Sleipi

Liebesbrief an mein Pony

Vor mehr als einem Jahr habe ich einen Text geschrieben, den ich „Liebesbrief an mein Pony“ genannt habe. Ich weiß: Pferde sind Pferde und sollten nicht vermenschlicht werden. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man auch einem Tier gegenüber liebevolle Gefühle wie Nähe, Vertrauen und Zuneigung empfinden kann.

Mein lieber Sleipi,

du bist der Ponymann und du wirst weder diesen Brief lesen, noch wirst du ihn verstehen können. Das macht aber nichts. Ich stelle mir einfach vor, wie du ihn liest und verstehst.

Seit wann kennen wir uns schon? Seit gut sechs Jahren.

Sechs Jahre – das ist eine ziemlich lange Zeit. Findest du nicht? Damals warst du noch ein richtiges Baby. Noch nicht ganz vier Jahre. Du hast da auf der Wiese gestanden und mich mit deinen großen Augen angeschaut. Und ich wusste: Du bist es. Du bist mein Ponymann.

An dem Tag, als du  zu mir kamst – es war der 16. April 2009 – war ich so aufgeregt. Und ich weiß, dass ich ein Lied immer und immer wieder gehört habe: „Swing life away“ der Punkband Rise Against. “Let’s unwrite these pages and replace them with our own words.”

Wenn ich das Lied heute höre, dann erinnere ich mich ganz genau an den Tag und an meine Gefühle.

Als du ankamst, haben meine Knie gezittert, weil ich so aufgeregt war. Wie muss es dir erst ergangen sein: Weg von deinem Zuhause, weg von deinen Freunden und deiner Familie. Und dann musstest du auch noch so lange Auto fahren. Bis du irgendwann bei mir warst. Bei mir, die du kaum kanntest. An einem Ort, der dir ganz fremd war.

Du warst da. Und ich war glücklich. So glücklich.

Die nächste Zeit war für uns beide sehr aufregend. Wir mussten wir uns annähern, beschnuppern, kennenlernen. Vertrauen aufbauen. Du musstest erst herausfinden, dass ich deine Freundin bin. Ich musste herausfinden, dass du gar nicht so wild bist, wie du anfangs getan hast.

Jetzt kennen wir uns. Und vertrauen uns. Mal mehr und mal weniger. Gestern ein bisschen weniger. Aber da hat es ja auch geregnet. Und heute wieder etwas mehr.

Es war so schön, als du heute deinen Kopf auf meinen Arm gelegt und gedöst hast. Meine ganze Aufgeregtheit vor der ersten Reitstunde mit einer fremden Trainerin war verschwunden. Du hast mich ganz ruhig werden lassen.

Wir haben so viel voneinander gelernt. Du hast mir so viel gegeben.

Immer, wenn ich bei dir bin, dann schaffst du es, dass ich meinen ganzen Alltagsstress abwerfe. Ärger, Wut und Traurigkeit sind verschwunden. Dann gibt es nur dich für mich. Du bist dann mein Mittelpunkt. Und wenn ich meine Nase in dein Fell stecke und deinen Ponygeruch einatme, dann weiß ich: Ich bin glücklich.

Außerdem macht es mich immer ganz stolz, wenn ich sehe, was du alles kannst. Was wir beide zusammen gelernt und erreicht haben.

Erinnerst du dich noch an unsere Anfangszeit? Ich weiß noch genau, dass es einen Tag gab, an dem du einfach nicht vorwärts gehen wolltest. Also sind wir rückwärts gegangen. Und am 8. November 2009 habe ich mich das erste Mal auf dich gesetzt. Nur kurz. Du warst so lieb und vorsichtig und ich war so wahnsinnig stolz.

Mir ist es nicht wichtig, wie hoch du deine Beine hebst und wie elegant du aussiehst. Mit deinem Puschelplüschfell mag ich dich eh am liebsten – und wer kann da schon elegant aussehen?

Mir ist es auch nicht wichtig, irgendwelche Preise zu gewinnen. Mir ist nur wichtig, dass wir beide Spaß haben. Mir ist wichtig, dass es dir gut geht und dass du glücklich bist – denn dann bin ich es auch. Du bist nämlich nicht einfach nur ein Pferd. Du bist du. Und du bist mein Pferdefreund, mein Ponymann, mein Glück.

Mein lieber Sleipi, ich weiß, du kannst diesen Brief nicht lesen und ob du ihn verstehen kannst, das weiß ich nicht. Ich schreibe ihn dir trotzdem. Und erzähl dir morgen davon. Morgen, wenn wir uns wiedersehen und ich meine Nase in dein Fell stecken und glücklich sein kann.

Lieber Sleipi, Danke, dass es dich für mich gibt!


 

Was macht deine Beziehung zu deinem Pferd so besonders? Erzähl es mir doch, ich freu mich auf eure Geschichten!

Viele Grüße

 

 

 

Zum Weiterlesen:

Akki von Fü(h)rpferd Horsemanship hat auch einen Liebesbrief an ihr Pferd geschrieben.

Und Petra von der Pferdeflüsterei stellt die Frage: Liebst du dein Pferd?

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