Kruppeherein reiten mit Pferd

Vom Schulterherein zum Kruppeherein

Das Schulterherein gilt als „Aspirin beim Reiten“. Doch es gibt noch weitere wichtige Übungen, die zum 1 x 1 des guten und gesunderhaltenden Reitens gehören, allen voran das Travers – auch Kruppeherein und Hip Control genannt -, das eng mit dem Schulterherein verbunden ist.

Das Travers gehört gemeinsam mit dem Schulterherein zu den Seitengängen. Es ist sozusagen das Pendant zum Schulterherein. Während beim Schulterherein die Schulter des Pferdes nach innen gestellt wird und die Hinterhand auf dem Hufschlag bleibt, bleibt beim Travers die Vorhand auf dem Hufschlag während die Hinterhand, also die Kruppe, nach innen gestellt wird. Daher auch der Name: Kruppeherein.

Das Kruppeherein hat eine lange Geschichte und geht zurück auf den Einsatz der Pferde im Kampf. Dort hatten Seitwärtsgänge eine wichtige Bedeutung. Das Travers beispielsweise bereitet auf Wendungen und Pirouetten vor.

Bis heute spielt das Travers eine wichtige Rolle für die gesunde Gymnastizierung unserer Pferde. Und das nicht ohne Grund, wie ihr im Laufe des Beitrags sehen werdet.

Vom Schulterherein zum Kruppeherein

Beim Training der Seitengänge steht das Schulterherein meistens vor dem Kruppeherein. Warum das Schulterherein so wichtig ist und wie du es richtig reitest, kannst du hier nachlesen. Beides sind versammelnde Übungen. Was Versammlung bedeutet und warum sie so wichtig ist, habe ich bereits im Beitrag über das Schulterherein ausführlich erläutert.

Das Kruppeherein fördert Biegung, Hankenbeugung und Lastaufnahme des inneren Hinterbeins. Der Gymnastizierungsschwerpunkt liegt vor allem im Lendenbereich.

Ein Pferd, das das Schulterherein auf beiden Händen gut beherrscht, wird mit dem Travers keine allzu großen Schwierigkeiten haben.

Dennoch ist das Kruppeherein für viele Pferde schwieriger als das Schulterherein. Während beim Schulterherein das innere Hinterbein verstärkt untertritt, tritt beim Kruppeherein das äußere Hinterbein verstärkt unter. Dabei wird eine stärkere Dehnung gefordert. Und die fällt vielen Pferden zunächst schwer.

Warum ist das Travers so wichtig?

Beim Travers muss das Pferd mit seinen Hinterbeinen stärker untertreten. Das sorgt nicht nur für eine Kräftigung der Hinterbeine und fördert die Tragkraft, sondern es sorgt gleichzeitig auch für mehr Schwung. Außerdem wird die innere Schulter leichter.

Die Kombination aus Versammlung und Biegung gymnastiziert und wirkt gleichzeitig lösend.

Die positiven Aspekte auf einen Blick:

  • Aktivieren  und stärken der Hinterhand
  • Erhöhen von Geschmeidigkeit und Geschicklichkeit
  • Biegung
  • Hankenbiegung verbessert die Tragkraft der Hinterbeine
  • Hilft beim Geraderichten
  • Gerades Angaloppieren kann erarbeitet werden
  • Die innere Schulter wird leichter
  • Vorbereitung für Pirouetten, Traversalen und Galoppwechsel
  • Versammlungsfähigkeit wird gefördert
  • Das abwechselnde Reiten von Schulterherein und Kruppeherein verbessert die Durchlässigkeit und Losgelassenheit
  • Hinterhand wird elastischer

Damit wir ein korrektes Kruppeherein reiten können, müssen wir uns zunächst mit dem Bewegungsablauf vertraut machen. Denn nur wenn wir verstehen was beim Travers passiert, können wir korrekte Hilfen geben und mögliche Fehler erkennen.

Bewegungsablauf beim Travers

Beim Kruppeherein setzt das Pferd alle Beine seitwärts-vorwärts. Es tritt mit dem äußeren Hinterbein verstärkt unter den Schwerpunk und setzt es in Richtung des inneren Vorderbeins.

Das äußere Hinterbein ist das tragende Bein.

Damit das äußere Hinterbein über das innere Hinterbein kreuzen kann, muss es vermehrt untertreten. Dabei senkt das Pferd seine äußere Hüfte ab und dehnt sich. Gleichzeitig wird die innere Schulter frei.

Das Pferd ist beim Travers in Bewegungsrichtung gebogen und bewegt sich entweder auf drei oder vier Hufspuren.Von hinten betrachtet sehen wir je nach Abstellung also drei oder vier Hufe.

Die FN beispielsweise verlangt das Travers in Prüfungen auf vier Hufspuren. Einige Reiter sehen das anders: Sie setzen Kruppeherein und Travers nicht Synonym, sondern unterscheiden zwischen dem Kruppeherein auf drei Hufspuren und dem Travers auf vier Hufspuren.

Mit welcher Abstellung geritten wird, sollte individuell vom Pferd und dem Trainingszustand abhängig gemacht werden. Eine pauschale Aussage, ob drei oder vier Hufspuren korrekt sind, möchte ich an dieser Stelle nicht treffen.

Der Bewegungsablauf beim Kruppeherein im Einzelnen:

  • Die innere Hüfte ist vor der äußeren Hüfte
  • Vorder- und Hinterbeine werden gekreuzt
  • Biegung vom Kopf bis zur Kruppe

Kleiner Tipp: Weil es vielen Pferden leichter fällt, mit dem äußeren Hinterbein zu schieben statt mit dem inneren zu tragen, sollte das Pferd insbesondere auf der hohlen Seite nicht zu stark abgestellt werden, denn dann kann dieser Effekt verstärkt werden.

Weil das Travers ebenso wie das Schulterherein eine versammelnde Lektion ist, müssen wir das Gefühl haben, wir würden bergauf reiten. Denn nur dann trägt das Pferd vermehrt die Last mit den Hinterbeinen und wölbt seinen Rücken auf.

Wie reite ich Kruppeherein?

Um das Kruppeherein zu üben, nutze ich gerne eine Volte, von der aus ich mit den entsprechenden Hilfen das Kruppeherein einleite. Auch aus dem Kurzkehrt lässt sich prima ein Travers entwickeln.

Hilfengebung beim Kruppeherein

  • Schenkelhilfe: Der äußere, verwahrende Schenkel hat beim Kruppeherein eine vorwärts-seitwärtstreibende Aufgabe. Er treibt die Hinterhand nach Innen und fordert es im Moment des Abfußens auf, zum Schwerpunkt zu treten. Der innere Schenkel ist für die laterale Biegung zuständig. Er ist für das innere Hinterbein zuständig und animiert es dazu, fleißig unterzutreten.
  • Zügelhilfe: Der innere Zügel ist für die Stellung zuständig. Der äußere Zügel kontrolliert die äußere Schulter und wirkt verwahrend.
  • Gewichtshilfe: Beim Kruppeherein wird das Gewicht nach innen, also in Bewegungsrichtung, verlagernt.

Beliebte Fehler beim Kruppeherein

Jedes Reiter-Pferde-Paar ist anders und macht entsprechend individuelle Fehler. Trotzdem lassen sich einige beliebte Fehler zusammenfassen.

  • Zu starke Abstellung. Die Lastaufnahme ist anstrengend. Deswegen versuchen viele Pferde dieser Anstrengung zu entgehen, indem sie ihre Hinterhand vorauseilen lassen. Dabei kreuzt dein Pferd seine Beine verstärkt und greift nicht so sehr nach vorne. Die Folgen: Der positive Dehnungseffekt geht ebenso verloren wie das Freimachen der Schulter. Außerdem blockiert eine zu starke Innenstellung die Schulter und verhindert ein freies Heraustreten der Vorderbeine.
  • Ausbrechen über die äußere Schulter. Wenn dein Pferd über seine äußere Schulter ausbricht, dann schummelt es ein wenig: Statt sein Bein vermehrt unterzusetzen und Gewicht aufzunehmen, schiebt es sich mit dem inneren Hinterbein über die Schulter nach vorne. Für uns Reiter fühlt sich das dann an, als falle unser Pferd mit uns nach vorne.
  • Zu stark eingesetzter Zügel. Wenn du die Zügel zu stark einsetzt, verhinderst du korrekte Stellung und Biegung. Um dieses Problem in den Griff zu kriegen, musst du dich immer daran erinnern, dass es neben der Zügelhilfe auch Gewichts- und Schenkelhilfen gibt, die dir beim Kruppeherein helfen.

Schulterherein und Kruppeherein ergänzen sich perfekt

Schulterherein und Kruppeherein ergänzen sich perfekt. Ein Beispiel: Wenn dein Pferd Probleme hat mit dem Travers nach links, dann solltest du ein Schulterherein auf der rechten Hand reiten. Dieses sorgt für macht das rechte Vorderbein beweglicher, weil es über das linke Bein kreuzen muss.

Eine tolle Übung, die ich sehr gerne reite, ist Zirkelvergrößern und Zirkelverkleinern. So reite ich zum Beispiel Zirkelverkleinern im Kruppeherein und Zirkelvergrößern im Schulterherein.

Auch ein steter Wechsel von einigen Schritten Travers und einigen Schritten der Konterübung Renvers ist super. Diese Übung macht dein Pferd aufmerksamer dem Schenkel gegenüber und fördert Flexibilität und Beweglichkeit.

Wenn die verschiedenen Seitengänge regelmäßig abwechselnd geritten werden, werden Durchlässigkeit, Beweglichkeit und Losgelassenheit verbessert. Außerdem wird die Tragkraft gefördert, die häufig weniger stark ausgeprägt als die Schubkraft.

Doch es gilt: Weniger ist mehr! Einige korrekte ausgeführte Schritte der anstrengenden Lektion genügen am Anfang absolut.

Wie sieht es bei euch aus, bindet ihr das Kruppeherein auch in euren Trainingsplan mit ein? Wo liegen eure Schwierigkeiten und welche Tipps habt ihr für andere? Ich freu mich auf eure Berichte und wünsche ganz viel Spaß beim Üben!

Bis bald,

Karo von Pferdefreunde

 

 

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20 thoughts on “Vom Schulterherein zum Kruppeherein”

  1. Pingback: Pferdefreunde | Darum redet jeder vom Schulterherein
  2. hey
    sehr gut erklärt
    Eine Frage habe ich jedoch.
    Werden die Beine gekreuzt oder laufen sie wie beim schulterherein gerade aus weiter?
    Dankeschön:-)

  3. das mit der Gewichtsverlagerung in Bewegungsrichtung beim Schulterherein nach außen ist ja logisch, aber beim Kruppeherein ist die Bewegungsrichtung die nach innen gebogene Seite. Dann müsste nach der Ecole de Legerete doch beim Kruppeherein nicht die Außen- sondern die Innenseite belastet werden

  4. Hey, ich verstehe bei der Gewichtshilfe nicht ganz, was Du meinst
    „Während die FN dem Reiter empfiehlt, sein Gewicht nach innen zu verlagern, verlagern die Anhänger der Schule der Légèreté um Philippe Karl ihr Gewicht in Bewegungsrichtung und damit nach außen.“
    – die Bewegungsrichtung ist doch nach innen?

    1. Guten Morgen!
      Ich hoffe, ich kann dir deine Frage verständlich beantworten. Falls nicht, einfach weiterfragen. 🙂
      Die FN lehrt, dass das Gewicht des Reiters immer innen ist. So auch beim Schulterherein.
      Reitest du ein Schulterherein auf der rechten Hand, dann ist dein Pferd nach innen gestellt und gebogen (also nach rechts). Laut FN müsstest du dein Gewicht nach innen, also nach rechts, verlagern.
      Dein Pferd bewegt sich aber nicht nach rechts – was es zum Beispiel tun würde, wenn du einen Zirkel oder eine Volte reitest, wo du dein Gewicht gewöhnlich eher nach innen verlagerst -, sondern es geht geradeaus weiter.
      Die Ecole de Légèreté ist der Meinung, dass der Reiter das Gewicht der Bewegungsrichtung anpassen sollte, weil das Pferd durch die Gewichtshilfe aus dem Gleichgewicht gebracht wird und in die Richtung tritt, in die das Gewicht verlagert wird, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.
      Da dein Pferd beim Schulterherein nach innen gestellt und gebogen ist, aber geradeaus weitergeht, müsstest du nach der Ecole de Légèreté dein Gewicht also nach außen und damit in Bewegungsrichtung verlagern.
      Ich hoffe, ich konnte dir deine Frage beantworten. Falls nicht, weiterfragen.
      Vielleicht hilft dir auch dieser Beitrag von Herzenspferd zum Thema „Gewichtshilfen“ weiter: https://herzenspferd.de/gewichtshilfen/
      Liebe Grüße
      Karo

    1. Hallo Hartmut, oh, du hast Recht. Das ist mir aber jetzt unangenehm. Ich werde den Fehler sofort korrigieren! Danke für den Hinweis!
      Und auch vielen Dank für’s Rebloggen! 🙂

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