Seitengänge reiten - Schulterherein

Seitengänge reiten – Tipp für mehr Abwechslung im Training

Seitengänge reiten gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Reiters, der sein Pferd gesund trainieren möchte. Wie du Seitengänge kreativ in dein Training einbinden kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Warum Seitengänge reiten?

Du fragst dich, warum du als Freizeitreiter Seitengänge reiten sollst, obwohl du doch so gar keine Lust auf Dressur hast? Ganz einfach: Seitengänge halten dein Pferd gesund!

Seitengänge gymnastizieren dein Pferd. Sie helfen dabei, dein Pferd gerade zu richten, verbessern Balance, Durchlässigkeit, Losgelassenheit und Geschmeidigkeit des Pferdes, fördern die Schulterfreiheit und die Hankenbeugung und stärken die Hinterhand. Und nicht ohne Grund werden Seitengänge und vor allem das Schulterherein als Aspirin des Reitens bezeichnet, wie du in meinen Beiträgen „Darum redet jeder vom Schulterherein“ und „Vom Schulterherein zum Kruppeherein“ nachlesen kannst.

Zu den Seitengängen gehören: Schulterherein, Schulterheraus, Travers (Kruppeherein), Renvers (Kruppeheraus) und Traversalen.

Ein wichtiges Merkmal der Seitengänge: Das Pferd ist gestellt und gebogen und bewegt sich vorwärts-seitwärts. So definiert es zumindest die FN in ihren Richtlinien. Deswegen gehört das Schenkelweichen, bei dem das Pferd nur gestellt ist, nicht zu den offiziellen Seitengängen. Was  der Unterschied zwischen Stellung und Biegung ist, erkläre ich dir hier. Ganz vereinfach zusammengefasst: Die Stellung betrifft nur das Genick des Pferdes, die Biegung geht von Kopf bis Schweif. Eine korrekte Stellung, bei der das Genick nicht verworfen ist, ist die Grundlage für alle Seitengänge. Ist die Stellung nicht korrekt, kann sich das Pferd nämlich auch nicht biegen.

Seitengänge: die Unterschiede

Bevor ich dir meine aktuelle Lieblingsübung für Seitengänge vorstelle, möchte ich noch kurz auf die jeweiligen Unterschiede eingehen. Mir hilft es nämlich immer, wenn ich mir vor dem Reiten der Übung die einzelnen Lektionen noch einmal bildlich vorstelle:

  • Schulterherein: Das Pferd ist entgegen der Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, die Vorhand wird ins Bahninnere geführt, die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag
  • Konterschulterherein: Das Pferd ist mit dem Kopf nach außen entgegen der Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, die Hinterhand geht auf dem zweiten Hufschlag (Schulterherein spiegelverkehrt)
  • Travers: Die Vorhand bleibt auf dem Hufschlag, während die Hinterhand in das Bahninnere geführt wird. Das Pferd ist hierbei in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen
  • Renvers: Das Pferd ist in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, die Vorhand geht auf dem zweiten Hufschlag, während die Hinterhand nach außen geführt wird (Travers spiegelverkehrt)

Trainingstipp: Seitengänge auf dem Zirkel

Ich reite Seitengänge gerne auf einer großen Acht/aus dem Zirkel wechselnd, sodass jede Lektion eine Zirkelrunde lang dauert. Diese Übung hat mir meine Reitlehrerin gezeigt und ich finde sie super, weil sie jede Lektion gleichwertig behandelt, keine Seite und kein Bein vernachlässigt und leicht umzusetzen ist. Der stete Wechsel von Schulterherein, Kruppeherein, Travers und Renvers fördert das Geraderichten, die Durchlässigkeit und die Losgelassenheit deines Pferdes. Und bei uns Reitern schult diese Übung definitiv das logische Denken und die Koordinationfähigkeit.

Wichtig ist, dass der Kreis, den du reitest, gleichmäßig ist. Entweder zeichnest du dir einen Kreis im Boden vor (das kann ich dir sehr empfehlen, weil es wirklich sehr gut hilft) oder du stellst dir Hütchen zur Orientierung auf.

Mit welcher Lektion du beginnst, kannst du dir im Grunde selbst aussuchen. Ich reite immer in dieser Reihenfolge:

  1. Schulterherein
  2. Konterschulterherein
  3. Travers
  4. Renvers

Handwechsel

  1. Schulterherein
  2. Konterschulterherein
  3. Travers
  4. Renvers

Um dir besser zu erklären, was ich meine, habe ich die Übung aufgezeichnet:

Seitengänge reiten auf dem Zirkel - Schulterherein, Schulterheraus, Travers, Renvers
Schulterherein, Schulterheraus, Travers und Renvers auf dem Zirkel

In der Praxis sieht es so aus, dass ich rechte Hand mit dem Schulterherein beginne und im Schulterherein bis zum Wechselpunkt bleibe. Dann gehe ich auf den zweiten Zirkel, ändere aber Stellung und Biegung nicht und wechsle damit vom Schulterherein ins Konterschulterherein.

Am Wechselpunkt der beiden Zirkel gehe ich dann vom Konterschulterherein über zum Travers, indem ich die Vorhand auf den Hufschlag leite und die Hinterhand nach innen hole. Wenn ich nach einer Runde Travers am Wechselpunkt ankomme, gehe ich auf den zweiten Zirkel und aus dem Travers wird ein Renvers.

Danach wechsle ich die Hand und wiederhole diese Übung.

Wichtig: Pausen nicht vergessen

Die Seitengänge allgemein und vor allem Seitengänge auf der gebogenen Linie sind für das Pferd schwerer, deswegen ist diese Übung für das Pferd auch richtig anstrengend.

Beim Schulterherein auf dem Zirkel hat die Hinterhand beispielsweise einen längeren Weg und muss dadurch aktiver sein. Beim Konterschulterherein auf dem Zirkel hat die Hinterhand einen kürzeren Weg und das Pferd muss mehr Last aufnehmen. So unterstützt das Konterschulterherein auf dem Kreis die Versammlung. Und beim Travers auf der gebogenen Linie  muss das äußere Hinterbein vermehrt unterfußen.

Um das Pferd nicht zu überfordern, kannst du zwischendurch gerne einfach mal anhalten, die Zügel lang lassen und dem Pferd eine Pause gönnen. Oder du reitest beispielsweise aus dem Konterschulterherein auf der linken Hand kommend eine große Rechtsvolte und gibst deinem Pferd die Möglichkeit sich zu strecken und zu dehnen, ehe es mit dem Konterschulterherein weiter geht. Wenn du alle Lektionen am Stück abrufst, kann es passieren, dass sich die Muskeln verkrampfen und die Losgelassenheit, die du durch die Seitengänge förderst, verloren geht.

Noch ein Tipp: Als Reiter musst du genau hinspüren, ob dein Pferd auf der richtigen Linie fußt und du musst aufpassen, dass die Hinterhand nicht nach außen ausweicht.

Wie bindest du die Seitengänge in dein Training ein? Falls du eine weitere kreative Idee hast, würde ich mich sehr über einen Kommentar von dir freuen.

Ansonsten wünsche ich dir viel Spaß beim Nachreiten.

Bis bald,

Karo von Pferdefreunde

 

 

 

Buchtipps:

Gerd Heuschmann: Die Anatomie und Biomechanik von Stellung und Biegung: Meilensteine auf dem Weg zur korrekten Versammlung*

Kirsti Ludwig: Dressur für Gangpferde: Von der Dehnungshaltung zum Traumtölt*

Britta Schöffmann: Die Dressurstunde: Trainingskonzepte für jeden Tag*

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