Westernreiten, Westernsattel mit Horn

Faszination Westernreiten – Gastbeitrag von lenina01.at

Vor mittlerweile drei Jahren habe ich mich nach einer sehr langen Pause von 10 Jahren dazu entschieden, wieder mit dem Reiten zu beginnen. In meiner Jugend habe ich es geliebt, keine andere Freizeitbeschäftigung konnte mich jemals wieder so fesseln. Also stand fest, ich werde wieder mit dem Reiten beginnen!

Dass ich vor so langer Zeit aufgehört habe, hatte mit meiner Angst zu tun. Ich hatte einen sehr schweren Sturz hinter mir und mich danach nie wieder auf ein Pferd getraut.

Genau aus diesem Grund, stand ich vor einer großen Herausforderung.

Seit meiner Kindheit hatte sich im Pferdesport einiges getan. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich damals die Wahl zwischen der Englischen Reitweise und dem Westernreiten gehabt hätte.

Ich stand also vor der Qual der Wahl.

Faszination Westernreiten…

In meinem heutigen Gastartikel möchte ich dir erzählen, was mich damals und auch noch heute am Westernreiten fasziniert hat und mich letzten Endes dazu gebracht hat, damit anzufangen!

  1. Die Ruhe als Belohnung

Da ich ein quirliger Mensch bin, hat das Thema Ruhe für mich schon immer einen besonderen Stellenwert eingenommen. Ruhig zu sein fällt mir nicht leicht, war aber definitiv immer schon etwas, das ich gerne in meinen Alltag integriert hätte. Dadurch war ich von der Idee der Ruhe im Pferdtraining – ja, sie sogar als Belohnung einzusetzen – sofort fasziniert und angezogen.

Die Ruhe ist für mich, jetzt noch viel mehr als früher, eine sehr wichtige Basis, um auf eine harmonische Art und Weise mit Pferden zu arbeiten.

  1. Der Einsatz der Hilfen beim Westernreiten

Die Hilfen werden beim Westernreiten in Form von Signalen eingesetzt. Die Ruhe die danach folgt, ist die Belohnung bzw. Bestätigung für das Pferd, die Hilfe richtig verstanden zu haben.

Diese Einsatzweise geht auf den Ursprung des Westernreitens zurück, der von den Cowboys als Arbeitsreitweise entwickelt wurde. Cowboys mussten täglich etliche Stunden im Sattel verbringen. Dadurch war es wichtig, möglichst kräftesparend zu reiten.

Daher werden die Hilfen beim Westernreiten impulsartig eingesetzt, und zwar nur in der absolut notwendigen Intensität.

Folgende Hilfen werden beim Westernreiten kombiniert eingesetzt:

  • Gewichtshilfen:
    Der Schwerpunkt des Reiters wird im Sattel verlagert. Das Pferd passt dann seinen eigenen Schwerpunkt an, um die Balance zu halten. Damit kann sehr gut ein Tempowechsel oder ein Richtungswechsel vorbereitet werden.
  • Schenkelhilfen:
    Die Schenkelhilfen werden signalartig eingesetzt, damit das Pferd möglichst fein reagiert. Das Anlegen der Schenkel beidseitig stellt eine treibende Einwirkung dar. Das einseitige Anlegen wird zum Lenken des Pferdes benutzt.
    Zum Angaloppieren wird der äußere Schenkel ein wenig nach hinten genommen und der innere Schenkel leicht geöffnet.
  • Stimmhilfen:
    Zusätzlich zu den nonverbalen Hilfen gibt es auch die verbalen. Es gibt für alle vier Gangarten im Westernreiten ein spezielles Geräusch.

Gangarten:

  • Schritt angehen: einfaches Klacken mit der Zunge
  • Trab: Doppeltes Klacken mit der Zunge
  • Galopp: Küsschen
  • Rückwärtsrichten: „Wow“

Zusätzlich gibt es Geräusche, die das Tempo regulieren.

Drosselnde Geräusche:

  • Galopp in den Trab: „Terab“
  • Trab in den Schritt: „Sch…“
  • Stehen bleiben/Stoppen: „Wow“
  • Tempo Verlangsamung im Galopp oder Trab: „Mh…“
  • Zügelhilfen:
    Die Zügel werden einerseits dazu verwendet, um das Pferd gerade zu machen, und andererseits zur Lenkung eingesetzt. Dazu werden die Zügel am Hals angelegt, das Pferd weicht bereits dieser Anlehnung.

Gibt man dem Pferd ein Signal, so führt es die dadurch hervorgerufene Figur aus oder hält das angegebene Tempo solange, bis ein neues Signal das alte ablöst.

Zwischen diesen Signalen können Korrekturen erfolgen, wenn zum Beispiel ein Zirkel zu klein wird oder die Schulter hereinfällt.

Auf diese Weise kann ein gut ausgebildetes Pferd sehr fein und mit wenig körperlicher Anstrengung geritten werden.

Für mich immer noch faszinierend ist, dass die eingesetzten Hilfen oft kaum ersichtlich sind.

 

  1. Das Arbeiten mit dem Pferd

Begeistert hat mich auch die aktive Mitarbeit des Pferdes, die beim Westernreiten notwendig ist. Das Pferd soll aufmerksam sein und von selbst die gewünschte Linie halten. Dazu muss das Pferd aktiv mitarbeiten.

Das macht es aber auch notwendig darauf zu achten, dem Pferd die Möglichkeit zu geben, auf die Hilfen reagieren zu können und sie zu verstehen.

Beim Westernreiten wird aus diesem Grund die Intensität der Hilfen gesteigert. Somit hat das Pferd die Chance, auf die gegebene Hilfe zu reagieren. Zeigt das Pferd das gewünschte Verhalten, wird es mit Ruhe belohnt.

Das Westernreiten baut sehr stark auf diesem Grundsatz auf. Es soll dem Pferd jederzeit möglich sein, „Fehler“ zu machen. Dem gegenüber muss aber auch eine höfliche Korrektur stehen, die erst nach und nach an Intensität gewinnt.

Ziel ist es, ein harmonisches Miteinander zu erreichen. Dabei kommt es viel auf den Reiter an und wie viel Gefühl er für die Hilfen mitbringt. Je feiner der Reiter, umso feiner wird auch die Kommunikation zwischen ihm und seinem Pferd.

Faszinierend war für mich, dass sich dieser Grundsatz auch in vielen anderen Techniken wiederspiegelt. Ich war erst vor kurzem bei einem Monty Roberts Seminar und sehr überrascht, dass es auch hier Parallelen gibt.

Was für mich irrsinniger Gewinn am Westernreiten ist, ist die Einstellung zu Fehlern! Fehler sind nichts Schlechtes! Ganz im Gegenteil, sie bergen das Potenzial für eine Weiterentwicklung. Wir müssen ihnen mit Geduld begegnen und vor allem bereit sein, aus unseren eigenen Fehlern zu lernen.

  1. Westernreiten als Entspannung

Dieser Punkt hat für mich in den letzten Jahren, vor allem durch die gemachten Erfahrungen, eine extreme Wandlung genommen.

Ich habe mit dem Westernreiten begonnen, da ich anfangs einfach ausreiten und die Zeit mit den Pferden genießen wollte.

Es war für mich ein pures Freizeitreiten, das ich an keine direkten Ziele knüpfen wollte. Ich wollte lernen, aber zu meinen Bedingungen!

Von meiner Reiter-Kindheit hatte ich beim Englischen Reiten noch sehr stark den dahinterstehenden Druck im Kopf. Reiterpass, springen lernen, weiße Hosen und blaue Sakkos…

Zugegeben, eine absolut subjektive Meinung. Ich möchte damit auch niemanden angreifen oder gar das Englische Reiten auf diese Sachen reduzieren.

Gerade bei Kindheitserinnerungen verankern sich solche Eindrücke aber besonders tief. Also dachte ich, ich wäre bei den „gemütlicheren“ Westernreitern viel besser aufgehoben.

Als ich dann mein Pflegepferd kennenlernte, stand damit aber auch ein Wechsel in einen Western-Turnierstall an. Bis dahin hatte ich mit Westernturnieren kaum Berührungspunkte.

Erst dort habe ich dann gelernt, dass auch bei Westernturnieren Kleidervorschriften herrschen und auch hier vieles zu bedenken ist.

Zwischen dem Westernreiten und dem Wanderreiten ist dann noch mal ein großer Unterschied.

  1. Das Westernreiten und sein Equipment

Wie schon eingangs erwähnt, war ich zu Beginn meiner zweiten Reitkarriere, absoluter Angst-Reiter! Dementsprechend hatte ich sehr schnell einen sehr wichtigen Grund ausgemacht, warum es für mich persönlich unbedingt das Westernreiten sein musste.

Das Horn!

Ja, richtig gelesen. Mir hat gerade in der Anfangszeit das Horn große Sicherheit gegeben. Ich konnte mich daran festhalten, wenn ich unsicher wurde.

Für den unabhängigen Sitz zwar leider sehr behindernd, aber gerade anfangs eine wichtige, vertrauensbildende Maßnahme.

Dazu kam, dass ich in meiner Kindheit sehr viele Western gesehen habe. Ich war neugierig und wollte es unbedingt einmal probieren. Einfach wie ein Cowboy Rinder zu treiben und durch die Prärie zu galoppieren.

Ja, so manche „Kindheitsträume“ sitzen tief!

 

Das waren die 5 Punkte dich mich maßgeblich an der Westernreitweise fasziniert und mich zu dieser Entscheidung gebracht haben.

Aus heutiger Sicht bin ich sehr zufrieden mit meiner damaligen Entscheidung. Trotzdem glaube ich, dass es wichtig ist, jede andere Reitweise nicht zu verurteilen.

Geschmäcker sind nun mal verschieden, jeder hat andere Vorlieben und Beweggründe sich für eine Reitweise zu entscheiden. Und keine davon ist besser oder schlechter.

Wie wir die Hilfen beim Reiten einsetzen, liegt noch immer in unseren Händen.

Wir sollten lernen, fein zu sein, an unseren Fehlern zu arbeiten und das Beste für unsere Pferde zu wollen.

Ich würde mich freuen wenn du deine Erfahrungen mit mir teilen würdest. Vielleicht hast du ja vor einer ähnlichen Frage gestanden. Was warne deine Beweggründe, dich für deine spezielle Reitweise zu entscheiden?

 

Der Autor:

Mein Name ist Claudia und ich schreibe auf meinem Blog www.lenina01.at über Pferde und das Westernreiten. Mein stetiger Lehrmeister dabei ist mein Pflegepferd Chicky.

 

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1 thought on “Faszination Westernreiten – Gastbeitrag von lenina01.at”

  1. Hallo und vielen Dank für den tollen Artikel. Meine Bekannte macht jetzt auch Western Reiten in Rostock . Ich konnte bis dato nicht so viel darunter vorstellen. Der Beirag hat mir etwas geholfen die Unterschiede zum normalen Reiten besser zu verstehen.

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