Buchcover: Sieh es mit meinen Augen von Marie-Therese Goldmann, gemaltes Pferdeauge

Rezension: Sieh es mit meinen Augen von Marie-Therese Goldmann

Wie erkläre ich einem Kind nachvollziehbar, wie ein fairer und respektvoller Umgang mit dem Pferd aussieht und welche große Bedeutung das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter spielt? Mein Tipp: Mit dem Buch Sieh es mit meinen Augen. Eine Geschichte aus Sicht eines Pferdes von Marie-Therese Goldmann.

In dem Buch Sieh es mit meinen Augen geht es um den Haflinger Sir Toffka und seine Besitzerin Katja. Sir Toffka, ein ehemaliges Reitschulpferd, erzählt in Ich-Form und aus Pferdesicht von seinem Leben als Reitschulpferd, von seinem Verkauf an das Mädchen Katja und von seinem Weg in eine ihm bis dahin völlig unbekannte neue Welt fernab des Schulbetriebs: Katja zeigt dem misstrauen Haflinger, dass das Miteinander von Mensch und Pferd keinesfalls geprägt sein muss von negativem Druck und schmerzhaften Bestrafungen, sondern dass es auch anders geht – nämlich mit Respekt, Zuneigung und Vertrauen. Und so entwickelt sich zwischen den beiden im Laufe der Zeit eine enge und vertrauensvolle Freundschaft.

Weil sich die Autorin entschieden hat, aus Sicht des Pferdes zu schreiben, wird der Leser mit den Ängsten des Tieres vertraut gemacht und bekommt eine Vorstellung davon, wie Pferde unsere Welt sehen. Eine Fahrt mit dem Pferdeanhänger beispielsweise ist für das Tier bei weitem nicht so harmlos wie für uns. Im Gegenteil: Für ein Pferd ist so ein Anhänger eine dunkle Höhle, die laut ist, wackelt und in der es sehr damit zu kämpfen hat, sein Gleichgewicht zu halten.

Durch die Perspektive wird beim Leser Verständnis erzeugt für die Reaktionen eines Pferdes und es wird klar: Ein Pferd bockt nicht und rennt nicht los weil es etwas doof findet. Es bockt und rennt los, weil es möglicherweise nicht versteht, was von ihm erwartet wird und es Angst hat oder weil ihm etwas weh tut.

Ein tolles Beispiel hierfür ist die Arbeit mit der Doppellonge: Katja möchte Sir Toffka mit der Doppellonge longieren. Was für sie selbstverständlich erscheint, löst bei ihrem Pferd Panik aus:

„Dann geschah etwas Schreckliches. Die Leine auf der äußeren Seite straffte sich und ich spürte sie an meinen Hinterbeinen. Obwohl sie nicht sehr eng anlag, schossen mir sofort Bilder von Frau Hartmann und den Mädchen in den Kopf, als diese mich verladen wollten. Die Longe hatte an diesem Tag auch da an mir entlang geführt. Ich war gezwungen gewesen, in das Ungetüm von Hänger einzusteigen.

Ich verband mit der Longe an meinen Hinterbeinen also vor allem die Schmerzen und die Angst. Für mich blieb nur eine Option; um eventuellen neuen Leiden aus dem Weg zu gehen, ergriff ich die Flucht nach vorn.“

Was ich an Sieh es mit meinen Augen mag:

Marie-Therese Goldmann erzeugt beim Leser Mitgefühl und Verständnis. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass man sich immer wieder in das Pferd hineinversetzt und versucht die Situation aus Pferdesicht zu betrachten, um die Reaktion des Pferdes zu verstehen. Außerdem zeigt die Autorin, wie wichtig das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter ist und wie schwer es ist, dieses zu erarbeiten.

Fazit

Auch wenn sich das Buch primär an Kinder und Jugendliche richtet, lohnt es sich auch für erwachsene Pferdefreunde. Denn nach der Lektüre werden viele Pferdebesitzer die Reaktionen ihres Tieres ganz anders einschätzen und viel mehr Verständnis mitbringen.

Das Buch Sieht es mit meinen Augen. Eine Geschichte aus Sicht eines Pferdes von Marie-Therese Goldmann ist unter anderem hier* erhältlich:

 

*Vielen lieben Dank an Marie-Therese Goldmann für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!

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1 thought on “Rezension: Sieh es mit meinen Augen von Marie-Therese Goldmann”

  1. Hallo 🙂 Ich habe das Buch schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste im Amazon, bin mir aber nicht sicher, ob es das richtige für mich ist. Diese Rezension finde ich sehr gelungen, nun weiß ich, dass es vom Inhalt und der Einstellung her zu meinen Vorstellungen passt. Da du jedoch beschreibst, dass es eher ein Kinderbuch ist, wird es auf der Prioritätenliste nicht oben stehen. Aber ich werde es sicherlich irgendwann einmal lesen!

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