden registriert. Deswegen ist es wichtig, dass auch wir so fein wie möglich agieren und reagieren. Möchte dein Pferd nicht schneller werden, dann solltest du es nicht sofort ungeduldig mit den Schenkeln oder der Gerten vorwärts treiben. Du solltest stattdessen zunächst einmal in dich hineinhorchen und spüren, wie es um dich steht: Kannst du deine Energie bündeln und richtig einsetzen oder sitzt du vielleicht in Wirklichkeit eher ganz antriebslos auf deinem Pferd und lässt sich mehr durch die Gegend tragen als dass du aktiv reitest?

Ich sollte der Trainingseinheit meine Energie ganz bewusst einsetzen und mit ihr arbeiten. Wollte ich traben, dann sollte ich ganz bewusst an Trab denken. Allein durch den Gedanken daran habe ich meine Energie gesammelt, meinen Körper unbewusst auf die neue Gangart vorbereitet und so meinem Pferd das Signal zum Antraben gegeben. Gleiches habe ich gemacht, wenn ich durchparieren wollte. Auch das Losgehen haben wir auf diese Weise gestaltet. Zum Aufsteigen steht mein Pferd an der Aufsteighilfe und wartet in der Regel, bis ich mich richtig in den Sattel gesetzt habe. Dann gebe ich mit meiner Stimme und meinen Schenkeln das Signal zum Losreiten. Dies mache ich ganz automatisch und oft bin ich gedanklich gar nicht beim Losreiten, sondern noch beschäftige mich mit der Gerte oder dem Aufnehmen der Zügel. Dieses Mal sollte ich meine Schenkel nicht nutzen, sondern allein durch meine Gedanken und die damit aufgebrachte Energie dafür sorgen, dass Sleipi antritt. Ich sollte mich also nur auf das Losreiten konzentrieren und dieses bewusst gestalten.

Am Anfang fiel es uns beiden nicht so leicht und die Vorbereitung für den Übergang in eine andere Gangart hat ein wenig gedauert. Doch wir haben uns schnell eingefunden und mein Pferd hat am Ende der Reitstunde vor allem bei den Übergangen Schritt-Trab, Halt-Schritt und Galopp-Trab so fein reagiert, dass ich fast gar keine aktiven Hilfen einsetzen musste. Hilfen habe ich natürlich trotzdem gegeben, schließlich hat sich mein Körper auf die andere Gangart oder das Anhalten vorbereitet. Diese waren aber so fein, dass ich den Eindruck hatte, wir würden allein über unsere Gedanken miteinander kommunizieren. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich schön und ich bin am Ende der Trainingseinheit absolut glücklich vom Pferd gestiegen!

Nur die Übergänge Schritt-Halt und Trab-Schritt klappten in der Stunde noch nicht so gut. Mir fällt es sehr schwer, meine Energiefrequenz herabzusetzen beziehungsweise die Energie wieder einzusammeln und zu kontrollieren. Daran arbeite ich jetzt verstärkt. Als hilfreich empfinde ich dabei das Bild der schweren Kette, die aus der Körpermitte kommt und durch das Pferd hindurch nach unten sinkt auf den Boden sinkt und dort ankert. Die schwere Kette ist ein Bild aus dem Centered Riding, über das Sally Swift in ihrem Buch Centered Riding – Pferd und Reiter im Gleichgewicht im Kapitel „Die Energiekräfte“ schreibt.

In ihrem Buch erklärt sie außerdem, wie wichtig die bewusste Arbeit mit der Energie ist:

„Das Pferd erhält seine Energie vom Boden und gibt sie durch seine Füße, sein Zentrum und seinen Rücken an Sie weiter. Wenn Sie Ihrerseits Ihr Zentrum aktivieren, ausbalancieren und unter Kontrolle halten, spüren Sie die Impulse, die vom Boden aus durch Sie und Ihr Pferd hindurchströmen […] Wenn Sie dieser Energie exakte Hilfen harmonisch hinzufügen, wächst das Potential an Kraft und Bewegung mühelos und schlagartig an.“

Energie unterliegt dem Energieerhaltungsansatz. In einem geschlossenen System kann sich die Energie also weder vermehren, noch verringern. Sie kann lediglich umgewandelt werden. Newton benutzt dafür das Bild des Pendels, der die erste Kugel anstößt und damit alle Kugeln einer Reihe zum Schwingen bringt. Die letzte Kugel gibt ihre Energie beim Zurückschwingen wieder an die davor liegende Kugel ab usw. So ist auch das Bild von Sally Swift zu verstehen. Die Energie, die du bewusst einsetzt, geht nicht verloren, sondern wird umgewandelt in Kraft und Bewegung.

Gleichgewicht und Balance sind das A und O

Wichtig ist, dass du beim bewussten Einsatz von (positiver) Energie das Gleichgewicht nicht verlierst, das dein Pferd braucht, um losgelöst und entspannt vorwärts gehen zu können. Du musst deswegen gelernt haben, zentriert auf deinem Pferd sitzen, bewusst zu atmen, dich zu entspannen und die Bewegungen und damit die Energie deines Pferdes durch die durchfließen zu lassen. Machst du dich irgendwo fest, bringst du auch dein Pferd aus dem Gleichgewicht und es muss seine Energie dazu aufbringen, die Balance wiederzufinden. Darüber habe ich bereits in Die Anspannung einfach wegatmen und Wie die Kugel den Reitersitz verbessern kann geschrieben.

Wenn du gelernt hast, deine Energie bewusst zu steuern, kannst du aber nicht nur feinere Hilfen geben, auch das Gangbild deines Pferdes wird sich positiv verändern. Mit Hilfe der Körpermitte „[…] können wir wunderbar Energie aufbauen und an unser Pferd weitergeben. Gleichzeitig baut auch das Pferd Energie auf und gibt sie an den Reiter weiter. Rhythmus und Qualität der Bewegung die Balance zischen Pferd und Reiter werden leichter, natürlicher und fließender“, so Sally Swift in „Centered Riding – Pferd und Reiter im Gleichgewicht“ auf Seite 123.

Du siehst: Wenn du bewusst reitest und deine Energie nutzt, dann ist es ganz leicht, wirklich fein zu reiten. Dein Pferd wird mehr auf dich achten, durchlässiger werden und an Schwung, Kraft und Ausdruck gewinnen.

Setzt auch du deine Energie bewusst beim Reiten ein? Welche Bilder helfen dir dabei? Ich würde mich freuen, wenn du mir in einem Kommentar von deiner Erfahrung berichtest.

Viele Grüße

Karo von Pferdefreunde

 

 

 

Zum Weiterlesen:

Sally Swift: Reiten aus der Körpermitte, Band 1: Pferd und Reiter im Gleichgewicht* Hier findest du meine Rezension zum Buch.

Linda Tellington-Jones: Tellington-Training für Pferde: Das große Lehr- und Praxisbuch*

Petra von Pferdeflüsterei hat das Reiten mit Energie bei einem Kurstag mit Mark Rashid kennenlernen können und berichtet hier davon.

Tanja hat auf ihrem Blog Tash-Horseexperience eine eigene Kategorie zum Thema Energetik, wo sie beispielsweise über den Einfluss der Farben auf die Energie berichtet.

Bei Klaudia von Two-Toned findest du ebenfalls eine Kategorie zum Thema Energetik. Hier geht es vor allem um das spannende Thema Chakren.

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4 thoughts on “Feiner Reiten: Wie uns Energie dabei helfen kann”

  1. Hallo.
    Meine Trainerin hat mir den Tipp gegeben, ich solle den Takt zählen beim Übergänge reiten. Das hilft auch wirklich gut und zentriert ja für den Moment auch die Energie.
    Liebe Grüße Lisa

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