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Hilfe, mein Pferd hustet! Infos zu Ursachen und Behandlung

Inhalieren kann bei Pferdehusten helfen

In der vergangenen Zeit höre und lese ich immer, dass ein Pferd hustet. Deswegen habe ich das Thema aufgegriffen und mich mit einer Reihe an Fragen an die Tierärztin für Homöopathie, Dr. med. vet. Svenja Thiede, gewandt. Svenja hat mir schon einmal Rede und Antwort gestanden und mir bzw. uns die Bedeutung des Stoffwechsels erläutert. Dieses Mal erklärt sie warum Pferde husten, wie sich Pferdehusten von Pferdehusten unterscheidet und was bei Husten wirklich hilft.

Pferdefreunde: Was glaubst du, warum man zurzeit sehr häufig von besorgten Pferdebesitzern hört „mein Pferd hustet“?

Svenja Thiede: Dazu gibt es natürlich zurzeit nur Vermutungen. Wenn eine Krankheit vermehrt auftritt, muss man sich immer fragen: haben sich die diagnostischen Methoden verändert/verbessert, sodass wir mehr sehen, als früher – oder ist die Krankheit tatsächlich häufiger geworden? Ich glaube, die Umweltbedingungen unserer Pferde haben sich so verändert, dass bestimmte Krankheiten häufiger auftreten, Pferdebesitzer gucken aber auch genauer hin. Vieles ist für die Pferde besser geworden, aber manches ist (noch) nicht optimal.

In Bezug auf Husten wird sehr oft das Raufutter verantwortlich gemacht. Viel Raufutter ist so wahnsinnig wichtig für die Verdauungsphysiologie und den Stoffwechsel des Pferdes, aber die Qualität lässt leider immer mehr zu wünschen übrig. Im Winter – zum Teil auch ganzjährig – müssen Pferde immer Heu zur Verfügung haben, aber dieses scheint immer häufiger stark mit Staub belastet. Im Winterhalbjahr setzen sich Pferde sicher genau wie wir mit dem einen oder anderen Virus auseinander, das sich bei den meisten Pferden gar nicht bemerkbar macht (man sieht manchmal durch Zufall im Blutbild, dass ein Infekt im Stall ist oder war), bei einigen läuft ein bisschen die Nase in schnelleren Gangarten, und wieder andere husten. Wenn dann die Umgebung des Pferdes stark staubbelastet ist – womöglich noch ein stark erhöhter Gehalt an Schimmelsporen dabei ist – wird es für ein hustendes Pferd schwierig, den Husten zur Ausheilung zu bringen. Die tägliche Nahrung, das Stroh in der Box, die staubige Reithalle reizen die Schleimhäute der Atemwege rund um die Uhr.

Warum das Heu so staubig ist, lässt sich natürlich nicht pauschalisieren, aber es gibt ein paar Dinge, die die Ursache sein können. Heu wird oft zu kurz abgemäht, um mehr von der Wiese zu bekommen. Dabei kommt viel Erde mit in das Mähgut und später in den Ballen. Insbesondere auf den von Pferdebesitzern so gern genommenen Ausgleichsflächen, die nicht gedüngt und gespritzt werden („Bioheu“), ist der Untergrund oft so ungleichmäßig, dass es gar nicht möglich ist, keine Erde mit „abzumähen“. Unsere feuchten Sommer der letzten Jahre tun ihr Übriges: nur wenige Tage bleiben zum Trocknen und Wenden, der Untergrund ist meist warm-feucht – da freuen sich sämtliche Schimmelarten, die immer im Boden sind (wo sie hingehören) und machen es sich im Heu gemütlich. Während der Heureife, wenn der gepresste Ballen noch warm und feucht ist, kann der Schimmel sich im ganzen Ballen ungestört ausbreiten. Das heißt nicht, dass sämtliches Heu total mit Schimmel kontaminiert ist, aber das Problem ist meines Erachtens nach häufiger geworden. Mal sehen, ob der kommende Sommer uns besser gesonnen ist… Grundsätzlich ist aber auch Staub ohne Schimmel ein Problem für hustende Pferde. Ich habe auch schon Heu aus Trocknungsanlagen in der Hand gehabt, das extrem staubig war. Das Gras kommt direkt nach dem Mähen in die Trocknung, das heißt das Wenden, bei dem auf der Wiese alle Krümel, Pollen usw. nach unten durchfallen, fällt weg, die feinen Anteile werden mit verpresst. Dieses Heu ist hygienisch einwandfrei, muss aber ggf. angefeuchtet werden, damit es nicht so staubt.

Gutes Heu herzustellen ist eine Wissenschaft für sich. Viele Landwirte machen dies „nebenbei“, haben Ausgleichsflächen, von denen sie Heu für Pferdeleute gewinnen können, oder stellen um von Rinderhaltung auf Pferde und müssen umdenken bzgl. Schnittzeitpunkt, Lagerung und Qualität. Pferdehalter wollen möglichst wenig Geld bezahlen, sodass man keinem Landwirt verübeln kann, wenn er sich nicht tagelang den Kopf zerbricht über das Heu, das er verkaufen will. Landwirtschaft ist grundsätzlich wahnsinnig viel Arbeit, aber unser Essen kommt ja aus dem Supermarkt, das Müsli für die Pferde ist im bunten Sack, weshalb es beim Verbraucher mit dem Verständnis für die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln oft nicht weit her ist. Ich glaube, hier muss ein grundsätzliches Gefühl für die Bedeutung der Qualität der Grundfuttermittel entwickelt werden – beim Hersteller und beim Verbraucher. Nützt allerdings alles nichts, wenn das Wetter einfach mies ist, wie die letzten zwei Jahre.

Warum ist Husten bei Pferden so gefährlich?

Die Pferdelunge ist ein riesengroßes Organ, das darauf ausgelegt ist, bei plötzlicher Flucht große Mengen Sauerstoff aufzunehmen. Wenn das Pferd in Ruhe frisst, ist die Lunge nicht bis in den letzten Winkel durchlüftet und dementsprechend auch nicht so stark durchblutet, wie im Galopp. Durch einen Infekt oder ständige Staubbelastung wird vermehrt Schleim von der Bronchialschleimhaut produziert. Dieser Schleim soll Keime und Staub mit nach draußen transportieren (das Flimmerepithel der Schleimhaut schiebt ständig alles nach draußen). Wenn es zu schleimig wird, klappt der Transport nicht mehr und der Schleim bleibt als Pfropfen vor den kleinen Bronchiolen stecken. Wenn nun plötzlich tief eingeatmet wird, rutscht der Schleim weiter in die Tiefe, auch in den Bereichen, die in Ruhe nicht so sehr gebraucht werden. Beim Ausatmen können dann Lungenbläschen am Rand der Lunge verstopfen. Das Pferd muss sehr pressen, um die Luft herauszubekommen. Dabei kann es im schlimmsten Fall passieren, dass Lungenbläschen vereinzelt platzen.

Die Bronchialschleimhaut ist eine enorm große Fläche. Der von ihr produzierte Schleim wird ständig mit Hilfe des Flimmerepithels auf der Oberfläche der Schleimhaut nach außen transportiert – und mit dem Schleim alle eingeatmeten Partikel und Bakterien. Durch entzündliche Prozesse infolge eines Infekts oder ständiger Reizung funktioniert dieser Transport nicht mehr gut, die Flimmerhärchen gehen kaputt. Es beginnt ein Teufelskreis: Schleim wird vermehrt produziert, um den „Dreck“ loszuwerden. Dieser bleibt aber stecken. Krankmachende Keime haben es jetzt leicht, in die Tiefe der Atemwege hinunterzurutschen, die Entzündung verstärkt sich, Schleim verstopft die tiefen Atemwege, das Ausatmen fällt immer schwerer, das Pferd hustet, die Schleimhäute werden gereizt… Das Immunsystem ist mit der Betreuung dieser großen Fläche irgendwann überfordert, es kämpft regelrecht gegen Windmühlen – Allergien oder allergieähnliche Zustände entstehen, das Pferd reagiert auf alles und jeden… (Tatsächlich sehe ich bei Hustenpferden oft entweder schlechte Laune und Grätzigkeit oder eine Art Depression oder Resignation – ganzheitlich-homöopathisch betrachtet passt das für mich sehr gut zusammen).

Ist Husten gleich Husten oder gibt es da Unterschiede?

Husten kann natürlich unterschiedliche Ursachen haben und es können verschiedene Abschnitte des Atemtraktes betroffen sein. Eine leichte Kehlkopfreizung zeigt sich in Husten, der vergleichsweise harmlos ist im Gegensatz zu einem chronischen Husten. Für den chronischen Husten beim Pferd haben wir eine Reihe hübscher Abkürzungen, die zum Teil das Gleiche meinen, zum Teil aber genauere Bestimmungen des Hustens sein sollen.

  • COB – chronisch obstruktive Bronchitis – ist der in der deutschen Literatur gebräuchliche „Oberbegriff“ für chronischen Husten. Obstruktiv bedeutet verschlossen, verengt, verlegt, verstopft (von außen können wir ja nicht sehen, welches Problem genau vorliegt).
  • COPD – chronic obstuctive pulmonary disease – stammt aus der Humanmedizin und meint das gleiche (wobei hier der Begriff mehr in die Tiefe, von den Bronchien in die Lunge, verlegt ist).
    In der englischen Literatur wurde der Begriff „equine Asthma“ (Pferdeasthma) eingeführt, wobei sich Pferdeasthma unter dem Mikroskop betrachtet vom Menschenasthma ein bisschen unterscheidet. Das ist Pferd und Besitzer aber egal, und von außen sieht es ganz ähnlich aus – das Pferd hat Atemnot, und das ist furchtbar.
    Seit einiger Zeit wird nach Schweregrad unterschieden.
  • IAD – inflammatory airway disease – ist der eher leichtere Zustand, also die besseren Phasen eines „Asthma-Pferdes“. Wenn man von allen Pferden eines Stalles im Winter Proben nehmen würde, hätten nach den gefundenen Zellen wahrscheinlich fast alle „IAD“, ohne dass man etwas gemerkt hätte. Wenn Pferde keinen Nasenausfluss und Husten haben, scheint nach derzeitigem Stand des Wissens kein großes Risiko zu bestehen, dass die „IAD“ sich zur „RAO“ ausweitet.
  • RAO – recurrent airway obstruction – ist der mittel- bis hochgradige, schlechte Zustand der COB. Bei diesen Pferden findet man alle Symptome des chronischen Hustens mehr oder weniger stark. Es soll eine genetische Komponente für diese Erkrankung geben – demnach sollte mit Hustenpferden lieber nicht gezüchtet werden…

Können sich Pferde beispielsweise erkälten und husten, so wie wir Menschen auch?

Ja, das kommt auch bei Pferden vor – es gibt genau wie beim Menschen nicht genauer definierte Viren, die unter bestimmten Umständen eine Art Erkältung auslösen können. Meistens bekommt man von diesen Viren allerdings gar nichts mit. Es wird immer gesagt, dass Pferde aufgrund ihres empfindlichen Atemtraktes leichter eine Bronchitis bekommen, als Menschen. Ich meine, das ist eine Sache der Konstitution (und der Umgebungsbedingungen). Es gibt auch Menschen, die auf jeden Infekt mit einer ernsthaften Bronchitis reagieren oder sogar eine Lungenentzündung entwickeln, während andere nur Schnupfen haben oder mal kurz hüsteln, weil es im Hals kratzt.

(Konstitution: angeborene und erworbene Eigenschaften des Gesamtorganismus)

Was kann und sollte ich tun, wenn ich höre, dass mein Pferd hustet?

Nicht in Panik verfallen, aber sofort auf Ursachenforschung gehen. Hat das Pferd sich gerade am Grashalm verschluckt, weil es kauend losgerannt ist? Das sollte zwar nicht passieren, kann aber. Hustet es beim Wälzen im Staub? Da würde unsereins vermutlich auch husten, aber trotzdem beobachten, ob das jedes Mal vorkommt oder eher eine Ausnahme ist. Nicht jedes Pferd hustet beim Wälzen im Staub (ob das gut oder schlecht ist, ist nicht ganz klar, denn Husten ist ja auch ein Schutzreflex, um den Staub sofort wieder loszuwerden). Stößt es beim Antraben regelmäßig an? Das muss genauer beobachtet werden, und ich würde eine Untersuchung empfehlen. Hier kann auch eine Blockade oder ein schlecht sitzender Sattel die Ursache sein. Husten noch mehr Pferde im Stall? Dann konsequent behandeln, beobachten, Immunsystem stärken.

Bei Husten gilt: lieber früher als später den Tierarzt holen.

Wie sieht eine typische Behandlung von Hustenpferden aus?

„Schulmedizinisch“ sind die Möglichkeiten leider begrenzt (sonst auch…). Nach einer gründlichen Untersuchung wird entschieden, ob ein Schleimlöser ausreichend ist, oder ob ein Bronchienerweiterer (Clenbuterol) gegeben werden muss, damit das Pferd wieder besser Luft bekommt. Dieser wird meist mit einem Wirkstoff kombiniert, der den Schleim flüssiger macht.

Wenn ein Pferd echte Atemnot hat, ähnlich einem asthmatischen Anfall beim Menschen, muss allein aus Tierschutzgründen Cortison zum Einsatz kommen. Manchmal wird auch entschieden, Cortison für eine Weile täglich zu geben. Das sind dann die schweren Fälle.

Diagnostisch sollte eine Bronchoskopie erfolgen, wenn der Husten sich nicht bessert und unklar ist, was die Ursache ist. Hier kann man dann sehen, ob es sich um ein allergisches Geschehen handelt, ob Eiterzellen und vielleicht sogar Bakterien mit im Spiel sind, wie stark die Schleimhaut entzündet ist, und welches Qualität der Schleim hat. So kann man unter Einbeziehung der klinischen Symptome einschätzen, ob ein akuter Infekt, eine IAD oder eine RAO vorliegt. Daraus ergeben sich dann ggf. weitere Behandlungsschritte. Zum Beispiel kann ein Antibiotikum dann gezielt eingesetzt werden und zur Heilung beitragen.

Immer öfter wird die Inhalation empfohlen, was tatsächlich eine sinnvolle Maßnahme ist, um den Schleim in den Atemwegen zu lösen. Inhaliert werden kann einfach nur mit isotonischer Kochsalzlösung, oder zeitweise auch mit Cortison (durch die lokale Wirkung ist die notwendige Dosierung extrem gering) und einem Bronchienerweiterer. Am sinnvollsten ist es, einen für Pferde gebauten Ultraschallvernebler zu verwenden, da so die Aerosole in sehr kleinen Tropfen tief eingeatmet werden können. Inzwischen gibt es diverse Tierärzte und Tierheilpraktiker, die Ultraschallvernebler für einige Wochen verleihen.

All das nützt nichts, wenn das Pferd täglich große Mengen Staub einatmen muss. Optimierung der Haltungsbedingungen steht bei Husten immer im Vordergrund.

Muss bei Pferdehusten zwingend die Schulmedizin zum Einsatz kommen oder kann ich auch homöopathisch etwas erreichen?

Bei akuten Infekten mit deutlichen Symptomen ist das richtige homöopathische Mittel in der Regel schneller als die zur Verfügung stehenden Medikamente. Problem ist, dass man Symptome braucht, die der Besitzer beschreiben kann bzw. der Homöopath sehen (oder hören) kann. Die Information „das Pferd hustet“ reicht nicht. Wie hustet es, wann, in welcher Situation, wann hat das angefangen, was war anders, besonders (zum Beispiel Sturm aus Nordost? War der Schmied da? Hat es Streit zwischen den Pferden gegeben?), wie hört sich der Husten an? (Ich hatte mal einen Patienten, der während der Untersuchung leider nicht gehustet hat, aber die Besitzerin konnte es sehr gut beschreiben und vormachen. Am nächsten Tag war das Problem behoben, Dank des richtigen Mittels 🙂 ).

Bei chronischem Husten muss auf jeden Fall eine vollständige Anamnese gemacht werden, um das richtige homöopathische Mittel zu finden. Wenn die Umweltbedingungen schlecht sind, nützt die beste Homöopathie nichts. Ist die Lunge bereits grundlegend geschädigt, kann Homöopathie die Symptome bessern, aber nicht mehr heil zaubern. Bei Atemnot muss aus Tierschutzgründen sofort gehandelt werden – ein guter Homöopath kann bei eindeutigen Symptomen evtl. einen Versuch mit einem homöopathischen Mittel machen, das dann innerhalb einer Stunde wirken muss. Tut es das nicht, ist evtl. Cortison angezeigt. Ein Pferd mit Atemnot ist ein Notfall – wenn der Tierarzt nicht zufällig Homöopath ist, dann ist es unangebracht, Zeit verstreichen zu lassen, weil man erst einen Homöopathen ruft und später den Tierarzt.

Wenn ich ein chronisch hustendes Pferd habe – worauf sollte ich als Besitzer deiner Meinung nach bei der Haltung und der Fütterung achten?

Staubfeie Haltung und viel Bewegung. Das mit der Bewegung liegt in der Verantwortung des Besitzers – und es gilt grundsätzlich, dass das Lauftier Pferd bewegt werden muss, weil wir ihm mit der besten Haltungsform nicht die Laufstrecke bieten können, die es zur Gesunderhaltung braucht. In Bezug auf die Lungengesundheit ist es wichtig, dass diese regelmäßig gut durchlüftet wird, das heißt ein Pferd sollte regelmäßig die Gelegenheit für einen ausgiebigen Galopp haben. Natürlich nicht in schlechten Phasen mit viel Schleimproduktion. Da gilt moderate Bewegung, um den Schleim zu lösen, Nase zum Boden, damit er ablaufen kann. Hustenpferde gehören (genau wie alle anderen Pferde) an die frische Luft, nicht in die Box. Lässt sich Boxenhaltung nicht vermeiden, dann muss diese staubfrei eingestreut werden und sollte nicht in der Mitte der Stallgasse oder in der hintersten Ecke sein, sondern luftig. Das Raufutter sollte so staubarm wie möglich sein. Heu kann man anfeuchten, indem man es bedampft – nachweislich funktioniert der „Haygain“ am besten, aber der ist natürlich sehr teuer. Heu in Wasser tauchen bindet den Staub und spült ihn zum großen Teil aus, aber getauchtes Heu ist hygienisch bedenklich. Die enthaltenen Keime, insbesondere Pilze, können sich in der Feuchtigkeit sehr schnell vermehren. Wird das Heu zu lange gebadet, gehen außerdem Nährstoffe verloren.

Sollte ich lieber Heulage statt Heu füttern?

Heulage ist viel diskutiert, zum Teil verteufelt in der Pferdehaltung. Ob Heulage für Pferde verträglich ist, ist sehr von der Qualität abhängig, und die lässt sich grobsinnlich nur bedingt beurteilen. Trotzdem ist Heulage für chronische Huster meist die einzige praktikable Lösung, da sie im Gegensatz zu Heu staubarm bis staubfrei ist. Ideal wäre es, Heulage nur zu 50% des Raufutters zu füttern, oder vielleicht phasenweise, damit sich die Lunge mal erholen kann. Grundsätzlich muss Heulage über ein paar Tage angefüttert werden, damit sich die Darmflora darauf einstellen kann – genau wie beim Anweiden. Ein wirklicher Freund von Heulage bin ich nicht, weil sie die Darmflora verändert, was eine Menge Folgen nach sich ziehen kann. Aber manchmal muss man zwischen Pest und Cholera wählen…

Und was hältst du davon, spezielles Bronchialfutter füttern – die Futtermittelindustrie bietet schließlich jede Menge Produkte speziell für hustende Pferde an?

Ja, der Markt ist tatsächlich sehr umfangreich und unübersichtlich. Phasenweise kann man gerne das eine oder andere Präparat zufüttern, aber nicht dauerhaft, sondern höchstens in schlechten Phasen. Die meisten Präparate sind Kräutermischungen trocken oder als Saft. Es sind immer wieder die gleichen Kräuterkombinationen enthalten – und hier liegt das Problem. Wenn man dauerhaft die gleichen Kräuter füttert, kann es zu Unverträglichkeiten kommen. Das sowieso schon sehr beanspruchte Immunsystem reagiert mit einer Überempfindlichkeit auf Bestandteile der Kräuter. Deshalb gilt, dass man ein Kraut nicht länger als 6-8 Wochen füttern sollte. Es ist unbedingt auf die Qualität der Kräuter zu achten, und es lohnt sich, von Säften das Kleingedruckte zu lesen – oft ist es Zuckerwasser mit ein bisschen Kräuterextrakt. Dazu ist zu bedenken, dass Kräuter verschiedene Wirkungen haben – sofern sie in wirksamer Dosis gefüttert werden. Was gut für die Lunge ist, ist nicht unbedingt gut für den Magen. Viele Pferde haben ja leider mehrere Baustellen (Stichwort Konstitution).

Wie kann ich meinem chronisch hustenden Pferd das Leben erleichtern?

Viel Bewegung, angepasstes Training je nach Situation und Zustand, staubige Reithallen vermeiden. Eine Haltungsform mit viel frischer Luft, also ein gutes Offenstallkonzept. Regelmäßig inhalieren – dabei sollte ein Ultraschallvernebler zum Einsatz kommen, der so kleine Tröpfchen produziert, dass diese bis tief in die Lunge kommen. Es lohnt sich, über die Investition in ein gutes eigenes Gerät nachzudenken, dann kann man je nach Bedarf täglich oder nur 1-2x wöchentlich inhalieren. Die Inhalation hilft bei der Verflüssigung des Schleims und verschafft vielen Pferden Erleichterung. Unterstützung der Konstitution durch Klassische Homöopathie. Auch alle anderen Naturheilverfahren können hilfreich sein, das ist Geschmackssache und evtl. muss man ausprobieren, womit Pferd und Mensch am besten zu Recht kommen. Nicht zu viel „Tüddelkram“ mit zig Mittelchen. Abgesehen davon, dass das meist nicht viel bringt, geht das zu Lasten der eigentlichen Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Hast du sonst noch einen Tipp?

Ich empfehle eine homöopathische Konstitutionsbehandlung, um den Organismus insgesamt zu stärken und zu stabilisieren. Was mir daran besonders gefällt: man macht eine aufwändige Anamnese, dann gibt es ein Mittel, und das lässt man dann erst mal wirken. Im schlimmsten Fall wählt der Homöopath eine Q-Potenz, bei der das Mittel einmal täglich verabreicht werden muss. Also relativ wenig Aufwand.

Das Immunsystem kann mit verschiedenen Mitteln wie Kräutern oder bestimmten homöopathischen Komplexpräparaten regelmäßig unterstützt werden, sodass Allerweltsinfekte nicht so leichtes Spiel haben. Es sollte ausgeschlossen werden, dass mechanische oder auch „seelische“ Blockaden vorliegen, die die Lunge behindern. Diese können durch das Hustengeschehen an sich entstehen, aber auch von ganz anderen Enden kommen, z. B. durch einen Sattel, der nicht passt, durch Magenprobleme oder durch Stress in der Gruppe.

Und was kann ich als Pferdebesitzer vorbeugend tun, um Husten nach Möglichkeit zu verhindern?

Im Prinzip alles bereits Gesagte: viel frische Luft, viel Bewegung, qualitativ gutes Raufutter, ausreichende Ergänzung von Nährstoffen in Form von gutem Mineralfutter, in Phasen erhöhter Infektionsgefahr (norddeutscher Dauerregenwindmatsch) Unterstützung des Immunsystems z. B. durch passende Kräuter. Wenn das Pferd andere Erkrankungen wie z. B. Stoffwechselstörungen, Magen-Darm-Störungen, Sommerekzem oder Arthrosen hat, sollten diese gut behandelt werden, denn solche konstitutionell bereits beanspruchten Pferde sind anfälliger für weitere Erkrankungen an anderer Stelle. Grundsätzlich gilt: Alle Grenzflächen kommunizieren miteinander. Haut, Darmschleimhaut und Lungenschleimhaut unterstützen sich und nehmen sich Arbeit ab, wenn einer überlastet ist. Das erklärt sich ganz einfach aus der embryonalen Entwicklung, wo alle durch Stülpung und Faltung aus derselben Schicht hervorgegangen sind. Unterdrücke ich dauerhaft ein Ekzem (durch Cortisonsalbe z. B.), kann es sein, dass sich Husten entwickelt, weil die Lunge versucht, durch vermehrte Schleimbildung das loszuwerden, was eigentlich über die Haut raus sollte. Also lieber gleich ganzheitlich arbeiten.

Liebe Svenja, ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, um meine Fragen zu beantworten!

Wenn du mehr über Svenja Thiede und ihre Arbeit erfahren möchtest, schau doch mal auf ihrer Webseite vorbei. Vielleicht bist du ja auch in oder um Hamburg zu Hause und möchtest sie auch dein Pferd behandeln lassen?!

Hast auch du ein hustendes Pferd? Warum hustet es? Und wie verschaffst du ihm Erleichterung? Vielleicht hast ja auch du noch einen Tipp für andere Pferdebesitzer? Dann hinterlass mir gerne einen Kommentar!

Viele Grüße

 

 

Foto © Ann-Katrin Lange (Danke für das Bereitstellen des Bildes.)

Kategorie: Gesundheit, Interviews

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Ich bin Karolina und seit mehr als 25 Jahren Pferdefreundin. Auf meinem Pferdefreunde-Blogmagazin schreibe ich über Themen, die mich in meinem Alltag mit meinem Pferd beschäftigen - sei es in Bezug auf das Training oder die Haltung.

3 Kommentare

  1. Tanja sagt

    Hallo,
    ich bin gerade mit meiner Stute am Verzweifeln und habe beim Durchforsten von Onkel Internet eure Seite und den obigen Artikel gefunden. Vielleicht könnt ihr mir einen Tipp geben?
    Meine Stute hat sich Ende April das Fesselringband verletzt (Beschützungsaktion ihres Weidekumpels, der einen epileptischen Anfall hatte) und dürfen aktuell nicht viel machen. Jetzt hat sich seit Mitte Juni ein Reizhusten bei ihr festgesetzt, der nicht in den Griff zu kriegen ist. Der Tierarzt war bereits da: Antibiotikum + Ventiplus –> wurde erst besser, dann wieder schlimmer. Sputolysin + mehrmaliger Aufenhalt in der Solekammer –> Husten war ganz weg, kam nach etwa 1,5 Wochen wieder. Ich schiebe es gerade auf das zu trockene, staubige Wetter bei uns… Dennoch bekomme ich langsam Angst und weiß nciht, was ich tun soll. Andersrum habe ich selber Mitte Juni eine Mandelentzündung und als Folge ebenfalls einen Reizhusten, der interessanter Weise kommt und geht in einem ähnlichen Rythmus wie der meiner Stute.
    Meine Stute steht privat in einem Offenstall mit 2 weiteren Pferden. Im Stall haben wir Strohpellets eingestreut, Heu gibt es zZ nur sehr wenig vom gepflasterten Boden aus, da sie 24h Weidezugang haben. Der angrenzende Reitplatz ist mit Hackschnitzeln bedeckt, der Paddock ist z.T. gepflastert, aber ein Teil besteht aus unbefestigten Boden (Sand). Tierarzt meinte, unsere Pferde stünden eigentlich optimal was die Atemwege angeht… der Staub, der sich in der allgemeinen Umgebung durch die Trockenheit entwickelt, lässt sich nicht vermeiden. Beim täglichen Saubermachen, sehen wir zu, dass die Pferde möglichst weit weg sind. Es wird täglich nicht nur abgeäppelt (alles), sondern wir fegen auch täglich den gepflasterten Teil. Hier entsteht natürlich kurzfristig mehr Staub im offenen Bereich.
    Bewegung dürfen wir mittlerweile laut Tierarzt steigern, d.h. Ziel ist aktuell 10 – 15 min Trab, wobei ich das im Intervall vom Boden aus mache und versuche, sie vom Boden aus ein wenig zu fordern, um den Kreislauf und die Lunge zu beanspruchen, bei gleichzeitiger Vorsicht, die Sehne nicht zu überbelasten. Sprich, ich ärger sie auch mit anstrengenden Bewegungsmustern, wie das Übern des Schulschritts, was sie sehr anstrengt. Bei der Bewegung ist interessanterweise auch alles gut. Sobald ich sie anhalte und mit ihr den Schulhalt übe (wir sind noch weit von diesem entfernt) und sie sich auf ihren Körper konzentrieren muss, fängt sie wieder zu husten an, wobei man dies auch als „aufgesetzt“ deuten könnte. Tatsächlich klingt der Husten auch anders, wenn ich mich verstecke. Wenn ich bei ihr bin und sie betüddel, klingt der Husten deutlich gequälter und von tiefer her.
    Gestern war eine Tierkommunikatorin/ Heilpraktikerin da, die eigentlich das Pferd einer Freundlin behandelt hat. Diese meinte, dass der Husten bei ihr Psychische Gründe hätte, da sie wohl Dinge von vor meiner Zeit gerade am Aufarbeiten wäre und hat mir eine Behandlung empfohlen (klar, aber: meine Stute war damals tatsächlich ein sogenanntes Problempferd). Ich bin dem jedoch sehr skeptisch gegenüber. Jedoch in dem oberen Artikel konnte ich ein paar Dinge wieder finden, was dem entspricht, was die Frau mir gestern erzählt hat. Sie hat mir auch eine kurweise Behandlung mit Spongia empfohlen, was ich definitv noch austesten werde. Muss jedoch schauen, wie das mit den anderen Präparaten passt.

    Kraftfutter, was sie zZ eigentlich nur wegen Mineralfutter (Magnostable) und Magnobuild für die Sehne bekommt, besteht seit ein paar Tagen aus Luzerne von agrobs (das sind meiner Erfahrung nach die mit der besten Qualität / am staubfreisten), die kurz vor Fütterung feucht gemacht wird und etwas Schwarzhafer. Des Weiteren habe ich mich breitschlagen lassen mit ein paar Bronchialkräutern und Mash, was sie seit 2 Tagen kurweise bekommen wird, um zu schauen, wie sich das auch den Husten auswirkt. Vorher gab es eingeweichte Heucobs, um das Sputolysin bzw. die Antibiotika und Ventiplus ins Pferd zu bekommen. Futter klammer ich demnach als Grund für den Husten aus.

    Wie gesagt, bin ich gerade echt ratlos, was ich noch tun kann, um meiner Stute am besten zu helfen.

    Viele Grüße
    Tanja

  2. Monika sagt

    Danke für diesen Artikel. Er greift vieles auf, das ich aus meiner langjährigen Erfahrung kenne. Ich hätte eine Anmerkung und eine Frage zu diesem Thema:
    Zum einen gibt es häufig mehrere Ursachen, die zusammenspielen, wenn beim Pferd Husten ausgelöst wird. Zum Beispiel: ein Nachbarspferd bringt vom Turnier einen Husten mit zurück in den heimischen Stall, gleichzeitig ist mein Pferd nicht wie üblich eingedeckt worden und die Heulage / Silage enthält Schimmelsporen (wie auch nicht, wenn etwas Feuchtes in Plastik vor sich hingärt). Ob eine dieser möglichen Ursachen eine Herabsetzung der Immunabwehr bewirkt, und eine andere den Husten auslöst, ist wohl egal, denn als Reiter / Besitzer muss ich alle drei möglichen Ursachen abstellen.
    In meinem Fall wurde mir vom TA gesagt, dass die Schimmelsporen in der Heulage wohl die Ursache seien. In dem Fall ist doch das Inhalieren schlecht, denn dadurch breitet sich der Schimmelpilz doch erst richtig aus, oder ist das ein Denkfehler?
    Gibt es auch eine psychische Variante beim Husten? D.h. Kann auch Stress verantwortlich gemacht werden?

    • Hallo Monika,
      ich habe deine Fragen an Svenja gegeben und hier ist ihre Antwort:

      Liebe Monika,
      danke für die Frage! Du befürchtest, dass durch das Inhalieren die Schimmelsporen weiter in die Tiefe der Lunge transportiert werden können, richtig? Ein wichtiger Gedanke – ich weiß nicht, ob es dazu Untersuchungen gibt. Tatsächlich funktioniert die Lunge so, dass alles, was nicht hineingehört, mit Hilfe des Schleims nach draußen transportiert wird. Die Flimmerhärchen auf der Schleimhaut übernehmen den Transport, indem sie immer nach oben flimmern. Ein Pferd atmet täglich viele Schimmelsporen ein, die theoretisch auch bis ganz nach unten vordringen können, denn sie sind kleiner als die Lungenbläschen. Trotzdem passiert in der Regel nicht viel. Das Immunsystem und der Schleim stoppen die Sporen. Bei einem hustenden Pferd ist der Schleim zäher als sonst, weil mehr produziert wird, um mehr „Dreck“ herauszutransportieren. Ausserdem wird er zäh durch die enthaltenen Entzündungszellen. Die Idee des Inhalierens ist, den Schleim etwas zu verflüssigen, damit er besser bewegt werden kann. Beim Inhalieren durch die saubere Maske werden (hoffentlich) keine Schimmelsporen eingeatmet. Das Pferd atmet in der Regel auch nicht plötzlich tiefer ein, als sonst, sodass man keine Sorge haben muss, dass Schimmel regelrecht angesaugt wird. Nach dem Inhalieren läuft für eine Weile alles besser ab. Etwas anderes ist es, wenn ein Bronchienerweiterer gegeben wird. Da dieser die ganze Zeit wirksam ist, kann es schon sein, dass Staub und Schimmel tiefer in die Lunge gelangt, als sonst.
      Der Schimmel reizt die Atemwege und hält den Husten aufrecht, weshalb das Pferd ihn nicht wieder los wird. Ich denke aber, in den meisten Fällen ist der Auslöser ein Virusinfekt.

      > Gibt es auch eine psychische Variante beim Husten? D.h. Kann auch Stress verantwortlich gemacht werden?“

      Das weiß ich nicht – mir sind dazu keine Studien bekannt. Ich könnte es mir aber vorstellen. Aber auch hier treffen sicher mehrere Faktoren zusammen, weshalb sich der Stress ausgerechnet durch Husten äußert (statt z. B. durch Kotwasser). Homöopathisch gesehen wäre das sehr interessant!

      Viele Grüße,
      Svenja

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