Paddockgestaltung

Vom Planquadrat zum Lebensraum – Paddockgestaltung mal anders

Wie kann ich den Paddock gestalten, damit mein Pferd nicht nur ausreichend Platz, sondern auch Abwechslung für den Kopf und Bewegungsanreize hat, damit es den vorhandenen Platz auch wirklich ausnutzt? Diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Und ich weiß, dass es ganz vielen anderen Pferdebesitzern genau so geht.

Vor einer Weile habe ich mich mit dem Thema Bewegungsanreize verstärkt auseinandergesetzt. Ich habe einen Artikel zum Thema Paddocktrail für das Pferdemagazin ReitZeit geschrieben. Eine meiner Interviewpartnerinnen dabei war Jenny Pohl,  die mir von ihrem tollen Trail erzählte, den sie für ihre Pferde angelegt hat. Ich war begeistert. Leider bietet nicht jeder Offenstall die Möglichkeit, einen Paddocktrail anzulegen. Doch ich bin überzeugt, dass sich auch ein stinknormaler Paddock abwechslungsreich gestalten lässt – und das sogar ohne großen Aufwand. Weil Jenny in ihrem Offenstall bereits so viele tolle Dinge für ihre Pferde umgesetzt hat, habe ich sie um einen Gastbeitrag zum Thema Paddockgestaltung gebeten und ich freue mich sehr, dass sie dieser Bitte nachkam und uns ein wenig was darüber erzählt, wie wir unseren Offenstall so pferdegerecht wie möglich gestalten können.


Kurz ein paar Worte zu mir:

Ich bin Jenny, 32 Jahre jung und Pferdenärrin seit meiner Kindheit. Ich wohne in der Nähe von Erding und betreibe seit Ende 2014 mit meinem Freund Karl-Heinz eine Pferdepension – den Birkenhof Wölling. Nach vielen Umgestaltungen und schlaflosen Nächten, die ich brütend über Literatur und Webseiten zur Pferdehaltung verbracht habe, ist mittlerweile ein kleines Paradies entstanden. Über meine Erfahrungen rund um den Hof, die Möglichkeiten moderner Pferdehaltung und allem voran das Ziel, Pferde glücklich zu machen, schreibe ich nun seit wenigen Monaten auf meinem Blog www.horse-love.com.

Ich freue mich sehr, dass ich Euch in diesem Gastbeitrag ein paar Ideen weitergeben darf!

Vom Planquadrat zum Lebensraum – Paddockgestaltung mal anders

Mit einem umzäunten Viereck fing alles an: Dank des Trends zum Offenstall sind (befestigte) Paddocks mehr und mehr zur Standardausstattung artgerechter Gruppenhaltung avanciert. Diese Variante der Auslauffläche bietet besonders in den nassen Wintermonaten Vorteile gegenüber klassischen Koppeln und kann sowohl als Ergänzung, als auch als Alternative zu Weideflächen genutzt werden. Auch im Sommer ist die Möglichkeit, gerade Ponies und leichtfuttrige Pferde vom Gras fern zu halten, ohne sie stark in ihrem Bewegungsdrang einzuschränken, von Vorteil. Dennoch finde ich, dass viele dieser Flächen noch zu phantasielos genutzt werden…

Raufe, Wasser, Zaun. Punkt. So knapp lässt sich die Einrichtung vieler klassischer Paddocks umschreiben. Dass außer durch die Herdendynamik auf einer solchen Fläche wenig Bewegung herrscht, verwundert nicht. Dabei bringen Pferde so viel Neugierde mit und zeigen ausgeprägtes Erkundungsverhalten – wenn man es gezielt fördert.

Das Stichwort hierzu lautet „Enrichment“ oder Verhaltensanreicherung. Es soll Tieren, die in Gefangenschaft leben, Beschäftigungsanreize bieten, die ihre genetischen Anlagen aktivieren. Denn sind Körper und Geist beschäftigt, bedeutet das einen deutlichen Gewinn für die Lebensqualität und wirkt zudem Langeweile und stereotypem Verhalten entgegen.

Was hoch wissenschaftlich klingt, funktioniert eigentlich ganz einfach: Man betrachtet die Bedürfnisse der Vierbeiner und überlegt sich, wie man diese möglichst abwechslungsreich befriedigen kann.

Pferde als Dauerfresser: In der freien Natur bewegen sie sich bis zu 16 Stunden am Tag langsam grasend vorwärts

Eine Raufe auf dem Paddock mit 24 Stunden Heu sorgt immerhin dafür, dass die Pferde ganztägig die Möglichkeit haben zu knabbern. Nachteil: Bei mangelnder Beschäftigung verlassen sie die Futterstation kaum noch. Platziert man hingegen verschiedene Behältnisse, Netze oder mehrere Raufen auf der verfügbaren Fläche, pendeln die Tiere von einem Platz zum anderen. Ganz besonders gut funktioniert das, wenn an jeder Station eher kleine Portionen angeboten werden und die Pferde zum Platz B weiter wandern, wenn das Futter am Platz A zur Neige geht. Auf großen Flächen oder sogenannten Paddock Trails lässt sich dies am besten umsetzen – aber auch kleine Paddocks werden durch das Anbieten von Alternativen interessanter. Neben reinen Futterquellen gibt es natürlich weitere Gestaltungselemente.

Zusatzraufe als Alternativangebot
Die Zusatzraufe stellt ein alternatives Futterangebot dar und bietet den Pferden einen Bewegungsanreiz

Pferde als Entdecker: Die Tiere sind neugierig und haben ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten

Ein kurzer Exkurs: Meine Nachbarin hat für ihren Hamster ein Paradies im Zwergenformat geschaffen. Häuschen, Tunnel, Knabberäste und ähnliches hat sie liebevoll in der Unterkunft arrangiert. Alle paar Wochen platziert sie die Einrichtungsgegenstände neu. So hat der Nager selbst auf kleinstem Raum eine abwechslungsreiche Umgebung. Warum sollte man diese Möglichkeit nicht auch für die Pferdehaltung nutzen? Mobile Raumteiler, wechselnde Heu-Stationen oder alternative Wege, die mal geöffnet und mal geschlossen werden, laden immer wieder zum Entdecken ein, regen zum Denken an und holen die Vierbeiner aus ihrem Alltagstrott.

Fellpflege: Neben der Möglichkeit sich mit Artgenossen zu putzen, schätzen Pferde Möglichkeiten zum Schubbern und Wälzen

Für die Fellpflege kann ein Bereich des Paddocks mit feinem, gewaschenen Sand als Wälzplatz aufgeschüttet werden Auch ein Pfosten oder Baumstamm mit Gumminoppen, Viehbürsten oder einfachen Schrubbern aus dem Haushaltsbereich ist vor allem im Fellwechsel beliebt und wird häufig aufgesucht. Geschickt platziert, sorgt sogar das für Bewegungsanreize!

Raumteiler mit Bürsten
Die Bürsten am Raumteiler werden gerne zum Schubbern genommen
Kratzbaum
Der Lieblingsplatz vieler Pferde: ein Kratzbaum mit Bürsten

Pferde als Lauftiere: In freier Wildbahn legen Pferde täglich weite Strecken, meist innerhalb eines festen Territoriums zurück

Wer die Möglichkeit hat, einen Rundweg um Koppel oder Paddock als Trail anzulegen, sollte dies unbedingt tun! Selbst kurze Strecken werden gern zum Laufen genutzt, aber besonders Rundwege sind ideal. Sie sind gewissermaßen „unendlich“ und können beliebig oft von den Tieren umrundet werden. Querliegende Baumstämme, aufgeschüttete Erdwälle als Kletterhügel, Wurzeln zu Zickzack-Wegen arrangiert oder kleine Geröllfelder mit runden Steinen in unterschiedlichen Größen sorgen mit einfachen Mitteln für eine abwechslungsreiche Umgebung, die unsere Haltung dem natürlichen Umfeld frei lebender Pferde zumindest ein Stück näher bringt. Unterschiedliche Böden sorgen für gesunde Hufe und bieten so einen zusätzlichen Mehrwert.

Steht lediglich die reine Paddockfläche für Veränderungen zur Verfügung, muss es kein Rundweg sein. Auch ein Stichzaun, der den Raum in zwei Bereiche teilt und das Zurücklegen längerer Strecken notwendig macht, liefert bereits für Anreize zur Bewegung.

Darüber hinaus gibt es Spielzeuge, Knabberäste, Mineralstationen und viele weitere Dinge, die den Pferden Abwechslung bieten können. Die Möglichkeiten sind (beinahe) unbegrenzt und es muss nicht immer ein großer Umbau sein. Mit ein wenig Phantasie und einem Blick auf die Bedürfnisse unserer Vierbeiner können Paddocks selbst mit einfachen Mitteln zu echten Lebens(t)räumen gestaltet werden.

Sand und Totholzhecke
Der Sandbereich wird gerne als Wälz- und Liegefläche genutzt
Totholzhecke Paddock
Die Totholzhecke stellt auf dieser Fläche eine tolle Abwechslung für die Pferde dar. Sie bietet nicht nur Knabberäste, sondern sie ist auch ein prima Raumteiler
Stichzaun
Der Stichzaun teilt den Paddock in zwei Bereiche und sorgt dafür, dass die Pferde weitere Wege zurücklegen müssen, um von A nach B zu gelangen

Danke liebe Jenny für deinen Beitrag!

Wenn du ein paar Eindrücke von Jennys eigenem Stall haben möchtest, kannst du mal auf ihrer Facebookseite vom Birkenhof Wölling vorbeischauen. Dort sind jede Menge Fotos die zeigen, was sie ihren Pferden alles anbietet.

Und nun bin ich gespannt: Wie sieht dein Paddock aus? Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir davon in einem Kommentar erzählst und mir und den anderen Lesern weitere Ideen zur Paddockgestaltung verrätst. Wir haben bei uns am als kleine Abwechslung (und zur Erleichterung der Nachtfütterung) zum Beispiel noch ein automatisches Weidetor.

Viele Grüße

Karo von Pferdefreunde

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4 thoughts on “Vom Planquadrat zum Lebensraum – Paddockgestaltung mal anders”

  1. Hallo,
    Sehr intessanter Block, mit tollen Ideen für zu Hause.
    Ich habe eine Frage zu der Totholz Trennung.
    Wie haben Sie die Hölzer befestigt? Oder wurden die ineinander verkeilt?
    Mit freundlichen Grüßen

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