Zirkustricks mit Pferden - hier macht ein Islandpferd ein Kompliment

Darum sind Zirkustricks mit dem Pferd so toll

Steht der Reitplatz bei nasskaltem Schmuddelwetter unter Wasser, ist der Boden gefroren oder ist das Pferd krank, dann sind Zirkustricks eine schöne Möglichkeit, das Pferd zu beschäftigen. Warum du Zirkustricks in deinen Trainingsplan einbauen solltest und welche zirzensischen Lektionen es gibt, das verrate ich dir in diesem Beitrag.

Für mich gibt es vor allem 3 Gründe, warum Zirkustricks mit Pferden toll sind. Diese sind:

  1. Zirkustricks verfeinern die Pferd-Mensch-Kommunikation!

Mit Zirkustricks kannst du die Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd verfeinern. Dein Pferd lernt nicht nur dir besser zuzuhören, sondern auch mitzudenken. Es wird sich viel stärker an dir orientieren und aufmerksamer sein. Das konnte ich zumindest bei meinem Sleipi beobachten. Wenn wir mit dem Tricktraining beginnen, dann achtet er sehr auf mich und was ich ihm sage und er versucht, alles richtig umzusetzten und ein Lob

Mein Eindruck ist, dass mein Pferd viel mehr bei mir ist und viel aufmerksamer mitarbeitet bei allem was wir machen, seit ich regelmäßig Tricktraining mit ihm mache.

  1. Zirzensische Lektionen gymnastizieren!

Zirzensische Lektionen fördern die Beweglichkeit deines Pferdes. So stärkt Podesttraining die Hinterhand- und Rückenmuskulatur und der Spanische Schritt fördert die Schulterfreiheit (hier erkläre ich dir, wie du deinem Pferd spanischen Schritt beibringen kannst). Beim Kompliment dagegen werden Muskeln, Sehnen und Bänder gedehnt und das Gleichgewicht geschult.

Viele Reiter, die sich mit dem Thema Zirzensik noch nicht auseinandergesetzt haben, kritisieren, dass das völlig unnatürliche Bewegungen seien. Doch das stimmt nicht: Wenn du Pferde beim Spielen beobachtest, dann wirst du sehr oft bemerken, dass sie steigen, voreinander auf den Boden gehen und knien oder imponieren wollen und einen spanischen Gruß zeigen. Und wenn ein Pferd nach dem Wälzen aufsteht, dann bleibt es häufig einen Moment lang sitzen.

Ein ganz tolles Buch, in dem der Gymnastizierungseffekt von Zirzensik beschrieben ist, ist das Buch Zirzensische Lektionen* von Eva Wiemers. Sie erklärt darin anhand der Biomechanik des Pferdes, warum Zirkustricks als präventive Gymnastik sinnvoll sind und wie man sie machen sollte, damit sie gesund und förderlich sind.

  1. Zirkustricks mit Pferden machen Spaß!

Neben diesen in der Tat sehr nützlichen Aspekten gibt es aber noch einen viel wichtigeren Grund, warum du Zirkustricks in dein Training einbauen solltest: Dein Pferd wird es lieben!

Ganz wichtig ist dabei aber, dass du das Tricktraining positiv begleitest. Ich zum Beispiel verbinde es mit dem Clickertraining. So kann ich viel gezielter loben und positiv bestärken und mein Pferd verknüpft eine bestimmte Bewegung mit Lob.

Ganz oft lasse ich mein Pferd nach der Bodenarbeit oder dem Reiten noch ein paar Tricks machen. Meistens darf es noch einmal auf das Podest klettern. Ich weiß, dass es ihm sehr viel Spaß macht. Dann haben wir jedes Mal einen sehr positiven Trainingsabschluss. Das Podest hat für uns noch einen Vorteil: Das Pferd muss seine Beine enger zusammenstellen und wölbt dadurch seinen Rücken auf.

Pferd verstuch Hula Hoop Reifen über den Kopf bzw. Hals zu werfen
Der Hula Hoop Reifen soll über den Kopf

Die positiven Aspekte von Zirzensik auf einen Blick:

  • Gymnastizierung
  • Muskelaufbau
  • Schulung der Lernfähigkeit
  • Vertrauensbildung
  • Verbesserung der Kommunikation
  • Spaß und Abwechslung

Voraussetzungen für Zirkustricks mit dem Pferd

Bevor du anfängst, Zirkustricks mit deinem Pferd zu üben, möchte ich noch kurz etwas zu den Voraussetzungen schreiben, die dein Pferd mitbringen sollte.

Ganz wichtig und unabdingbar ist, dass dein Pferd die Basics der Bodenarbeit beherrscht. Das heißt, es sollte sich führen, am gesamten Körper berühren und sich von dir rückwärstschicken lassen.

Darüber hinaus muss dein Pferd vom Kopf her soweit sein – denn auch wenn Tricktraining ganz viel Spaß macht, ist ein Fohlen definitiv viel zu jung dafür.

Wenn dein Pferd älter oder vielleicht sogar verletzt ist, dann kannst du es mit Zirkustricks super beschäftigen. Es muss ja nicht immer ein Kompliment sein: Ja- und Nein-Sagen, Hütchen umkippen oder Flehmen beschäftigt dein Pferd vom Kopf her, ohne dass es sich körperlich anstrengend muss.

Das richtige Equipment

Ansonsten brauchst du für das Einüben von Tricks und zirzensischen Lektionen grundsätzlich nicht viel: ein Halfter (beispielsweise dieses*), eine Gerte (zum Beispiel: Waldhausen Dressurgerte mit Gelgriff, azurblau, 110 cm, 110*) oder einen Horseman-Stick* und – wenn du mit Futterlob arbeitest – ausreichend Leckerlis.

Wenn du Tricks einüben möchtest wie Hütchen umwerfen oder Ball spielen, dann brauchst du natürlich Pylonen (beispielsweise Das HAEST Reitsport Set – 10 Blaue und 10 Gelbe bruchfeste Hütchen mit Tragetasche*) bzw. einen Fuß- oder Gymnastikball.

Islandpferd steht mit seinen Vorderbeinen auf dem Podest. So werden die Hinterhand gestärkt und die Rückenmuskeln gedehnt
Podesttraining stärkt die Hinterhand und dehnt die Rückenmuskulatur des Pferdes

Vor dem Training: Muskeln aufwärmen

Eins ist noch wichtig: Bevor du mit dem Üben von Zirkustricks beginnst, musst du unbedingt die Muskeln deines Pferdes ausreichend aufwärmen, indem du es beispielsweise einige Runden im Schritt über den Platz führst und es sich dehnen lasst.

Außerdem ist es wichtig, dass du ein klares Konzept im Kopf hast und genau weißt, was du willst. Andernfalls kannst du dein Pferd sehr schnell frustrieren und stressen, weil es dich nicht versteht. Im schlimmsten Fall reagiert dein Pferd aggressiv und versucht, der unangenehmen Situation zu entkommen.

Eine Auswahl möglicher Zirkustricks

Hier findest du eine Auswahl verschiedener Zirkustricks, die du mit deinem Pferd üben kannst.

  • Hütchen umwerfen (und aufstellen)
  • Hula-Hoop-Reifen über Hütchen werfen
  • Teppich ausrollen
  • Gegenstände aufheben
  • Ball spielen
  • Ja- und Neinsagen
  • Beine kreuzen
  • Bergziege
  • Plié / Verbeugung (wie das geht, erklärt dir Herzenspferd)
  • Kompliment
  • Knien
  • Flehmen
  • Küsschen geben
  • Podesttraining
  • Spanischer Schritt und Spanischer Gruß
  • Mit einem Tuch winken
  • Hula-Hoop-Reifen über den Hals (hier ist eine tolle Anleitung)
  • Handtuch fangen
  • Sitzen
  • Liegen

Ganz viele tolle Anleitungen zu den einzelnen Tricks findest du zum Beispiel bei Sabine von clickerpony. und in dem weiter oben empfohlenen Buch von Eva Wiemers. Außerdem kann ich dir zu dem Thema noch das Buch Bea Borelles Zirkusschule: Bühne frei für Pferde* empfehlen.

Übst du auch Zirkustricks mit deinem Pferd? Warum bist du ein Freund von Zirzensik und welche Übungen beherrscht dein Pferd bereits? Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt.

Viele Grüße

Karo von Pferdefreunde

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2 thoughts on “Darum sind Zirkustricks mit dem Pferd so toll”

  1. Sehr schön geschrieben. Mein Friesenhengst und ich lieben Zirkuslektionen. Er ist, wie du schon gesagt hast, viel aufmerksamer geworden, achtet mehr auf mich und ist sensibler auf Kommandos geworden. Bodenarbeit stärkt die Verbindung zwischen Pferd und Reiter. Kann es nur jedem empfehlen.
    LG

  2. Wir machen noch keine Zirkuslektionen – ich sage bewusst „noch“ – weil ich das toll finde 🙂 Nur muss sich die restliche Ausbildung erst noch ein bisschen setzen, bei einem jungen Pferd wie meinem. Ich sehe aber schon ansätze bei ihr – sie steigt immer gerne von alleine mit den Vorderhufen auf das Podest, das wir auf dem Platz herumstehen haben 😉 Das wird also vermutlich etwas werden mit dem Zirkuspony 😉 Ganz liebe Grüße, Petra

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