Pferd im Spanischen Schritt

Wie bringe ich meinem Pferd Spanischen Schritt bei?

Wenn es im Winter früh dunkel ist oder im Sommer die Temperaturen zu warm zum Reiten sind, setzen viele Reiter auf ein Alternativprogramm vom Boden. Ich auch. Neben der Bodenarbeit am Kappzaum und dem Longieren nutze ich sehr gerne das Clickertraining und übe mit meinem Pony Zirkuslektionen. Zu unseren Lieblingsübungen gehört der Spanische Schritt bzw. der Spanische Gruß. Wie du deinem Pferd den Spanischen Schritt beibringen kannst und warum er nicht nur für den Kopf, sondern auch für die Muskeln deines Pferdes gut ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Beim Spanischen Schritt streckt dein Pferd wechselseitig seine Vorderbeine bis zur Waagerechten aus. Dies ist eine natürliche Bewegung, die man oft in der Natur oder auch beim Spielen in der Herde sehen kann. Hierbei handelt es sich um eine dominante und imponierende Geste.

Der Name „Spanischer Schritt“ kommt daher, dass Pferde in den spanischen Stierkampfarenen diese Bewegung ausüben sollten, um die Stiere zu provozieren und angriffslustig zu machen.

Der Spanische Schritt ist eine leicht versammelnde Übung. Er fördert die Beweglichkeit deines Pferdes, lockert und dehnt die Schultermuskulatur und verbessert die Schulterfreiheit. Ziel ist es, dass dein Pferd seine Vorderbeine im Wechsel waagerecht ausstreckt, ohne dabei seinen Takt und den Raumgriff zu verlieren.

Doch der Spanische Schritt hat nicht nur Einfluss auf die Muskulatur, sondern auch auf die Psyche: Wenn du ein Pferd hast, das nicht sehr selbstbewusst ist, kann diese Übung dabei helfen, Selbstvertrauen aufzubauen. Ist dein Pferd sehr dominant, solltest du vielleicht lieber auf diese Lektion verzichten und stattdessen eine Übung nutzen, die nach unten zu Boden geht, wie zum Beispiel das Kompliment.

Wie bringe ich meinem Pferd Spanischen Schritt bei?

Grundvoraussetzung für diese Lektion ist, dass sich dein Pferd korrekt führen lässt – idealerweise von beiden Seiten und mit Abstand. In meinem Beitrag Ein Pferd führen ist gar nicht so einfach findest du verschiedene Übungen, die du machen kannst, um die Basics zu festigen.

Bevor du deinem Pferd den Spanischen Schritt in der Bewegung beibringst, solltest du mit dem Spanischen Gruß beginnen. Dies ist sozusagen der Spanische Schritt im Stand. Dabei kannst du deinem Pferd erklären, dass es sein Vorderbein waagerecht nach vorne streckt, wenn du es mit der Gerte touchierst.

Die Position von Pferd und Reiter

Damit dein Pferd in der Balance ist und sein Gleichgewicht nicht verliert, wenn es sein Vorderbein hebt, sollte es anfangs möglichst geschlossen stehen. Um möglichst viel Schulterfreiheit zu gewährleisten und das Vorderbein, das gestreckt werden soll, zu entlasten, sollte dein Pferd seinen Kopf leicht in die Richtung stellen, die du nicht touchierst. Das heißt: Wenn du möchtest, dass dein Pferd sein rechtes Bein hebt, sollte es leicht nach links schauen.

Du selbst solltest möglichst seitlich neben deinem Pferd stehen. Achte unbedingt darauf, dass du nicht zu nah am Vorderbein bist, denn wenn dein Pferd schnell verstanden hat, was es machen soll, kann es leicht passieren, dass dich der Huf tritt.

Vorderbein touchieren

Wenn du dein Pferd mit der Gerte touchierst, dann solltest du möglichst fein sein. Auf keinen Fall sollst du dein Pferd mit der Gerte schlagen. Es geht mehr um ein Kitzeln. Sollte dein Pferd nicht reagieren, darf nicht die Lösung sein, immer stärker zu touchieren. Stattdessen könntest du versuchen, das Tempo und die Art des Touchierens zu ändern. Bei manchen Pferden reicht aber auch ein leichtes Streicheln mit der Gerte.

Die Stelle, an der du dein Pferd touchierst, ist abhängig davon, wie dein Pferd reagiert. Du musst sie einfach durch ausprobieren finden. Sie sollte sich aber in jedem Fall zwischen Vorderwurzelgelenk und Brust befinden. Wichtig ist, dass du immer die gleiche Stelle nimmst, damit du dein Pferd nicht durcheinanderbringst, falls du ihm noch weitere Übungen beibringen möchtest. Unterhalb des Vorderwurzelgelenks solltest du nicht touchieren. Diese Stelle wird in der Regel dafür genutzt, dem Pferd das Beugen des Beines beizubringen, eine Vorübung des Kompliments.

Unsere Touchierstelle ist die Schulter. Diese erreiche ich auch vom Sattel aus sehr gut, sodass ich die Lektion auch beim Reiten abrufen kann.

Dazu kannst du außerdem ein Signalwort nutzen, das du immer mit dieser Lektion verbindest. Mein Signalwort lautet „Spanisch“, wobei ich das A ein wenig in die Länge ziehe, also „Spaaanisch“. Irgendwann reicht dann das Stimmkommando allein aus, um den Spanischen Schritt oder den Spanischen Gruß abzurufen.

Achte am Anfang unbedingt darauf, dass dein Pferd nur eine Beinbewegung zeigt. Viele Pferde (meins inbegriffen) neigen dazu, zu scharren. Ich ignoriere das Verhalten meistens oder lasse mein Pferd ein paar Schritte gehen und beginne nach dieser Pause von neuem. Einige Pferde, vor allem Hengste, empfinden das Touchieren des Beines als Aufforderung zum Kampf oder Spiel und reagieren entsprechend wild. Sollte das bei deinem Pferd so sein, solltest vielleicht lieber auf diese Lektion verzichten oder so viel Ruhe und Entspannung vermitteln, dass dein Pferd erkennt, dass du keinerlei Kampfabsicht besitzt.

Mit der Zeit solltest du dazu übergehen, die Übung nicht nur durch das Touchieren einzuleiten, sondern sie auch bewusst zu beenden und deinem Pferd so signalisieren, wann es Zeit ist, das Bein wieder abzusetzen. Dies kannst du zum Beispiel erreichen, indem du die Gerte nicht mehr touchierend einsetzt, sondern sie am Bein anlegst. Solange sich die Gerte am Bein befindet, soll dein Pferd sein Bein oben halten.

Alternative: Körpertarget

Alternativ kannst du das Körpertarget nutzen. Dabei soll dein Pferd mit dem Vorderfußwurzelgelenk das Target, beispielsweise die Gerte, berühren. Bei Clickerpony findest du dazu nicht nur eine schöne Erklärung, sondern ein ganz tolles, lehrreiches Video.

Loben, loben und nochmals loben!

Sobald dein Pferd die kleinste Reaktion zeigt, musst du das Touchieren einstellen und loben. So zeigst du ihm, was du von ihm erwartest. Ob du dabei clickerst oder mit der Stimme lobst, ist egal. Wichtig ist nur, dass du den richtigen Moment abpasst.

Tipp: Wenn du nicht sicher bist, ob clickern was für dich ist, empfehle ich dir mein Interview Wie funktioniert Clickertraining?

Erwarte am Anfang nicht zu viel. Es kann gut sein, dass dein Pferd zunächst nur mit dem Huf aufstampft. Es braucht einfach ein wenig Zeit und viele kleine Trainingseinheiten, bis es sein Bein dauerhaft anhebt und streckt.

Vom Spanischen Gruß zum Spanischen Schritt

Sobald dein Pferd den Spanischen Gruß beherrscht und verstanden hat, dass es sein Bein heben soll, wenn du das Signalwort sagst und/oder das Bein mit der Gerte touchierst, kannst du die Bewegung mit dazu nehmen und den richtigen Spanischen Schritt üben. Du musst nicht warten, bis dein Pferd sein Bein perfekt ausstreckt. Oft neigen Pferde nämlich dazu, ihr Gewicht vermehrt auf das stehende Vorderbein zu verlagern. Ziel ist es aber, dass die Hinterhand vermehrt Gewicht aufnimmt – das erreicht man durch die Bewegung. Dein Pferd  muss seine Hinterhand stärker einsetzen, es geht versammelter, verkürzt seinen Rahmen und wölbt den Rücken auf.

Der beste Weg vom Spanischen Gruß zum Spanischen Schritt führt über den Polka.

Im Unterschied zum Spanischen Schritt muss dein Pferd beim Polka nicht bei jedem Schritt seine Vorderbeine heben, es gibt noch zwei einfache Schritte, ehe das zweite Vorderbein gehoben wird. Es ist vielmehr ein Wechselschritt. Polka erleichtert es deinem Pferd, auch seine Hinterhand mitzunehmen.

Am besten übst du den Spanischen Schritt/Polka so, dass du dein Pferd ein paar Schritte gehen lässt, anhältst, die Beinstreckung verlangst und lobst. Dann lässt du dein Pferd wieder antreten.

Sobald dies gut funktioniert, kannst du dazu übergehen, dein Pferd nach dem Beinstrecken sofort antreten zu lassen bzw. das Beinstrecken aus der Bewegung heraus zu verlangen.

Du kannst hierbei mit eurer Schokoladenseite beginnen und erst später, wenn die Schokoseite sitzt und dein Pferd weiß, was du von ihm möchtest, die nicht so guten Seite hinzunehmen.

Erst wenn die Polka sitzt solltest du mit dem eigentlichen Spanischen Schritt, also mit der wechselseitigen Bewegung der Vorderbeine, beginnen.

Ganz wichtig ist mir an dieser Stelle zu sagen: Sei bitte nicht zu ehrgeizig: Dein Pferd muss nicht sofort beide Beine im Wechsel heben können. Bis dein Pferd den Spanischen Schritt beherrscht, braucht es viele Trainingseinheiten und viel Zeit. Diese Zeit musst du euch unbedingt zugestehen. Denn was gibt es Schlimmeres, als den Spaß zu verlieren? Und Spaß haben die meisten Pferde an dieser Übung!

Ich persönlich finde diese Übung auch für mich sehr anstrengend, weil man sich doch sehr konzentrieren muss. Deswegen ist mein Tipp: Unbedingt immer wieder Motivationspausen einbinden. Und niemals das Loben vergessen! 🙂

Die Führposition

Wo deine Position hierbei ist, musst du für dich herausfinden. Ich selbst gehe rückwärts vor meinem Pferd her, so fällt es mir leichter, abwechselnd das linke und rechte Bein zu touchieren. Hierbei musst du darauf achten, dass du dein Pferd nicht in der Vorwärtsbewegung ausbremst. Alternativ kannst du aber auch weiterhin seitlich neben dem Pferd hergehen.

Wenn der Spanische Gruß sitzt, kannst du ihn auch vom Sattel aus abrufen oder ihn ins Podesttraining einbinden.

Kann dein Pferd den Spanischen Schritt? Wie hast du ihn beigebracht und auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen? Ich freue mich auf deine Erfahrungen und Trainingstipps – vielleicht kann ich davon was für unser Training mitnehmen, denn wir sind noch lange nicht beim Spanischen Schritt angekommen, den Spanischen Gruß beherrscht das Pony sehr gut und Polka geht auch. Aber bis zum imposanten Spanischen Schritt dauert es sicherlich noch ein wenig.

Bis bald

 

 

 

Zum Weiterlesen:

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.