Reiten in der Schwangerschaft – geht das überhaupt?

Darf ich in der Schwangerschaft noch reiten? Diese Frage beschäftigt jede reitende Mama-to-be. Da bin ich mir ganz sicher. Auch mich hat diese Frage beschäftigt. Deswegen gibt es heute einen (sehr persönlichen) Beitrag zu genau dem Thema: Reiten in der Schwangerschaft.

Vorweg möchte ich dir sagen, dass das, was für mich gilt, für dich nicht gelten muss. Nicht jede Schwangerschaft ist unkompliziert und bevor du dich und deinem ungeborenen Kind einem Risiko aussetzt, solltest du mit deinem Frauenarzt darüber sprechen, ob du auch weiterhin reiten darfst oder nicht. Deswegen wirst du von mir auf die Frage, ob und wie lange du während deiner Schwangerschaft reiten kannst, auch kein pauschales Ja oder Nein bekommen können. Ich werde dir heute erzählen, wie ich dazu stehe. Denn ich als werdende Mama mit Pferd, die ihr erstes Kind bekommt, bin immer wieder froh über den Erfahrungsaustausch mit anderen Reiterinnen, die in der gleichen Situation sind.

Reiten in der Schwangerschaft = Risiko?

Neben der Schwangerschaft selbst spielen vor allem deine reiterlichen Fähigkeiten und dein Pferd eine wichtige Rolle. Das kannst nur du abschätzen und beurteilen. Bist du noch Anfängerin, solltest du abwägen, ob du wirklich weiterreiten möchtest. Gleiches gilt, wenn dein Pferd noch sehr jung oder generell sehr unsicher ist. Denn Reiten gilt nun mal als größte Risikosportart für Schwangere und ihre Babys. Schließlich kann auch das bravste und zuverlässigste Pferd sich einmal erschrecken oder stolpern und hinfallen. Hier zählt also einzig und allein dein Bauchgefühl. Im Laufe der vergangenen Monate habe ich mit vielen Reiterinnen und Pferdebesitzerinnen über das Reiten in der Schwangerschaft gesprochen. Einige sind, genau wie ich, ziemlich lange geritten. Andere haben das Reiten sofort aufgegeben, als sie von der Schwangerschaft erfuhren. Wieder andere haben im Laufe der Schwangerschaft körperliche Beschwerden bekommen, die ihnen das Reiten unmöglich machten.

Aber abgesehen von dem Punkt Risiko gibt es, solange es dir und deinem Kind gut geht, eigentlich nichts, was gegen das Reiten mit Bauchzwerg spricht. Dies zeigt zum Beispiel auch das Forschungsergebnis von Susanna Kramarz, die 2011 ihre Dissertation mit dem Titel Reiten in der Schwangerschaft veröffentlicht hat. Die ganze Arbeit kannst du hier nachlesen. Für die Arbeit wurden verschiedene Aspekte in Bezug auf das Reiten in der Schwangerschaft untersucht, unter anderem das Frühgeburts- und Abortrisiko, das viele Schwangere beschäftigt. Das Ergebnis:

„Reiten während der Schwangerschaft hatte keinen Einfluss auf die Abortrate, auf die Dauer der Schwangerschaft oder das kindliche Outcome, weder Dressur- oder Springreiten noch eine reiterliche Aktivität von 20 Stunden und mehr pro Woche. Als wichtigste mit Frühgeburtlichkeit assoziierte Faktoren wurden ein niedriger BMI, Stressbelastung in der Schwangerschaft, hoher Blutdruck und andere Erkrankungen der Mutter und Schwangerschaftskomplikationen gefunden. […] Bei einer intakten Schwangerschaft und einer gesunden, belastungsfähigen Reiterin hat das Reiten keinen negativen Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft, der Entbindung und auf das Frühgeburtsrisiko. Eine Erhöhung der Abortgefahr durch das Reiten in den ersten Schwangerschaftsmonaten kann nicht festgestellt werden.“

Mit diesem Wissen im Hinterkopf reite ich trotz Babybauch und mittlerweile habe ich fast den 9. Monat erreicht. Ich bin mir dem Risiko sehr wohl bewusst. Aber ich weiß auch, dass es soooo viele andere Dinge gibt, die mindestens genauso gefährlich sind. Ich zum Beispiel hatte ganz am Anfang der Schwangerschaft, in der 6./7. Woche, eine akute Blinddarmentzündung und musste operiert werden. Und weil sich die Ärzte nicht sicher waren, ob es wirklich der Blinddarm ist, der mir Probleme bereitet, gab es vorab noch ein MRT. Immer wieder wurden mir Dokumente vorgehalten, die mir mitteilten, wie groß das Risiko für das ungeborene Kind in meinem Bauch ist. Und alle Dokumente musste ich unterschreiben – bei einem entzündeten Blinddarm hat man leider nicht viele Alternativen. Am Ende hat das Baby die Medikamente, das MRT und die Operation überstanden. Auch Radfahren in einer Großstadt wie Hamburg ist nicht ohne. Und Auffahrunfälle im Auto passieren auch immer wieder, ohne dass man selbst Schuld hat.

Die Operation hat mir viel, viel mehr Sorgen bereitet, als es das Reiten jemals tun könnte. Es war für mich ein nicht greifbares Risiko. Beim Reiten jedoch weiß ich, was mich erwartet. Dafür reite ich einfach lange genug. Ich vertraue auf meine reiterlichen Fähigkeiten, die auch mit dickem Bauch nicht ganz verschwunden sind, und ich vertraue meinem Pferd. Vielleicht gerade deswegen bin ich auch direkt nach der OP wieder auf den Pferderücken geklettert. Und ich habe zu keinem Zeitpunkt ein doofes Gefühl gehabt. Bis zum sechsten Monat bin ich sogar noch alleine oder mit anderen zusammen ausgeritten und galoppiert.

Das Training den neuen Umständen anpassen

Erst als die ersten Kindsbewegungen zu spüren waren, habe ich auf das Ausreiten alleine verzichtet. Und je größer der Bauch wurde, umso anstrengender wurde das Reiten. Man hat einfach nicht mehr die Puste, die man ohne Bauchzwerg hat. Das Blutvolumen hat sich erhöht und der Körper hat ziemlich viel zu tun. Deswegen gab es nur noch ruhigere Ausritte mit viel Schritt und Trab und Tölt. Meinen letzten Ausritt habe ich in der 29. Schwangerschaftswoche, also im achten Monat gemacht. Es war ein Abschiedsritt vom alten Stall und mit dem Umzug in den neuen Stall war mir klar, dass ich jetzt nicht mehr ausreiten werde, weil ich das Gelände nicht kenne.

Mittlerweile reite ich nur noch an ein, zwei Tagen die Woche auf dem Platz und das meistens ohne Sattel. Die anderen Tage steht Muskelaufbau durch Bodenarbeit an. Meine Umstandsreithose (die ich dir hier vorstelle und die einfach richtig, richtig toll ist) hat recht viel Grip und rutscht auf dem Sattel nicht so gut. Und weil das normale Absteigen nicht mehr möglich ist, komm ich nicht mehr so gut runter. Denn auch wenn viele denken, dass das Aufsitzen schwierig ist – nee, ich finde das Absteigen wesentlich komplizierter. Zum Aufsitzen nutze ich eine Aufsteighilfe – und das auch ohne Schwangerschaft, weil es sehr viel rückenschonender für das Pferd ist. So brauche ich einfach nur das Bein über den Pferderücken legen und mich draufsetzen. Beim Absteigen dagegen muss ich das Bein über den Pferdehals schwingen und runterrutschen. Anders geht es nicht, da ist der Bauch im Weg (wenn du eine andere Absteiglösung kennst, dann freu ich mich auf deinen Kommentar am Ende des Beitrags).

Die meiste Zeit reite ich Schritt. Aber ich sitze nicht einfach nur drauf und lasse das Pony vor sich hinlaufen, sondern ich reite viele Seitengänge wie Schulterherein oder Kruppeherein, nutze Tempounterschiede, wechsle zwischen Aufrichtung und Dehnung und reite viele Biegungen. An manchen Tagen nutze ich auch Trab und Tölt. Hier muss ich jedoch sagen, dass ich durch den dicken Bauch ein wenig Probleme mit dem Gleichgewicht habe und es mir nicht mehr so leicht fällt, diese Bewegungen auszubalancieren. Denn: Durch deinen größer werdenden Bauch verschiebt sich auch dein Schwerpunkt und es wird immer schwerer, im Gleichgewicht zu sitzen. Ich schaue einfach, wie es mir geht. Es gibt zum Beispiel Tage, da fühle ich mich richtig fit, da sind Trab und Tölt kein Problem – wobei der Tölt eigentlich schon ein Problem ist, weil mir mittlerweile meine Bauchmuskeln fehlen…). Dann gibt es Tage, da fühle ich mich nur ein bisschen fit und reite nur Schritt. Und dann gibt es Tage, da steige ich gar nicht erst aufs Pferd, sondern beschäftige das Pony vom Boden aus.

Dass ich (noch immer) reite, habe ich immer wieder bei den Untersuchungen kommuniziert. Niemanden hat es gestört. Im Gegenteil: Weil ich Probleme mit einer ISG-Blockade habe, bin ich regelmäßig zur Physiotherapie gegangen. Meine Physiotherapeutin hat mich jedes Mal darin bestärkt, weiter zu reiten, weil die Bewegung des Pferdes mir und meinem Rücken gut tut und muskuläre Verspannungen lösen kann.

Aktuell habe ich noch rund sieben Wochen Schwangerschaft vor mir. Und solange es mir so geht, wie jetzt, werde ich auch weiterhin reiten. Es tut mir gut und ich habe das Gefühl, dass es auch meinem Pferd Spaß macht. Er hat immer schon offen und neugierig mitgearbeitet und sich über neue Aufgaben, die seinen Kopf fordern, gefreut. Er weiß, dass ich schwanger bin – Pferde wissen das einfach – und er ist stets sehr vorsichtig und aufmerksam und gibt mir ein gutes Gefühl.

Wie sich das Reiten auf die Geburt auswirken wird, weiß ich nicht. Man sagt ja, dass Reiterinnen eine sehr gute Beckenbodenmuskulatur haben, was angeblich die Geburt erschweren soll. Bestätigen konnte mir das bisher aber noch keine Reiterin. (Wenn du deine Erfahrungen diesbezüglich mit mir teilen magst, dann schreib mir gerne eine E-Mail, sowas mag man vielleicht nicht unbedingt öffentlich in einem Kommentar tun.) Sicher ist aber, dass das Pferd fit hält. Und da ist es ganz egal, ob man reitet oder sich auf die Bodenarbeit konzentriert. Ich bin an fünf bis sechs Tagen die Woche beim Stall und bewege mich. Und das wird sich ganz bestimmt positiv auf die Geburt auswirken – fester Beckenboden hin oder her. Außerdem erhoffe ich mir viel durch die richtige Atmung, die ich mir auch beim Reiten ganz oft zunutze mache.

Stalldienst in der Schwangerschaft

Neben dem Reiten selbst hat mich während der vergangenen Wochen und Monate aber noch ein ganz anderes Thema beschäftigt: Stalldienst in der Schwangerschaft. Denn der muss ja trotzdem gemacht werden. Anfangs hab ich den Stalldienst auch wie gewohnt gemacht. Doch recht schnell, etwa im vierten, fünften Monat, habe ich gemerkt, dass es nicht mehr geht. Einen Heusack zu tragen, der 16/17 Kilo wiegt, war einfach nicht mehr drin und ich habe aufgrund der ISG-Problematik nach jedem Stalldienst sehr starke Rückenschmerzen gehabt. Also stand Teamwork an und mein Mann, der eher weniger bis gar nicht pferdeaffin ist, musste mich unterstützen und die schweren Heusäcke und Futtereimer tragen und die vollen Schubkarren schieben. Im neuen Stall muss ich keine Stalldienste mehr machen. Und um ehrlich zu sein bin ich da auch sehr froh drüber. Die Stallarbeit an sich fehlt mir schon (aber das ist ein anderes Thema). Diese Form der (körperliche) Belastung dagegen fehlt mir nicht.

Bist du während deiner Schwangerschaft geritten? Bist du vielleicht selbst schwanger und überlegst, ob du weiterreiten sollst oder nicht? Oder stehst du auch vor dem Problem, dass der Stalldienst dir mit zunehmendem Bauchumfang zu viel wird? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar! Zwei weitere Erfahrungsberichte zu dem Thema Reiten in der Schwangerschaft findest du übrigens bei verwandert und horsediaries.

Viele Grüße

 

 

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5 thoughts on “Reiten in der Schwangerschaft – geht das überhaupt?”

  1. Toller Artikel 🙂
    Bin aktuell in der 27. Ssw und reite nur noch eher selten. Liegt auch daran, dass meine Stute dieses Jahr ihre erste Distanzsaison hinter sich hat, und ich ihr meine restliche Schwangerschaft jetzt als Regenerationszeit gebe. Habe sie bis zur 24/25 Ssw noch selber trainiert, gestartet bin ich mit ihr nicht mehr. Es ist schon ein komisches Gefühl, aber ich gönn ihr die Zeit. Wir wollen Ende Dezember/Anfang Januar wieder das Training aufnehmen 🙂 damit wir im Frühling fit in die Saison starten können.
    Ein paar gemütliche Schrittausritte sind auf jeden Fall noch drinnen 🙂

    Wünsche allen alles Gute 🙂

  2. Wirklich ein sehr interessanter Beitrag. Spontan würden viele Leute sofort sagen, dass das eher verantwortungslos ist. Aber damit macht man es sich ein wenig einfach. Da steckt schon mehr Tiefe dahinter, was du in dem Beitrag ja auch bewiesen hast.

    Der Stalldienst ist ab einem bestimmten Punkt auch sicherlich einfach nicht mehr zu machen. Da hast du dich in meinen Augen völlig richtig verhalten. Sehr schön zu sehen, dass dich dein Mann dafür so tatkräftig unterstützt hat!

    Liebe Grüße,
    Stephanie K.

  3. Ich hatte glücklicherweise eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft, und bin bis zur 28. Woche geritten. Von einem Tag auf den anderen hatte ich dann das Gefühl dass es reicht. Die restliche Schwangerschaft hab ich longiert und Bodenarbeit gemacht, und war das letzte Mal 3 Tage vor der Geburt im Stall.
    Meine Geburt war ein großes Geschenk, nach knappen 4 Stunden war das Baby da. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl zu wissen was ich tun muss, und die Kontrolle über den Beckenboden, sowie meine Kraft schiebe ich ganz klar aufs Reiten 🙂 Meine betreuende Hebamme, selbst Reiterin, hat mir dann noch erzählt dass sie bei Reiterinnen sehr oft tolle und entspannte Geburten erlebt.
    Melde dich gerne per Mail wenn du noch Fragen hast 🙂
    Absonsten alles Gute!

  4. Ich bin recht jung schwanger geworden beim ersten Kind und für mich war ganz selbstverständlich, dass ich alles weitermache, was sich gut anfühlt. Vor 16 Jahren gab es auch noch nicht so eine Schwemme an Ratgebern mit unterschiedlichen Theorien 😉

    Für mein Sicherheitsgefühl habe ich nur folgendes verändert oder beachtet:
    – ich bin nur noch auf meinem eigenen Pferd geritten, was ich in und auswendig kannte und auf das ich mich absolut verlassen konnte.

    – ich bin nicht mehr ins Gelände gegangen und nicht mehr gesprungen, das waren Situationen, wo mein Pferd gern mal aufgedreht hat.

    – Aufsteigen mit Aufstiegshilfe (zur Not bin ich auf dem Mäuerchen des Misthaufens balanciert. 😂)

    – traben war ab dem 7′ Monat unangenehm, es zog im Bauch. Ab dann wurde der weggelassen.

    – nach der Geburt schonend anfangen und Rückbildung ernst nehmen für den Beckenboden

    So war das alles sehr entspannt und problemlos.. sportliche Frauen benötigen im Durchschnittchnitt weniger Schmerzmittel und haben leichtere Geburten. (Ich bin da wohl leider ne Ausnahme 😛) Aber ich war zumindest immer recht fit nach der Geburt.

    Alles Gute!🙂

  5. Hallo. In meiner ersten Schwangerschaft bin ich bis zur 32. Woche geritten, dann hab ich meinem Mann nachgegeben und aufgehört. Allerdings wäre ich eh nurnoch eine Woche geritten. Dann wollten wir in den Urlaub und danach wäre ich von alleine nicht mehr aufgestiegen. Bin von Anfang an nurnoch meine beiden geritten, nicht mehr alleine, kein springen, keine Turniere.
    Mit den Stallarbeiten war es anders. Am Anfang der Schwangerschaft war es mir wirklich eher unangenehm. Ich habe mir zwischenzeitlich sogar das Pferd satteln lassen müssen. Zum Schluss habe ich die Stallarbeit, auch schwerere Karren schieben, regelrecht gebraucht. Ich hab sogar freiwillig Sand für den Platz mit geschaufelt und gefahren. Weide bauen und sowas hab ich immer gemacht. Bis zur ersten Wehe.
    Die Schwangerschaft und Geburt war unproblematisch. Einen Vergleich habe ich nicht.
    Mein Arzt war natürlich gegen das reiten. Hab es ihm im nachhinein gesagt. Begeisterung ist anders, war mir aber egal.
    Jetzt bin ich mit dem zweiten Kind schwanger, bin in der 10.SSW. Und es ist anders. Zum einen gibt es meine Stute nicht mehr und mein Wallach ist vorerst nicht reitbar. Allerdings habe ich seit 1,5 Jahren zwei wundervolle Stuten, die ich alleine reiten darf. Und das mach ich auch. Auch auf Turnier und auch springen. Wie lange ich diesmal reite? Ich weiß es nicht. Solange es mir gut tut, solange es dem Bauchzwerg nicht schadet. Und solange ich Spaß habe und ich aufs Pferd komme. Und wieder runter 😂

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