Auf dem Wunschzetel meines Pferdes steht, dass ich wieder bewusster bei ihm sein soll - so wie auf dem Bild, wo wir vor einigen Jahren sehr vil Spaß im Schnee hatten

Der Wunschzettel meines Pferdes

Was steht auf dem Wunschzettel meines Pferdes? Um diese Frage kreist der heutige Beitrag. Er ist das 6. Türchen des #Pfeihnachtskalenders: 24 Pferdefreunde nutzen die besinnliche Vorweihnachtszeit, um sich in Ruhe zu überlegen, was ihre Pferde eigentlich wollen.

Wenn wir Menschen einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann oder an das Christkind schreiben, dann stehen da meistens materielle Dinge drauf: ein neues Buch, eine neue Jacke, eine neue Mütze.

Diese materiellen Dinge, mit denen wir Menschen uns gerne umgeben und von denen wir meinen, dass sie wichtig sind, haben für unsere Pferde aber gar keine Bedeutung.

Was also stünde auf dem Wunschzettel meines Pferdes, könnte es einen schreiben?

„Ich wünsche mir nur eine Sache“, hat das Pony geantwortet, als ich es nach seinem Weihnachtswunsch gefragt habe. „Ich wünsche mir, dass du dich endlich mal wieder ganz entspannt einfach nur bei mir bist.“

Ja, ich weiß: Das Pony kann nicht reden. Doch ich bin mir sicher – könnte es reden, dann würde es genau das zu mir sagen.

Der Kopf ist voll. Ich bin unentspannt.

Vielleicht kennst du das auch: Wenn ich zum Stall fahre, dann komme ich meistens direkt von der Arbeit. Es ist früher Abend und ich hatte einen anstrengenden Tag. Mein Kopf ist voll mit Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Ich kämpfe mich durch den Feierabendverkehr der Großstadt. Ich ärgere mich über meine Kollegen und die vielen Autofahrer. Dann komme ich endlich am Stall an – jetzt im Winter ist es natürlich schon ganz dunkel -, schau auf die Uhr und denke: Zwei Stunden, länger darf ich nicht bleiben. Zu Hause wartet jemand mit dem Abendessen auf mich. Und außerdem muss ich diese eine Sache heute Abend noch unbedingt erledigen.

Puh. Ich bin völlig unentspannt.

Keine Ahnung, wie es dir geht. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich dieses angespannte Gefühl auch nicht wirklich ablegen kann. Ständig habe ich die tickende Uhr im Hinterkopf. Ich rechne nach, was ich mit meinem Pferd machen kann, wozu unsere Zeit ausreicht. Schließlich muss ich auch noch Stalldienst machen. Soll ich reiten? Oder vielleicht doch lieber Bodenarbeit machen – hier spare ich mir immerhin das Satteln…

Ständig habe ich die Uhr im Blick. Und mein Handy. Denn dort lese ich die Uhrzeit ab. Das hat wiederum aber zur Folge, dass ich auch direkt alle neuen E-Mails und Whats-App-Nachrichten sehe, lese und häufig auch direkt beantworte, weil ich das Telefon ja sowieso grad in der Hand habe.

Und wenn ich dann nach zwei Stunden am Stall nach Hause fahre, dann ärgere ich mich, dass ich es nicht geschafft habe, die Zeit mit und bei meinem Pferd wirklich zu genießen und abzuschalten.

Doch es ist ja nicht nur der Faktor Zeit, der mich davon abhält, mich wirklich zu entspannen und die Zeit bei und vor allem mit meinem Pferd bewusst zu genießen. Es sind auch so viele andere Dinge.

Ich grüble ständig darüber nach, ob die Fütterung gut ist. Ich frage mich, ob der Sattel noch passt, ob ich vielleicht doch nochmal den Osteopathen holen sollte und ob mein Training ausreichend und abwechslungsreich genug ist. Man hört und sieht und liest ja so viel.

Und dann ist es bei mir am Stall so, dass ich nur selten ganz alleine bin. Meistens sind auch andere Menschen dort. Und natürlich freue ich mich, sie zu sehen. Je nachdem, wie nah man sich ist und wie sehr man sich mag, bleibt man eine Weile zusammen stehen und schnackt. Da werden Probleme erörtert und Erfolge verkündet.

Das ist ja auch alles schön und richtig und wichtig.

Aber: Mein Pferd, das ich von seinen Freunden weggeholt habe, damit es Zeit mit mir verbringt, läuft in diesem Moment nur so nebenher. Meine Aufmerksamkeit liegt ganz woanders.

Und das ist schade.

Was ist mit Ruhe und Achtsamkeit?

Ich bin meilenweit entfernt davon, einfach mit meinem Pferd zu sein. Ruhe und Achtsamkeit fehlen mir zurzeit total.

Und das merkt natürlich auch mein Pferd. Ich habe das Gefühl, dass es gerne mit mir zusammen ist. Aber es möchte auch, dass ich bei ihm bin. Voll und ganz. Und zwar nicht nur während für den Moment des Trainings, sondern auch darüber hinaus.

Zu Recht.

Stell dir vor, du bekommst Besuch und du freust dich, dass der Besuch da ist, weil du gerne mit deinem Besuch zusammen bist. Aber dein Besuch ist völlig unentspannt und kann die gemeinsame Zeit gar nicht richtig genießen. Warum das so ist, das weißt du nicht. Du merkst nur, dass es etwas nicht in Ordnung ist und fühlst dich ebenfalls nicht mehr wohl. Du wartest darauf, dass dein unentspannter Gast geht und du mit den entspannten Mitbewohnern deiner WG allein bist.

Freundschaft ist ein Geben und ein Nehmen. Und wenn ich erwarte, dass ich die Aufmerksamkeit meines Pferdes bekomme (und das erwarten die meisten von uns), dann muss ich im Gegenzug die gleiche Aufmerksamkeit meinem Pferd geben.

Durch die vielen Ablenkungen verliere ich den eigentlichen Blick für mein Pferd. Anstatt hinzuhorchen und wahrzunehmen, ob es ihm gut geht, mache ich mir lieber Sorgen um das Futter, den Sattel und das Training.

Immerhin bin ich mir der Situation bewusst. Aber es zu ändern ist schwer.

Heute habe ich mir ganz bewusst Zeit genommen. Ich habe mich zu ihm gesetzt, ihn beim Fressen beobachtet und war ganz einfach nur mit ihm und bei ihm. Und ich kann dir sagen: Es war so schön! Es war als hätte er gesagt „na siehst du, entspannen ist doch gar nicht so schwer“. Und mal ehrlich: Gibt es etwas entspannenderes, als einem Pferd beim Heufressen zuzuhören?

Der Wunschzettel meines Pferdes

Schon als Kinder haben wir gelernt, dass uns unsere Weihnachtswünsche erfüllt werden, sofern sie nicht zu groß oder zu verrückt sind. Deswegen möchte ich auch gerne den Weihnachtswunsch meines Pferdes erfüllen und meine Zeit mit ihm in Zukunft bewusster und dadurch viel entspannter verbringen. So wie auf dem Beitragsbild, das nun schon einige Jahre alt ist.

Wie ist es bei dir, hast auch du manchmal das Gefühl, dass dein Pferd sich wünscht, dass du deine Zeit mit ihm bewusster verbringst? Wie schaffst du es, deine Zeit am Stall bewusster zu verbringen? Ich freue mich auf deine Erfahrungen!

 

Viele Grüße und bis bald,

Karo

 

PS Wenn du wissen willst, was sich die Pferde der anderen Pferdefreunde so wünschen, dann such einfach bei Facebook nach den Hashtags #pfeihnachten und #pfeihnachtskalender.

 

PPS Danke an Claudia von Pferde im richtigen Licht und Saskia vom Pferdespiegel, die diese tolle Adventskalenderaktion ins Leben gerufen haben.

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3 thoughts on “Der Wunschzettel meines Pferdes”

  1. Hey Karo.
    Der Artikel beschreibt gut was viele Reiter oft spüren. Ich habe da doch sehr Glück und Pech zu gleich. Ich habe (leider) kein eignes Pferd. Was aber nicht heisst das ich mir keine Sorgen mache, aber ich trage die Verantwortung nicht. Ich mache mir schon gedanken um das Pferd das ich reite. Es ist jung und dominat. Viele bestrafen es wenn es etwas falsch macht. Der Hufauskratzer wurde vermutlich oft als Waffe bei ihr benutzt denn sie hasst das Hufe auskratzen. Ich mache mir auch immer Gedanken über die Reitstunde und meine Fehler. Ich gehe noch zur Schule und habe meine Reitstunde absichtlich auf den Samstagmorgen gelegt. Im Sommer ist es für die Pferde morgens angenehmer zum Laufen und mir schwirrt nicht im Kopf herum was ich noch für die Schule tun muss, das ist auch schön.

  2. Hallo Karo,

    Danke für das Teilen Deiner ehrlichen Worte! Ich glaube, es gibt unglaublich viele Pferdemenschen, die Deine Gedanken nachvollziehen können. Beim Thema „Sorgen machen“ bin ich sofort dabei 😉 Ich mach mir ständig Gedanken, ob jenes oder dieses nicht gut fürs Pferd sein könnte oder ob es ihm nicht gut geht. Manchmal fang ich dann an ihn übervorsichtig zu behandeln und dann muss mich mein Trainer dann auf den Boden der Tatsachen zurückholen und mir sagen, dass ich mit meiner Vorsichtigkeit ihn richtig gehend dahin erziehe, sich so zu verhalten, wie ich das manchmal erwarte.

    Was die Zeit im Stall betrifft, geht es mir nicht so. Das liegt bestimmt daran, dass ich nicht mit dem Auto zum Pferd fahre, sondern schon im Zug abschalten kann. Bei dem Feierabendverkehr würde ich verrückt werden. Das Handy mache ich eh immer aus und der Empfang ist sowieso ganz schrecklich im Stall. Außerdem nehme ich mir an den Tagen beim Pferd danach nichts mehr vor. Ich wüsste ganz genau, dass mich das sehr anfangen würde zu stressen. Ich betrete förmlich eine andere Welt, wenn ich den Stall komme und kann glücklicherweise einfach abschalten. Das war schon als Kind so bei mir. Das wünsche ich Dir also auch ganz fest für Dein Pferd, aber vor allem für Dich!!! :-*

    1. Liebe Saskia,
      Danke für deine lieben Worte!
      Als ich noch Studentin war und mit dem Bus zum Stall gefahren bin, war ich auch viel entspannter und bewusster bei Sleipi.
      Neben dem Autofahren ist es aber natürlich auch so, dass er nun „schon“ fast 7 Jahre mein Pony ist. Vielleicht ist da auch ein bisschen Alltagstrott eingekehrt.
      Die letzten Tage habe ich mich bemüht viel bewusster die Zeit zu genießen. Ich bin viel glücklicher nach Hause gefahren. 🙂
      Liebe Grüße
      Karo

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