Das richtige Mineralfutter für das Pferd

Mineralstoffe – Was sie bewirken und wo sie vorkommen

Welches Mineralfutter soll ich meinem Pferd füttern? Eine Frage, die häufig gestellt wird. Und mit jeder Antwort wird etwas anderes empfohlen. Doch welche Funktionen haben die verschiedenen Mineralien, warum ist wichtig, bestimmte Mineralien zuzufüttern?

Eine richtige Antwort auf die Frage nach dem passenden Mineralfutter kann niemand geben. Dafür ist ein Blutbild erforderlich. Dieses gibt an, ob ein möglicher Mineralstoffmangel vorliegt. Gemeinsam mit dem Tierarzt oder einem Tierheilpraktiker kann dann das passende Mineralfutter ausgewählt werden.

Doch es hilf uns Pferdebesitzern schon sehr, wenn wir wissen, welche Wirkung die verschiedenen Vitamine und Spurenelemente haben und ob und wo diese im natürlichen Pferdefutter vorkommen.

Nicht ohne Grund haben viele für ihre Pferde ein Mineralfutter für die Weidezeit und eins für den Winter. Boxenpferde brauchen andere Mineralien als Offenstallpferde und ein Sportpferd hat einen anderen Bedarf als Freizeitpferde.

Warum ist die Gabe von Mineralfutter so wichtig?

Viele Probleme – sei es eine Krankheit oder ein deutlicher Leistungsabfall – sind häufig Ursache eines Mineralstoffmangels. So ein Mangel entsteht nicht innerhalb weniger Tage, sondern er baut sich über lange Zeit hinweg auf. Aus diesem Grund lässt sich auch eine Veränderung nach der Gabe von Mineralstoffen in Form von Zusatzfutter erst nach rund sechs bis acht Wochen sehen.

Eine Gabe von hochdosierten Einzelstoffen sollte übrigens genau mit dem Tierarzt oder dem behandelnden Tierheilpraktiker besprochen werden. Denn nicht selten gibt es eine Wechselwirkung, sodass durch die verstärkte Gabe eines Minerals – beispielsweise Eisen – die Aufnahme ein anderes Mineral – in diesem Fall Zink – blockieren kann.

Eine Übersicht über die wichtigsten Mineralstoffe

Im Folgenden findet ihr die wichtigsten Inhaltsstoffe von Mineralfutter, ihre Wirkung und ihr natürliches Vorkommen.

Vitamine

  • Vitamin A

Vitamin A brauchen unsere Pferde für ihre Gewebezellen, die Atmungsorgane, Augen, Haut und die Fortpflanzungsorgane. Außerdem wird Vitamin A für den Stoffwechsel im Knochen benötigt.

Wenn Pferde im Sommer ausreichend Grünfutter fressen, dann ist der Körper in der Regel ausreichend mit Vitamin A versorgt. Im Grünfutter steckt nämlich Beta Karotin, eine Vorstufe von Vitamin A. Das Pferd kann in seinem Dünndarm das Beta Karotin in Vitamin A umwandeln und in der Leber speichern. Bei Bedarf kann dann der Pferdekörper versorgt werden.

Vor einer Überdosierung durch die Weide braucht aber niemand Angst haben: Sobald ein Überangebot an Vitamin A vorhanden ist, wird die Umwandlung verringert.

Wenn Vitamin A jedoch direkt gefüttert wird, dann sollte die Menge genau dosiert werden. Andernfalls kann es zu Störungen im Bewegungsablauf und einem Leistungsabfall kommen. Konkret zeigt sich eine Vitamin-A-Überversorgung an einem gesenkten Muskeltonus, Depressionen, Ataxien und an einem rauen Haarkleid.

Die Gefahr eines Vitamin-A-Mangels besteht vor allem im Winter, wenn statt Grünfutter trockenes Heu auf dem Speiseplan steht. Dieser kann sich durch struppiges Fell, brüchige Hufe, Hornspalten tränende Augen, Durchfall, Nachtblindheit, Erkrankung der Atemwege oder der Geschlechtsorgane äußern.

  • Vitamin B

Bei Vitamin B handelt es sich um eine ganze Reihe von verschiedenen B-Vitaminen. Dazu gehören: Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B6 und Vitamin B12.

Die B-Vitamine sind zuständig für den Zellstoffwechsel, die Zellatmung, die Blutbildung, das Immunsystem und den Appetit unserer Pferde.

Vitamin B ist in Gras und Heu ausreichend vorhanden. Trotzdem kann es immer wieder zu Mangelerscheinungen kommen, beispielsweise in Stresssituationen oder bei einer Futterumstellung, wenn die Darmflora gestört ist. B-Vitamine sind wasserlösliche Vitamine und werden im Darm synthetisiert. Wenn die Darmflora gestört ist, kann ein Vitamin-B-Mangel auftreten. Ansonsten sind Mangelzustände eher selten.

Ein Mangel an Vitamin B zeigt sich durch Leistungsschwäche sowie Fell- und Hufprobleme.

Weil Pferde B-Vitamine nur in geringem Maße im Körper speichern kann, sollte immer eine ausreichende Versorgung durch die Nahrung oder Zusatzfutter gewährleistet werden.

  • Vitamin C

Vitamin C wirkt antioxidativ, fördert die Kollagenbildung und stärkt das Immunsystem.
Das Pferd kann dank eines Enzyms, das wir Menschen nicht besitzen, Vitamin C selbst herstellen. Deswegen ist eine Zufütterung in der Regel nicht notwendig. Lediglich bei starker Belastung durch erhöhtes Training, Stress und bei alten Pferden kann eine Versorgung von Vitamin C über das Futter sinnvoll sein.

  • Vitamin D

Vitamin D ist das wichtigste Vitamin für die Knochen. Vitamin D hat nämlich großen Einfluss auf den Kalzium- und Phosphor-Stoffwechsel und die Knochenbildung.
Vitamin D wird auch das Sonnenschein-Vitamin genannt. Bei ausreichend Tageslicht kann der Pferdekörper Vitamin D 3 bilden.

Gleiches gilt für Pflanzen: Durch UV-Strahlung bilden diese Vitamin D 2. Vitamin D ist deswegen in ausreichender Form im Gras und im Heu vorhanden.

Pferde, die überwiegend in Boxen gehalten werden und nicht die meiste Zeit des Tages draußen verbringen dürfen, können einen Vitamin-D-Mangel erleiden. Fohlen, die zu früh im Jahr geboren werden und deswegen die meiste Zeit im Stall sind, können durch das fehlende Tageslicht und das mangelnde Vitamin D sogar Schäden am Skelett davontragen.

Übrigens: Eine künstliche Überdosierung in Form von Zusatzfutter kann Herz, Nieren, Sehnen und Muskeln schädigen, denn Pferde reagieren sehr empfindlich auf zu viel Vitamin D.

  • Vitamin E

Vitamin E wirkt als Antioxidans und ist zuständig für den aktiven Zellschutz und für den Schutz des Gewebes, beispielsweise der Skelettmuskulatur und des Herzens.

Vitamin E befindet sich in Pflanzen – auf der Weide und im Heu. Der Gehalt ist im Frühjahr niedriger als im Herbst. Auch Pflanzenöle wie Weizenkeimöl und Leinsamen, Sesam oder Sonnenblumenkerne haben einen hohen Anteil an Vitamin E.

Pferde haben nur sehr selten einen Mangel an Vitamin E. Dieser entsteht lediglich, wenn die Haltungs- und Fütterungsbedingungen schlecht sind.

Sportpferde haben aufgrund der höheren Leistung auch einen höheren Bedarf an Vitamin E. Deswegen ist Vitamin E in vielen Zusatzmittel für Sportpferde höher dosiert. Gleiches gilt für Zuchtpferde und Oldies.

  • Vitamin H (Biotin)

Vitamin H ist besser bekannt unter dem Namen Biotin. Biotin ist gut für die Haut und das Hufhorn.

In der Regel wird Biotin in ausreichender Menge durch die Mikroorganismen im Dickdarm produziert. Mangelerscheinungen sind deswegen sehr unwahrscheinlich.

  • Vitamin K

Vitamin K ist zuständig für die Blutgerinnung.

Vitamin K ist in für das Pferd ausreichender Menge Gras und Heu vorhanden, Mangelerscheinungen sind deswegen nahezu unbekannt. Auch Überdosierungen sind extrem selten.

  • Vitamin M (Folsäure)

Der geläufige Name von Vitamin M ist Folsäure. Dabei handelt es sich um einen Enzymbaustein.

Folsäure wird vom Pferdekörper selbst produziert – lediglich bei reiner Stallhaltung kann ein Mangel auftreten, dessen Folgen Blutarmut und Leistungsabfall sein können.

Spurenelemente

  • Eisen

Eisen ist zuständig für die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut. Fehlt Eisen, kann der Sauerstoff im Blut nur schlecht gespeichert werden. Es kommt zu einem Leistungsabfall der sich durch Mattigkeit und Lustlosigkeit äußert und zu einer höheren Anfälligkeit für Infektionen.

Eisen ist in Wiesengras und Heu enthalten. Allerdings sind viele Böden mittlerweile so ausgelaugt, dass sie nicht mehr ausreichend Nährstoffe bieten, um die Pferde ausreichend mit Eisen zu versorgen. Je älter eine Grünpflanze ist, desto geringer wird ihr Eisengehalt. Bei Heu gilt deswegen, dass der erste Schnitt in der Regel mehr Eisen enthält als der zweite.

  • Jod

Jod ist ein Teil des Schilddrüsenhormons, das zuständig ist für den Sauerstofftransport und das Wachstum.

Pferde, die an der Küste leben, haben weitaus weniger oft einen Jodmangel als Pferde aus Gebirgsregionen. Jodmangel äußert sich durch Leistungsschwäche und Probleme beim Fellwechsel. Fohlen, die zu wenig Jod bekommen, können Skelettmängel bekommen. Ein jodhaltiger Salzleckstein hilft, das Problem schnell zu lösen.

  • Kalium

Kalium befindet sich überwiegend in der Muskulatur des Pferdes. Dort regelt es den osmotischen Zelldruck und es ist für die Muskelarbeit zuständig. Kalium ist außerdem wichtig für ein gesundes Wachstum, den Herzrhythmus und die Impulsübertragung der Nerven.

Kalium befindet sich in Gras und Heu und kann in der Regel die Grundversorgung eines Pferdes problemlos decken.

Ein Kalium-Mangel zeigt sich durch hohen Durst, Hautkrankheiten und Lustlosigkeit.

  • Kalzium

Kalzium macht, gemeinsam mit Phosphor, den größten Teil des Mineralgehaltes des Pferdeskelettes aus und ist zuständig für Wachstum und Knochenaufbau. Auch in Bezug auf die Muskeln und die Zähne spielt Kalzium eine wichtige Rolle. So regelt es in den Muskeln beispielsweise die Umsetzung von Nervenimpulsen. Im Körper eines mittelgroßen Pferdes rund 7 Kilogramm Kalzium und 4 Kilogramm Phosphor finden.

Ein Kalziummangel kann Wachstum, Knochenbau, Muskeln und Zähne negativ beeinträchtigen. Osteoporose ist die häufigste Folge von Kalziummangel.

  • Kobalt

Kobalt ist wichtig, damit ein Pferd Vitamin B12 bilden kann. Kobalt wird nur in sehr geringer Menge benötigt. Diese wird in der Regel durch Gras und Heu ausreichend abgedeckt.

Mangelerscheinungen sind deswegen nur sehr selten festzustellen. Ein Kobalt-Mangel führt zu einem Mangel an Vitamin B12 und damit zu Blutarmut, Hautveränderungen und einem Wachstumsstillstand.

  • Kupfer

Kupfer sorgt für die Festigkeit der Gefäßwände, Gelenke und Knorpel und spielt auch bei der Entwicklung der Nerven und Blutbildung eine wichtige Rolle. Darüber hinaus stärkt Kupfer das Immunsystem.

Ein Kupfermangel ist erkennbar an Pigmentierungsstörungen, Arthrose, Knochenzysten und Osteoporose. Auch eine erhöhte Brüchigkeit im Knochen, Störungen im Haaraufbau, Ataxien und Gefäßrupturen können Folgen langen Kupfermangels sein.

Kupfer ist beispielsweise in Gras und Heu enthalten – jedoch häufig nicht in ausreichender Menge. Deswegen ist hier eine an den tatsächlichen Bedarf angepasste Zufütterung wichtig.

  • Magnesium

Magnesium ist wichtig für das Nerven- und Muskelgewebe und ist außerdem in den Zähnen und Knochen zu finden. Magnesium aktiviert Enzyme und ist für alle Körperzellen notwendig, damit diese richtig funktionieren können.

Da Magnesium zusammen mit Schweiß ausgeschieden wird, ist bei einem erhöhten Trainingspensum auch ein höherer Bedarf an Magnesium vorhanden.

  • Mangan

Mangan wird für den Mineral- und Fettstoffwechsel benötigt. Mangan sorgt für ein gesundes Wachstum, eine entsprechende Skelettentwicklung und für eine gute Funktion der Eierstöcke.

Grünfutter kann den Mangan-Bedarf in der Regel abdecken.

Ein Mangel an Mangan zeigt sich immer wieder in stiller Rosse oder sogar an Sterilität.

Eine Überdosierung kann zu Wechselwirkungen bei der Verwertung anderer Spurenelemente, beispielsweise Eisen, führen und so Anämien verursachen.

  • Natrium

Natrium regelt den osmotischen Druck in Blut und Lymphen und ist somit für den Wasserhaushalt des Pferdes verantwortlich.

Wenn ein Pferd viel schwitzt oder Durchfall hat, verliert es dieses wichtige Mineral. Die Folgen sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsabfall und Gewichtsverlust.

Ein Salzleckstein kann dabei helfen, den Verlust rasch auszugleichen.

Ein Magnesiummangel führt zu Muskelzittern, Krämpfen und Nervosität. Auch Muskelkater und ein verringerter Appetit können Zeichen von zu wenig Magnesium sein.

  • Phosphor

Phosphor ist, ebenso wie Kalzium, zuständig für die Knochenentwicklung.

Zu viel Phosphor hemmt die Aufnahme von Kalzium, deswegen muss bei der Gabe dieser Mineralstoffe auf das richtige Verhältnis geachtet werden. In der Regel wird 1:1 bis 3:1 (Kalzium : Phosphor) empfohlen.

  • Schwefel

Schwefel ist wichtig zur Stabilisierung von Kollagen, einem wichtigen Bestandteil von Sehnen, Knorpeln und Bändern. Auch beim Aufbau von Haut und Haaren spielt Schwefel eine wichtige Rolle. Darüber hinaus unterstützt es beim Aufbau von Antikörpern, die das Pferd für sein Immunsystem braucht.

Schwefel ist in Gras enthalten. Wird das Gras jedoch zu Heu oder Heulage getrocknet und längere Zeit gelagert, wird der Schwefelgehalt abgebaut.

Ein Mangel an Schwefel zeigt sich unter anderem  an einem schlechten Zustand von Huf, Haut und Haar, an einem verlangsamten Heilungsprozess, Atemwegsproblemen und einer höheren Krankheitsanfälligkeit.

Bei der Zufütterung von Schwefel muss unbedingt auf die Wechselwirkung mit anderen Spurenelementen geachtet werden, denn Schwefel hemmt zum Beispiel die Aufnahme von Kupfer oder Selen.

  • Selen

Selen spielt eine sehr wichtige Rolle beim Schutz der Zellen, bei der Muskelfunktion und dem Immunsystem.

Selen reagiert sehr stark auf Umwelteinflüsse. So variiert der Selengehalt im Raufutter beispielsweise nach Standort, Düngung, Konservierung und dem Vegetationsstadium. Selenmangel ist deswegen nicht selten. Dieser äußert sich unter anderem durch Fellverlust, langsame Wundheilung, ein erhöhtes Infektionsrisiko und Blutmangel.

Wenn Selen zusätzlich gefüttert wird, dann sollte die Dosierung unbedingt im Blick behalten werden. Denn ganz schnell wird Selen überdosiert. Eine Überdosierung führt im schlimmsten Fall zu Blindheit, Lahmheit, Kolik oder dem Verlust des Hornschuhs. Außerdem stört zu viel Selen die Aufnahme von Kupfer.

  • Zink

Zink ist mit einer recht hohen Konzentration im Pferdekörper zu finden, beispielsweise in Hormonen und Enzymen wie dem Insulin der Bauchspeicheldrüse. Zink ist wichtig für das Wachstum, die Wundheilung und für den Aufbau der Geschlechtshormone.

Einen Zinkmangel erkennt ihr an Haarausfall sowie Haut- und Hornveränderungen. Auch eine langsame Wundheilung und ein erhöhtes Infektionsrisiko können Zeichen für einen Zinkmangel sein.

Eine Überdosierung an Zink kann zu Appetitlosigkeit, inneren Blutungen sowie Sehnen und Bandscheibenschäden führen. Außerdem verhindert zu viel Zink die Aufnahme von Kupfer.

Die Liste mag sicherlich nicht vollständig sein, jedes Zusatzfutter ist schließlich anders – und es gibt sehr viele Zusatzfutter auf dem Markt. Wenn euch also etwas fehlt, dann dürft ihr es wie immer gerne in Form eines Kommentars ergänzen. 🙂

Bis bald,

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5 thoughts on “Mineralstoffe – Was sie bewirken und wo sie vorkommen”

  1. Liebe Karo,

    ein schönes Thema. Danke für die Übersicht!

    Ich habe mich selbst vor Kurzem sehr intensiv mit dem Thema Mineralfutter auseinander gesetzt. Ich bin dabei noch ein wenig mehr in die Tiefe gegangen und habe außerdem die Zusammensetzung zweier verschiedner Mineralfuttersorten ausgewertet. Ist vll als Weiterfürhung für deinen Artikel interessant: https://lilith16.wordpress.com/2016/05/31/mineralfutter-fuer-pferde-notwendig-oder-gefaehrlich/.

    VG Lilith

    1. Hallo Katrin,
      ich recherchiere für meine Artikel immer sehr viel. Auch hierfür habe ich auf viele verschiedene Quellen zurückgegriffen. Wenn trotzdem etwas falsch sein sollte, dann wäre es hilfreich, wenn du sagst was falsch ist und wie es richtig wäre.
      Liebe Grüße
      Karo

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