Clickertraining mit dem Pferd

Wie funktioniert Clickertraining?

Was ist und wie funktioniert Clickertraining? Diese Frage habe ich mir das erste Mal vor ein paar Jahren gestellt. Je mehr ich über das Thema gelesen und je mehr ich mich damit auseinandergesetzt habe, desto faszinierter war ich. Was Clickertraining ist und wie es funktioniert, das verrät dieser Beitrag.

Ann-Christin von Ponyliebe im Interview zum Thema Clickertraining

In den vergangenen Jahren fand das Clickern immer mehr Fans. Einer von ihnen ist die Bloggerin Ann-Christin Vogler von Ponyliebe. Auf Ponyliebe steht das Clickertraining im Mittelpunkt und Ann-Christin ist eine echte Expertin, was das Thema angeht. Deswegen habe ich sie zum Interview geben, in dem sie nicht nur die Fragen Was Clickertraining ist und wie es funktioniert beantwortet, sondern auch tolle Tipps für Clickerneulinge und interessierte Einsteiger gibt.

Pferdefreunde: Wie funktioniert Clickertraining?

Ponyliebe: Clickertraining basiert auf dem Prinzip des Operanten Konditionierens nach Skinner. Dabei wird der Effekt genutzt, dass ein Verhalten umso öfter gezeigt wird, wenn auf eben dieses eine positive Konsequenz folgt. Im breiten Feld des Operanten Konditionierens bewegt man sich also genauer im Lernen am Erfolg nach Thorndike.

Die beste positive Konsequenz ist Futter, denn das steht bei fast jedem Pferd ganz hoch im Kurs. Für Rán (meine Reitbeteiligung) ist so eine positive Konsequenz eine Karotte, ein Apfelschnitz, ein Leckerli, etc. Bei manchen Pferden kann man auch mit einer Streicheleinheit loben – diese Pferde sind aber wirklich selten!

Ganz besonders wichtig für dieses Lernen am Erfolg ist, dass die Belohnung direkt auf das gewünschte Verhalten erfolgen muss, damit im Gehirn eine Verknüpfung entsteht und das Pferd weiß, für was es belohnt wird. Dieser Zeitraum ist bei Pferden sehr kurz. Und genau da kommt der Clicker ins Spiel: Das Klickgeräusch an sich ist keine Belohnung, sondern ein Markersignal für das gewünschte Verhalten. Der Clicker überbrückt also sozusagen den Zeitraum von der Markierung des richtigen Verhaltens bis zur Belohnung.

Mit dieser Art der Arbeit will man erreichen, dass das Pferd versteht, was es tun soll und dies dann auch gerne tut. Damit ist das Clickertraining weit entfernt von den Stress- und Druckmethoden!

Ist jedes Pferd für das Clickertraining geeignet?

Aus meiner Sicher heraus: JA! Aber natürlich kann man – egal wie man mit Pferden arbeitet – einfach nie etwas verallgemeinern. Man kann mit jedem Pferd clickern, aber man wird die Schwerpunkte des Trainings bei jedem Vierbeiner anders setzen müssen.

Bei einem aufdringlichen Pferd stehen vor allem Übungen rund um das Thema Höflichkeit im Vordergrund, bei einem introvertierten Pferd mehr die Übungen, die das Pferd stolz und mutig sein werden lassen (wie beispielsweise das Erklimmen eines Podests).

Warum hast du mit clickern angefangen?

Rán war eine ganze Zeit lang wirklich ein Unglücksrabe und hat jegliche Krankheit angezogen wie ein Magnet. Da hat sie nicht nur gehustet, nein, sie ging auch noch lahm und hatte einen Hufabszess. Herrje. Tolle Kombi…Weil sie schon sehr alt ist und wir Angst hatten, dass sie uns abbaut, wenn sie nur steht, haben wir nach Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht, die im Rahmen der Verletzungsserie möglich war. Dabei bin ich auch aufs Clickern gestoßen und habe völlig unbedarft einfach mal angefangen. Heute lächel ich da drüber, aber im Endeffekt ging alles gut und Rán und ich haben uns zusammengerauft.

Das ich damals damit angefangen habe, war ein wahrer Glücksgriff – aus einer eher holprigen Mensch-Pferd-Beziehung wurden wir zu einem unschlagbaren Dreamteam, dass sich blind vertraut. Rán tut es sichtlich gut, auch mal Nein sagen zu dürfen und mitzudenken!

Anmerkung am Rand: Bitte nicht einfach wie ich damit anfangen, sondern viel lesen und überlegen vorher und im besten Fall am Anfang mit Trainer arbeiten 😀

Was brauche ich alles zum Clickern?

Eigentlich nur dich und Belohnung. Man kann nämlich auch mit der Zunge clicken! Ich hab trotzdem lieber eine so genannte Clickerbox dabei – was es alles für unterschiedliche Clicker gibt, kannst du bei Sabine auf Clickerpony nachlesen, die hat sich durchgetestet.

Kann ich statt eines Clickers auch ein Wort nehmen?

Das kann man theoretisch tun. Allerdings sollte dieses Wort sehr kurz und prägnant sein und NIEMALS sonst im Alltag von dir verwendet werden. Wenn du als Wort zum Beispiel Halfter nimmst, hast du folgende Probleme: Kann man nicht schnell sprechen; Du verwendest es öfter am Stall und würdest damit immer dein Pferd belohnen…

Für mich persönlich ist ein Wort nicht so genau und präzise wie ein Click. Oft clicke ich ganz automatisiert, ob man Wörter auch so automatisieren kann, stelle ich in Frage. Zur Vereinfachung für beide Seiten empfehle ich daher dringend entweder den Zungenclick oder einen Clicker.

Wie beginne ich das Clickertraining?

Darüber habe ich schon ganz viele Blogartikel geschrieben und möchte dir diese gerne ans Herz legen, anstelle hier jetzt den Rahmen zu sprengen.

Prinzipiell gilt: Clickern beginnt immer beim Menschen und mit Vorbereitungszeit! Erst musst du dich einlesen und das Prinzip verstehen. Dann würde ich an deiner Stelle erstmal versuchen einen Freund zu clickern. Versuch doch mal deinen Freund dazu zu kriegen, dir die Wasserflasche zu geben, wenn du am Sofa liegst, aber ohne, dass du was sagst, sondern nur indem du die kleinen Teilschritte belohnst .Wenn du das kannst, dann kannst du mit dem Clickern beim Pferd beginnen. Wie das geht, kannst du hier nachlesen:

Außerdem habe ich auf Youtube eine Videoserie, die euch die Anfänge nochmal zeigt.

Tipp: Dieses eBook* zeigt dir Schritt für Schritt, wie Targettraining funktioniert:
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Was muss ich lernen bzw. worauf muss ich achten, wenn ich anfangen möchte zu clickern?

Du musst vor allem lernen, dich nicht verunsichern zu lassen von anderen, die der Meinung sind, dass das Blödsinn ist.

Außerdem musst du lernen, voll und ganz bei deinem Pferd zu sein und auf kleinste Signale zu achten. Clickern wird euch beide verändern, vor allem aber dich. Du wirst lernen geduldig zu sein, freundlich, nicht so schnell auszurasten (das ist sehr schwer, ich ärger mich immer ganz schnell, wenn was nicht klappt 😀 ), deine Anfrage an das Pferd zu hinterfragen – vielleicht hast du ja zu viel gewollt oder zu viel Erwartungsdruck gezeigt – dann wollen Pferde nämlich meistens lieber nicht mehr mitmachen.

Außerdem wirst du auch lernen, ein Nein von deinem Pferd zu akzeptieren. Das tut ganz schön weh zu Beginn, aber dann tut es euch gut.

Was ist die Grundlage, die mein Pferd lernen muss?

Dein Pferd muss lernen, was dieses Clickgeräusch bedeutet. Du musst es auf den Click konditionieren. Das geht aber ganz einfach. Am Anfang stehst du neben deinem Pferd, in gewohnter Umgebung, clickst einfach nur und schiebst direkt danach ein Leckerli in dein Pferd.

Du merkst es sofort, wenn dein Pferd soweit ist: Es wird leuchtende Augen kriegen, brummeln, sich freuen und ganz erwartungsfreudig auf das nächste Leckerli umsonst warten.

Dann ist der richtige Moment, um von der reinen Konditionierung auf den Click zu einer Aufgabe überzugehen, damit dein Pferd sich das Leckerli auch verdienen muss!

Eine gute erste Aufgabe ist immer das Höflichkeitstraining, also Kopf weg vom Leckerlibeutel.

Wie lange dauert es, bis mein Pferd das Clickern verstanden hat?

Das ist ganz unterschiedlich! Rán hat fast eine Woche gebraucht, bis sie damals wirklich und 100 Prozent verstanden hatte, dass der Click bedeutet, dass es nun ein Leckerli gibt und dass das ein Lob ist. Sie kommt aber ursprünglich aus der NHS-Ecke und kannte daher Futterbelohnung gar nicht. Fáfnir, das zweite Pferd, mit dem ich clicker, hat genau zwei Minuten gebraucht …

Kann ich auch ohne Leckerlis clickern?

Nein, aus meiner Sicht geht das nicht. Es gibt Pferde, die kann man tatsächlich mit Kraulen mehr loben und motivieren, als mit Futter. Aber bei 99 Prozent siegt eben doch das Fressen. Und warum auch nicht – wenn du arbeitest, dann möchtest du auch eine Belohnung dafür. Da ist bei uns das höchste Gut meist Wertschätzung und Geld. Bei einem Pferd ebenfalls Wertschätzung plus Futter.

Kann ich auch nur bestimmte Dinge clickern – zum Beispiel beim Tricktraining/bei der Zirzensik – oder muss ich dann immer und alles clickern?

Freilich kannst du nur bestimmte Dinge clickern! Ich clicker zum Beispiel nie beim Reiten und auch nur selten beim Spazierengehen. Andere Menschen sagen, dass man immer alles clickern muss, um für das Pferd logisch zu bleiben.

Ich sage: Rán verkraftet das sehr gut und ich möchte, dass sie beim Reiten läuft und nicht alle Nase lang anhält, weil sie eine Belohnung kriegt. Würde ich jetzt aber neue Lektionen oder ähnliches erarbeiten wollen, würde ich diese am Boden mittels Clickern erarbeiten und dann wohl auch im Sattel clickern (zum Beispiel die Piaffe) – da wir das aber nicht machen, sondern nur gemütliche Runden ins Gelände tuckern, brauche ich das einfach nicht.

Wir clickern nur am Boden, dabei fange ich aber wirklich schon an, wenn ich das Paddock betrete. Auch am Putzplatz kann man wunderbar clickern. Sonst arbeiten wir zwei viel an Freiarbeit und Beweglichkeit, weniger an Zirkustricks – für vieles ist Rán dann doch schon zu alt.

Also: Du kannst alles clickern, du musst aber nicht Dein Pferd kriegt das schon raus!

Welchen Tipp hast du für alle Clicker-Neulinge?

Lass dich nicht abschrecken, sondern schau einfach, ob es dir gefällt, wie dein Pferd reagiert und hab Spaß! Wie bei jeder Trainingsform gibt es Menschen, die einen wirklich den Spaß verderben können! Beachte sie nicht und lass dich einfach mal drauf ein – du wirst es ganz bestimmt lieben! 🙂

Vielen lieben Dank für das Interview!

Steht das Clickertraining auch bei dir auf dem Trainingsplan? Wie hast du angefangen und was sind deine Erfahrungen? Oder willst du das Clickern beginnen und hast noch offene Fragen? Dann freu ich mich auf deinen Kommentar! Wenn du mehr zum Clickertraining lesen möchtest, dann schau mal bei Pferdespiegel vorbei.

Alles Gute und bis bald,

Karo von Pferdefreunde

 

 

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5 thoughts on “Wie funktioniert Clickertraining?”

  1. Hei du!
    Ich bin gerade auf deinen Blog aufmerksam geworden.. Er gefällt mir echt gut und ich finde du erklärst das mit dem Klicker ziemlich gut und logisch. Da ich im Rahmen meiner Facharbeit auch noch eine mündliche Quelle oder so etwas wie ein Interview brauche, dachte ich mir, ich frage dich mal. Es sind nur 3-4 Fragen und ich würde mich wirklich freuen wenn du dich bereit erklären würdest.
    Danke schonmal, Jana 🙂

    1. Liebe Jana,
      Danke für den netten Kommentar!
      Hierbei handelt es sich um ein Interview, deswegen würde ich dich an Ann-Christin von Ponyliebe verweisen.
      Auch Mata Pohl könntest du anschreiben, sie hat ein Buch zu dem Thema geschrieben und für Pferdefreunde einen Gastbeitrag verfasst.
      Viele Grüße und viel Erfolg mit deiner Arbeit!
      Karo

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