Feste Schultern beim Reiten

Feste Schultern beim Reiten

Kennst du das auch: Du sitzt den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch und wenn du nach Feierabend zum Stall kommt, sind deine Schultern total verspannt. Möglicherweise hoffst du, dass das Reiten die Muskeln wieder lockert. Welche Auswirkungen die festen Schultern auf deinen Reitersitz haben und mit welchen Übungen du deine Schultern lockern kannst, das verrate ich in diesem Beitrag.


Eine lockere, entspannte Schulterpartie spielt beim Reiten eine wichtige Rolle. Nur dann, wenn meine Schulter entspannt ist, kann mein Pferd entspannt laufen.

Ist meine Schulter fest…

  • … geht die Vorwärtsbewegung meines Pferdes verloren.
  • … wird eine weiche Zügelführung verhindert.
  • … kann mein Becken blockieren.

Die Auswirkung von festen Schultern auf dein Pferd

Unsere Aufgabe ist es, die Energie, die von der Hinterhand erzeugt wird, bis nach vorne zum Gebiss weiterzuleiten. Ist meine Schulter aber fest, wird die Energie von ihr abgefangen, sie gelangt also nicht bis nach vorne. Somit wird die Vorwärtsbewegung unterbrochen und geht verloren.

Doch nicht nur das: Sind meine Schultern verkrampft, dann muss sich der Schwung des Pferdes einen anderen Weg suchen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass bei einer festen Schulterpartie die Beine schlackern oder die Hände sehr unruhig sind.

Ist meine Schulter fest, dann habe ich automatisch keine weiche Hand mehr. Denn nur, wenn ich meine Bewegungen geschmeidig, fließend und elastisch ausführen kann, kann ich mein Pferd mit weicher Hand reiten.

Eine eher einseitige Verspannung der Schulter kann sogar dazu führen, dass mein Pferd schief läuft. Ist das Pferd zum Beispiel auf der rechten Seite hohl und habe ich wegen meiner verspannten rechten Schulter eine festere rechte Hand, dann kann es gut sein, dass mein Pferd versucht über die linke Schulter auszuweichen.

Solange aber meine Schulter fest ist, kann ich dieses Ausbrechen nicht richtig verhindern.

Verspannungen identifzieren

Wenn du also merkst, dass beim Reiten etwas schief läuft (im wahrsten Sinne des Wortes), dann versuch als erstes in deinen Körper hineinzuspüren und mögliche Verspannungen zu identifizieren.

Unsere Muskeln sind alle miteinander verbunden.  Ist der Nacken- und Schulterbereich verspannt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch der Rücken und das Becken versteifen. Warum ein lockeres Becken wichtig ist, kannst du im Beitrag „Mit dem Becken locker mitschwingen“ nachlesen.)

Feste Schultern äußern sich auf unterschiedliche Weise. Haben wir zum Beispiel Stress, dann ziehen wir fast alle immer die Schultern hoch. Meistens geht das Hochziehen der Schultern auch mit einem Nachvorneziehen einher.

Hier wird häufig gesagt „Brust raus, Schultern zurück“.

Doch dies führt dazu, dass wir unseren Rücken noch mehr verspannen und noch fester werden. Mir hilft dabei immer ein Bild aus dem Centered Riding: Ich stelle mir vor, dass sich meine Schlüsselbeine horizontal ausweiten, also dass sie immer weiter nach außen wachsen.

Das führt dazu, dass meine Schultern frei hängen können. Mein ganzer Oberkörper wird dadurch offener und leichter und entspannt sich.

Test: Wie locker sind deine Schultern?

Um herauszufinden, ob deine Schultern fest sind, gibt es eine tolle Übung, die ich bei Wege zum Pferd gefunden habe, für die jedoch ein Partner notwendig ist:

Lass deinen Arm von deinem Partner halten. Wenn dieser den Arm bewegt, dann lass die Bewegung zu. Dein Partner soll dir daraufhin ein Feedback geben, wie locker dein Arm und deine Schulter wirklich sind.

Spürt er beim Bewegen ein Festhalten unsererseits, dann sind wir nicht wirklich locker. Häufig denken wir nämlich, wir unsere Muskeln vollkommen entspannen. In Wirklichkeit spannen wir sie aber weiter an, wir merken es nur nicht.

Solltest du feststellen, dass deine Schultern fest sind, dann gibt es ein paar Tricks, die dir helfen, die Muskeln zu lockern.

Erste-Hilfe bei verspannten Reiterschultern

  1. Schultern kreisen. Zieh deine Schultern hoch, roll sie mit weicher, fließender Bewegung nach hinten, nach unten und wieder nach vorne und hoch. Nach 5 Mal Rollen das ganze andersherum. Dabei entspannt ein- und ausatmen.
  2. Entspannt atmen. Richtig atmen hilft immer. Richtig atmen heißt mit dem Bauch atmen. 1, 2, 3 einatmen und 1, 2, 3, 4, 5 ausatmen. (Mehr zum Atmen liest du im Beitrag „Die Anspannung einfach wegatmen“)
  3. Muskeln zupfen. Eine gute Möglichkeit, die verspannten Schulter- und Nackenmuskeln zu lockern, ist, sie zu zupfen. Dafür einfach mit zwei Fingern die Muskeln des verspannten Bereiches zupfen. Das regt die Durchblutung an und löst Verspannungen.
  4. Bewegung zulassen. Versuch deine Schultern auf dem Pferd im Schritt reitend ganz locker hängen zu lassen und die Bewegungen, die dein Pferd macht, auch in den Schultern zuzulassen.
  5. Arme pendeln. Lass deinen Arm locker neben dir hängen, entspanne alle deine Muskeln und versuch ihn schwingen zu lassen.  Du kannst deinen Arm nur pendeln lassen, wenn du alle deine Muskeln entspannst.

Mit diesen paar Übungen sind die Schultern natürlich nicht dauerhaft gelockert. Dafür ist es wichtig, auch außerhalb des Reitstalls an der Haltung und der Lockerung der Muskeln zu arbeiten.

Wenn ich merke, dass meine Schulter- und Nackenpartie arg verspannt ist, dann mache ich gerne Yoga. Ganz tolle Übungen findet ihr hier:

Weitere tolle Yoga-Übungen findest du auch bei Yoga für Reiter.

Wie geht’s dir und deinen Schultern? Sind die auch gerne verspannt? Welche Lockerungsübungen kannst du empfehlen?

Viele Grüße

Karo von Pferdefreunde

 

Zum Weiterlesen:

Pfridolin Pferd: Die Frau hat Schultern und andere Gelenke

Sally Swift: Reiten aus der Körpermitte, Band 1: Pferd und Reiter im Gleichgewicht* (-> Meine Rezension.

Eckart Meyners: Das Praxisbuch – Reiten als Dialog: Situationsanlysen & Lösungswege für Reitprobleme*

5 thoughts on “Feste Schultern beim Reiten”

  1. Tolle Übungen! Ich merke auf immer beim Yoga in Savassana, wenn es es heißt „Schultern von den Ohren weg“ wieviel Platz da noch nach unten ist. Ich denke immer ich habe sie schon entspannt, dabei stimmt das gar nicht.
    Vielleicht ist das ja tatsächlich der Grund für meine unruhigen Beine. Das ist bei mir nämlich auch tagesformabhängig.
    Vielen Dank für den interessanten Artikel!

    1. Liebe Nina,
      Danke für deine netten Worte!
      Wenn eine Stelle des Körpers fest ist, dann zieht sich das tatsächlich durch den ganzen Körper und deswegen kann es gut sein, dass eine feste Schulterpartie/ein fester Oberkörper zu unruhigen Beinen führt.
      Meine Reitlehrerin sagt mir auch immer wieder, ich muss meinen Kiefer locker lassen. Das ist ähnlich wie bei den Pferden: Ist das Kiefergelenk fest, ist auch vieles andere fest.
      Was übrigens super bei festen Beinen und Fußgelenken hilft, sind elastische Steigbügel. Ich reite wegen meiner Knie seit einigen Jahren schon mit Elastosteps. Die haben eine Feder und fangen Stöße ab. Damit wird ja auch ein bisschen Bewegung aus dem Bein genommen. (Außerdem sind sie total Gelenkschonend und tun dem Pferderücken gut.)
      Viele liebe Grüße
      Karo

  2. hi Karo,

    super Artikel! Ich hab auch oft verspannte Schultern vom Büro. Eine tolle Übung ist, wenn man die Schultern fest nach unten drückt, die10 sek hält und dann langsam wieder loslässt. Das Ganze ca. 5 mal, und der Schmerz ist schon viel besser. Versuch es mal!

    Liebe Grüße, akki

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